2025 – 220: Wieder auf Wanderschaft

Nun ja, mehr oder weniger – vielleicht sogar auf der Flucht.

 

 

staendig unterwegs
von einem ort zum naechsten
vorm wetter fliehen

Ein Senryū.

 

 

Für ein Haiku scheint es mir dann doch zu wenig bestimmt; die von vielen Haijin geforderte Konkretheit fehlt, und es beschreibt auch keine einmalige Situation und kein einmaliges Ereignis …

 

Erinnerung des Tages:
Als ich heute jemanden häkeln sah: Als Kind häkelte ich Spitze um Taschentücher.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. August 2025 war ich zufrieden mit dem Ankommen und Aufbauen, mit dem Wieder­sehen mit sehr lieben Leuten (sieben Jahre jetzt schon), mit mir entgegengebrachtem Vertrauen.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

2025 – 219: Reglos

Es gibt Gründe, die ein Erstarren notwendig machen.

 

 

Ohne jede Bewegung sitzt sie da, reglos, scheint nicht einmal zu atmen. Hält den Arm seltsam angewinkelt in die Luft und bietet einen sehr sonderbaren Anblick. Ich gehe näher und frage dabei: „Geht es Ihnen gut, brauchen Sie Hilfe?” Ich höre ihr Flüstern, kann es gerade so verstehen: „Ja, alles gut. Kommen Sie nicht näher! Ich habe Angst, daß er sonst wegfliegt!” Diese Antwort hatte ich nicht erwartet, und ich sah auch nichts, das hätte wegfliegen können. Ich hob die Kamera, zoomte und konnte auf dem Display sehen, was sie meinte. An ihrer nach unten zeigenden Handfläche hat sich ein Schmetterling niedergelassen, ein Kleiner Fuchs vielleicht oder ein Tagpfauenauge – aber so gut kenne ich mich mit Schmetterlingen eben nicht aus. Zwei Bilder machte ich von dem Tier an ihr. „Falls Sie gern eine Erinnerung daran haben möchten: Ich habe den Schmetterling gerade fotografiert.” Ich hörte ihr geflüstertes Danke und ging weiter.

Am nächsten Tag treffen wir uns zufällig vorm Discounter. Ich hatte die Fotos mittlerweile auf mein Telefon kopiert und kann sie ihr per Bluetooth „übergeben”. Und ich gestehe ihr auch, daß ich sie um das Erlebnis mit dem Schmetterling tatsächlich beneide.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Vor dem Losfahren heut frü entsorgte ich einigem Müll aus dem Fliewatüüt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. August 2025 war ich zufrieden mit mit dem rechtzeitigen Aufstehen, mit der Freude der Kinder, mit der Ruhe in der Badewanne.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, Miniatur, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 218: Erbstück 036

Tagebuch A: Sonnabend, 5. Februar.

 

 

Es war heute Zeit für einen Haushaltstag. Aber zuerst Kaffee, ein Brötchen aus dem Tiefkühlfach und ausreichend Zeit zum Wach­wer­den. Ich hatte mir einen Radiosender gesucht, den ich für passend hielt, der dann auch einfach so, ohne meine Aufmerk­sam­keit zu sehr zu beanspruchen, vor sich hindudelte. Knappe zwei Stunden gönnte ich mir heute für meinen Start in den Tag.

Als erstes war ich einkaufen. Ich kann ja ohne Kaffee und Milch und Kekse nicht leben. Heute nahm ich auch die leeren Pfandflaschen mit. Weil Eisbergsalat im Angebot war, wußte ich auch gleich, was ich heute oder morgen essen würde. Brot nahm ich mit, zur Sicher­heit noch ein Glas Honig. Und Orangenmarmelade. Ich sollte in nächster Zeit genug für leckere Frühstücke haben.

Wieder zuhause. Erst wurde der Einkauf weggeräumt, danach eine Maschine Wäsche angestellt und der Abwasch erledigt. Ich wider­stand der Versuchung, zwischendurch nochmal an den Rechner zu gehen, aber nur schwer. Ich machte mich über ein Fach des Bücher­regals her. Darinnen standen 52 Bücher, die ich mir ansah. Will ich dieses Buch wirklich lesen, fragte ich mich bei jedem einzelnen. Wie üblich sortierte ich sie auf drei Haufen. Ein Mathematik-Nach­schla­ge­werk wird wohl für immer bei mir bleiben, auch wenn ich nur noch Weniges von dem verstehe, was da drin geschrieben steht. Es wurde zum Fundament des Stapels „behalten”. Daneben landete ein Handbuch der Esoterik auf dem Platz für die Bücher, die „weg” sollen. Bei nur acht der 52 Bücher konnte ich mich nicht auf Anhieb entscheiden. Und so landeten zuerst die 16 zu behaltenden wieder im Regal, die wegzugebenden in einer großen Einkaufstasche. Ich gönnte mir 45 Minuten am Rechner, erledigte Mails, sah nach neuen Blogbeiträgen bei drei Freunden. Und nahm dann die acht Bücher erneut zur Hand. Nun, das Buch über Andorra kann weg, das Totenbuch der Tibeter lese ich auch nicht ein zweites Mal, Readers Digest – da fragte ich mich, wieso die überhaupt noch bei mir im Regal verblieben waren. Am Ende stellte ich die übrig­blei­benden drei (Oberthür: Mein fremdes Gesicht, Valentin: Grabbes letzter Sommer, Cibulka: Das Buch Ruth) wieder ins Fach. Alles von Konsalik z. B. gehörte heute zur Kategorie „weg”. Die packte ich dann noch um in einen Karton, schrieb an allen möglichen Stellen „Zu verschenken” drauf; irgendwann stelle ich den regengeschützt irgendwo in der Stadt ab.

Dann saß ich erneut am Rechner, hatte mir den Kurz­zeit­wecker auf 45 Minuten gestellt. So verpaßte ich nicht die Zeit, die ich zum Schreiben nutzen wollte. Noch immer liegen hier drei zu bear­bei­tende Texte und warten darauf, fertiggestellt zu werden. Doch das geschah heute wieder nicht. Stattdessen gelang mir (glaube ich) eine Miniatur über vom Leben enttäuschte, alternde Männer und ihre Gewohnheiten. Genau, der Anstoß dazu kam aus meinem eigenen Erleben. So wenige Bildchen und Filmchen habe ich mir schon lange nicht mehr angesehen wie in der Zeit, seit meine Frau nicht mehr da ist. Denn ich habe ohne sie nicht wirklich eine Gelegenheit, die davon ausgelöste Lust in Zweisamkeit auszuleben; und ganz ehrlich gestehe ich, daß mir das alleine keinen Spaß macht, ja, das ist für mich i. d. R. nicht einmal mehr entspannend, sondern macht mich nur noch sehnsüchtiger. Naja, aus dieser Erkenntnis entstand eben das kurze Geschichtchen, das Schlaglicht, diese Miniatur.

Wenigstens etwas, das ich geschafft habe. Nein, ich dachte nicht darüber nach, ob und wie ich die bewußten drei Texte jemals fertig­stellen werde. Die gebe ich nicht auf, die werden – dessen bin ich mir ganz sicher – irgendwann einmal für mich zufriedenstellend abgeschlossen sein.

Vorhin habe ich dann zwei Schalotten geschält und sehr fein gewürfelt, aus Öl, saurer Sahne und ein wenig Essig eine Salatsoße zusammengerührt, die natürlich auch gewürzt, und dann damit den kleingerissenen Eisbergsalat angemacht, den es heute beim Einkauf für billiges Geld gab. Mehr brauchte ich nicht zum Abend­essen. Viel zu selten esse ich solchen frischen Kram, viel zu selten. Das ist aber auch oft sehr teuer, sich so gesund zu ernähren. Ob sich an dem Dilemma etwas ändern läßt durch mich selber?

Ich werde jetzt wohl noch ein Weilchen lesen, vorher muß ich mich noch für ein Buch entscheiden. Für eines der vielen Bücher, die ich bald lesen möchte. Ein Stündchen vielleicht noch, und dann ist es Zeit zum Schlafen. Ich denke, ich habe heute genug erledigt für einen Tag. Leider bleibt die zweite Betthälfte auch heute wieder leer, immernoch. Ich weiß nichts mehr über sie; seit sie ging, habe ich nichts mehr von ihr gehört oder gesehen. Leider kann ich auch keinen ersten Schritt machen: Ich habe weder eine Telefonnummer, unter der ich sie erreichen könnte, noch eine Adresse, an die ich ihr schreiben könnte. Außerdem: Lesen und schlafen. Morgen sehe ich weiter.

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

 

Erinnerung des Tages:
Die praktische Arbeit während meiner (nebenberuflichen) Ausbildung zum Instandhaltungs­me­cha­niker (Industrieschlosser) fand in einem Bergbaubetrieb statt, allerdings nur übertage: im VEB Zinnerz Ehrenfriedersdorf.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. August 2025 war ich zufrieden mit einem abgeschickten Paket, mit dem beladenen Fliewatüüt, mit mariniertem Hering (zu dem auch Bulgur schmeckte).


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erbkladden, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 217: Einmal so ganz allgemein

Was heißt denn hier, was ist „zumutbar”?

 

Es wird einmal mehr heftig draufgehauen auf die Transferleistungsempfänger, Bür­ger­geldbeziehenden, vulgo Hartzer … Dabei bekommt einer von denen im ganzen Jahr nicht so viele Transferleistungen wie ein einzelner der anderen Art in einem Monat. Warum wird Arbeitsverweigerung bei denen nicht bestraft!?

Und es wird wieder getönt: Wer zumutbare Arbeit nicht annimmt, dem werden die Sozialleistungen (teilweise oder vollständig) gestrichen.

Zumutbare Arbeit.

Ich kann mich daran erinnern, daß ich einmal zur Teilnahme an einem Schnuppertag bei einem großen Versandhändler verpflichtet wurde. Nun, die gestellten Aufgaben schaffte ich, aber: Ich schaffte es nicht, mitzugehen in die große Halle, in der die Arbeit getan werden mußte. Gefühlte dreißig Meter über ein Gitterrost in drei oder vier Metern Höhe und dann auch noch eine Gitterrosttreppe hinab, das war mir mit meiner Höhen­angst nicht möglich. Tja, die Arbeit wäre dennoch zumutbar für mich, oder? Höhenangst? Pech. Die stört beim Arbeiten nicht. Außerdem könnte ich ja die Arsch­backen zusammen­knei­fen und so den Weg in der Höhe schaffen, nicht wahr?

Wie würde wohl über die Zumutbarkeit von Arbeit entschieden (und wer würde das tun)? Jede Arbeit, die die Höhe der Sozialleistungen verringert, ist zumutbar, immer, nach Aktenlage? Wer an Depression erkrankt ist, soll jede Arbeit annehmen, weil jede Arbeit wieder Struktur in den Tag bringt, und das hilft ja gegen die Depression? Die Arbeit in fensterlosen Räumen ist für Klaustrophobiker gleichzeitig Konfronta­tions­therapie usw. usf.? Also ist das alles zumutbar?!

Ich hätte gern eine genaue, allgemein verständliche, rechtlich bindende Erklärung/Festlegung, wie Zumutbarkeit ermittelt werden muß. (Das gilt übrigens nicht nur für die zumutbare Arbeit, sondern für sehr viele Bereiche.) Das nicht rechtssicher zu gestalten, das wäre eine Zumutung.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Kleidungsstücke (jahrelang nicht mehr getragen) brachte ich in den Altkleidercontainer. (Der Schrank ist noch immer so voll wie vorher.)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. August 2025 war ich zufrieden mit dem sehr geringen Tempo heute, mit einem ange­fan­genen Brief, mit den Käsekrainern.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Gedachtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 216: Einen Versuch zeige ich euch

Einen, in dem ich das Wort zu vermeiden versuchte.

 


 
Der Anblick einer Möse.
 

Ich mag, daß ich sie betrachten darf,
bei Licht und mit gutem Gewissen.
Ihr Duft macht mich immer mal wieder scharf
und in so manche hab ich gebissen.

Am liebsten habe ich die, die wie Flügel
sich von mir entfalten lassen.
Die, bei denen ich dort unterm Hügel
das Fleisch mit den Fingern kann fassen.

'ne Obsession habe ich wohl zu gestehen:
Ich bin süchtig danach, diese Stelle
in jeder Farbe und Form anzusehen,
und zwar genüßlich, nicht nur auf die Schnelle.

Du glaubst, sie ist häßlich? Und aus diesem Grund
läßt Du sie niemanden schauen?
Warum denkst Du das nicht von Deinem Mund?
Oder von Deinen Augenbrauen?

Nun gut, es kann sein, daß es eine stört,
daß ich zwischen ihren Schenkeln liege,
weil es sich weithin eben nicht gehört,
daß ich sie so deutlich zu sehen kriege.

Und weißt Du, wenn es Dir nur zu wild
erscheint, mir den Anblick direkt zu erlauben,
dann schick mir bitte von ihr ein Bild.
(In dem kann ich Dich riechen, werde ich glauben.)

Ach ja, eins noch, doch fällt's mir nicht leicht,
auch das jetzt hier zu offenbaren:
Das Ziel meiner Neugier ist für mich erreicht,
zeigst Du sie mir ganz frei von Haaren.

 
 

 

Jupp. Ich hab mich getraut. Kein Meisterwerk, nein, das ist es nicht. Und auch die Schlüsselworte bzw. das Reizwort wollte ich vermeiden (es stand zuerst im Gedicht­titel, ich hatte es dann Der ungehörige Anblick genannt, aber das schien mir doch unpassend). Doch das ist der bisher einzige meiner Versuche, den ich eben nicht für vollkommen mißlungen halte.

Naja, typisch Kerl eben. Nicht wahr?

 

Erinnerung des Tages:
Ja, vom Begrüßungsgeld damals wurde auch etwas in einem Sex-Shop ausgegeben (und ich weiß noch, wo und wofür).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. August 2025 war ich zufrieden mit der begonnenen Einpackerei, mit meinem Rosen­kohl­eintopf, mit mehreren begonnenen Texten.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

2025 – 215: Besondere Bewertung

Über die Schönheit und den Geruch von Fortpflanzungsorganen.

 

Heute habe ich ein absonderliches Thema, und wieder einmal ist, worüber ich nach­denke, anzüglich: Denn über die Schönheit und den Geruch von Fortpflanzungs­or­ga­nen wurden schon viele, verdammt viele Gedichte geschrieben und veröffentlicht. Allerdings nur über die von Pflanzen: Rosen, Tulpen, Nelken, Lilien und wie sie alle heißen. Über Blumen und Blüten also.

Natürlich gibt es auch Gedichte, in denen es um den körperlichen Aspekt der Liebe zwischen Menschen geht. Brecht und Goethe haben da einiges geschrieben und einige andere mehr. Über die Schönheit und den Geruch der Fortpflanzungsorgane aber nicht. Ich kann mich an keines dazu erinnern, fand auch durch Suchen im Netz keine Beispiele. Wie soll das auch gehen, da es im Deutschen keine schönen Worte für diese Dinge gibt, sondern nur „blumige” Umschreibungen, da alle gemein­spra­chigen Bezeichnungen als derb, ungehörig, jugendgefährdend, pornografisch oder gar „wissenschaftlich steril” rezipiert (oder verteufelt) werden … Ja, es gibt keine schönen, allgemein akzeptierten deutschen Worte für – entschuldigt bitte – Möse und Schwanz.

Sicherlich, es ist ein Nischenthema, ganz bestimmt nicht von allgemeinem Interesse, das Gedicht darüber. Denn es geht wirklich nur um Gedichte zu diesem Thema. Und doch wurmt mich dieses Fehlen – aber ich scheitere selbst immer wieder daran, daß, was ich dann schreibe, selbst mir zu pornografisch oder gar lächerlich erscheint und voller unziemlicher Worte ist.

Und so warte ich weiter auf das Gedicht über die Schönheit und den Geruch der Fortpflanzungsorgane der Menschen … Und glaube fest daran, daß ich nicht das einzige Individuum bin, das soetwas gern lesen würde. (Falls wer welche kennt: Gerne in einem Kommentar verlinken oder zitieren; auf Wunsch werde ich dann den Kommentar nicht freischalten, öffentlich nicht sichtbar werden lassen.)

 

Erinnerung des Tages:
Als ich Brechts Liebesgedichte zum ersten Male las, als Jungspund noch, ach, was ging mir da mein Herz auf.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. August 2025 war ich zufrieden mit einer Wortliste, mit den abgesprochenen Plänen für die Woche und das Wochenende, mit Bratwurst und Sauerkraut zum Brot.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Gedachtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 214: Ich bin nicht alt

Aber schon lange bin ich viel älter, als ich einst werden wollte.

 

Es gab eine Zeit, da hielt ich Vierzigjährige für steinalte Menschen. So alt wie meine Großeltern zu werden, konnte ich mir nie vorstellen. Über Sechzig: undenkbar. Jetzt bin ich es schon eine ganze Weile und muß mit Einschränkungen zurechtkommen, die wohl dem Alter (und meiner undgesunden Lebensweise) geschuldet sind. Aber ja, ich habe gelernt, damit umzugehen. Zwei Dinge stören mich mehr als alles andere: wenn mich Menschen mit „Junger Mann” ansprechen und wenn mir jemand sagt, daß ich alt werde oder alt bin.

Auf das letzte allerings habe ich seit Jahren die passenden Antwort: Ich bin nicht alt, ich bin (nur) leicht antik. (Irgendwo hab ich das vor Jahren mal aufgeschnappt.)

Dann wird oft gestutzt, gelacht und fröhlicher weitergeplaudert …

 

Erinnerung des Tages:
Vor 14 Jahren war ich mir endlich sicher, daß ich eine teilstationäre Therapie machen möchte (Tagesklinik).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. August 2025 war ich zufrieden mit der herausgekramten Kamera (die auf Reisen gehen soll), mit einem ausgelesenen Terry-Pratchett-Buch (das ich ein zweites Mal lesen muß denke ich), mit einer Funkenkutschenrunde durch die Stadt.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , | 7 Kommentare

2025 – 213: Reimblödelei

Allerdings scheint sie mir unfertig, mit zu vielen Lücken.

 

 

Ein Sonnenstrahl, so ganz allein,
fiel einst in einen Spiegel rein
und merkt, daß dieses Ding für ihn
fast ist wie so ein Trampolin.

Er hüpfte drauf und sprang sogleich
aufs Wasser im Forellenteich.
Doch dorten wollt' der Strahl nicht bleiben
und traf auf ein paar Fensterscheiben.

„Ach”, seuftz er, mehrfach reflektiert,
„ich fühl mich wirlich angeschmiert.
Ich seh' mich jetzt hier zwar zu zwein,
doch ist mein Spiegelbild nur Schein.”

Ein Sonnenstrahl, so ganz allein,
fiel nicht auf Spiegelungen rein.

 

 

Ach, wenn ich doch einfach zufriedensein könnte mit allem, das ich so verzapfe. Wenn ich etwas zu essen koche, dann bin ich immer damit zufrieden, denn es schmeckt mir – ich frage mich nicht, ob es anderen schmecken könnte. Auch bei anderen Dingen stelle ich mir diese Frage nicht. Nur bei Geschriebenem … Da fehlt mir eine Art (kindliche oder jugendliche) Unbekümmertheit.

Manchmal frage ich mich, wodurch ich die „ersetzen” könnte.

Hier zum Beispiel entstand, was ich zeige, schnell und spontan. Das dauerte nur die Zeit, die ich zum Aufschreiben der Worte benötigte. Dann aber saß ich etwa eine Stunde vorm Papier und versuchte, das zu finden, was dazwischen gehört. Aber da kam nichts. Also erledigte ich andere, notwendigere Dinge, die zum funktio­nie­renden Alltag gehören. Und später versuchte ich erneut, das in meinen Augen Fehlende zu finden. Aber da war wieder nichts. Puh.

Und dann denke ich: Hm. Ich kann das doch freigeben zum Weiterbearbeiten, Umschreiben? Hab ich gemacht (s. u.) … Vielleicht gefällt die Idee jemandem, die/der etwas draus machen kann.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Nachdem ich jetz zwei Garnituren Bettwäsche gekauft habe, wurde drei Garnituren verschlissener entsorgt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. August 2025 war ich zufrieden mit erledigtem Kram im Haushalt, mit selbstgekochter Nudelsuppe, mit einem ausgedehnten Mittagsschlaf.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz CC by-nc Website
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung). Bearbeitung ausdrücklich erwünscht.

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

2025 – 212: Wohlstand wirkt

Ein prophetischer(?) Schriftsteller. Und unbekannt blieb er auch.

 

 

Den Menschen kommt es heute auf den Wohlstand an, immer nur auf den Wohlstand, weniger auf das Zusammenleben und noch weniger auf die Wahrheit, die zwischen Mensch und Mensch not­wen­dig ist. Warum mit Problemen belasten, die nichts ein­brin­gen? Haben wir nicht längst schon ein ausgeklügeltes System für das, was wir Liebe nennen? Was uns in der Liebe heute fehlt ist Phan­tasie. Mit Gewohnheiten aber beginnt die erste Phase des Sterbens. Und dann kommt die Verstellung, kommen die Umarmungen, die längst schon zur Pflicht geworden sind.

Hanns Cibulka: Das Buch Ruth. Aus den Aufzeichnungen des Archäologen Michael S. S.124f
© Mitteldeutscher Verlag Halle · Leipzig, 1978.
4. Auflage, Lizenz-Nr 444-300/62/85 · 7001
Best.-Nr. 638 6180

 

 

Geschrieben sicher schon vor 1978. Ich erkenne im Zitat mein Leben wieder bzw. Phasen meines Lebens. Und stelle mit Erschrecken fest, daß das Ding mit dem Wohl­stand heute noch viel weiter verbreitet ist als damals schon. Heute stoße ich mich jedoch am Erkennen mehr als zu der Zeit, da ich das Buch zum ersten Mal las (etwa 15 Jahre her). Am Erkennen, nicht an dem, was da beschrieben wurde. Denn das Beschriebene ist heute allgegenwärtig und scheint allgemein akzeptiert.

Ich mag die kleinen Bücher, in denen die Werke von Hanns Cibulka meist erscheinen sind. Und ich möchte – obwohl ich die Anzahl der in meinem Besitz befindlichen Bücher reduziere – zusehen, daß ich alle von ihm zusammenbekomme, wie ich das mit den Strittmatters, Anna Seghers und Christa Wolf vorhabe. Unter erschwerten Bedingungen: Ich möchte sie am liebsten aus den Öffentlichen Bücherschränken retten.

Und jetzt denkt euch selbst euren Teil zu Wohlstand, Liebe, Phantasie und Pflicht.

 

Erinnerung des Tages:
Als Kind besaß ich eine Puppe mit dem Namen „Schlari”, der ich Finger und Zehen abgekaut hatte. Sie verschwand erst in der dritten Klasse.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 31. Juli 2025 war ich zufrieden mit der Zeit in der Badewanne, mit der geschafften Arbeit im Haushalt, mit den fast zwei Stunden in der Innenstadt.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

2025 – 211: Stolpern über Haltung

Sowas taucht im Denkicht auf, wenn ich Zeit zum Denken habe.

 

 

Was sind denn jetzt meine Werte: Habe ich (noch) welche, befinde ich mich vielleicht in einem Wertevakuum, suche ich, schwanke ich, pendele ich von einem Extrem ins andere; weiß ich nicht oder nicht mehr, in welche Richtung ich weitergehen soll (selisch und geistig)?

Eins ahne (weiß?) ich: Die Werte, die mir einst als richtig und dauer­haft vermittelt wurden, sind heute bestenfalls Spinnereien, die der (für mich zum Teil entsetzlichen) Realität entgegenstehen könnten und deshalb verboten, verunglimpft, verlacht, entwertet werden.

 

 

Beispiele: Solidarität, Natur- und Umweltschutz, Wahrheit, Wissenschaft. Werte, auf die heute viele lieber nicht angesprochen werden wollen … Welche Haltung nehme ich ein zu den („veralteten”) Werten und dem heutigen Umgang mit ihnen?!

(Und fragt nicht, wie ich zu solchen Gedanken komme: Sie eind einfach da wie so mancher Text, den ich sonst niederschreibe.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich gab einige Kleidungsstücke im Umsonst-Laden ab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. Juli 2025 war ich zufrieden mit einer Stunde unterwegssein zu Fuß, mit dem Nach­denken über das Woher so mancher Gedanken, mit einer großen Schüssel grünen Salats.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Gedachtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar