064.2026: Am Abend

Der Klang ist so charakteristisch: Das große Orchestrion.

 

Draußen wird es dunkel, der Sonntag geht seinem Ende entgegen. Wie jeden Abend sitze ich da und überlege, was ich heute alles „geschafft” habe. Aufstehen, Schreiben, etwas Scannen, zwei Stunden anwesend sein beim Vereinstraining – bei dem ich nichts zu trainieren habe, aber Informationen bekomme und loswerde.

Einmal mehr wundere ich mich darüber, daß die Zeit auch beim scheinbaren Nichts­tun so schnell verrann und verrinnt. Dabei bin ich mir sicher, heute nicht getrödelt oder Zeit verträumt zu haben. Und doch scheint einiges davon vergangen zu sein, ohne daß ich (bewußte) Erinnerungen daran habe. Deswegen werde ich dennoch nicht anfangen, mir alles akribisch aufzschreiben, aufzulisten. Wobei sollte mir das helfen können? Eben, bei nichts, das wirklich von Bedeutung ist.

Daran bleibe ich hängen: was wirklich von Bedeutung ist. Ich versuche, mir dazu Notizen zu machen. Aber wie kann ich all die Dinge beschreiben, die mir in den Kopf kommen. Und zählt „Blowjob” tatsächlich dazu oder „Klopapier”? (Entschuldigung, aber das waren die ersten beiden notierten Begriffe.) Ich bin weder mit der Frage noch mit irgendeiner Art von Notizen als Antwort darauf fertig und werde beides mit in den Schlaf nehmen, denke ich.

Die schweren Brocken fallen mir zumeist abends zu. Und es dauert dann länger, einschlafen zu können, weil das Karussell im Kopf sich mit lauter, nach übergroßem Orchestrion klingender Rummelmusik noch dreht. Nachher schick ich den, der mit seinem Hund in der Nacht auf dem Rummelplatz Wache hält, zum Hauptschalter; der kümmert sich hoffentlich darum.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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063.2026: Unbegreiflich

Es betrifft mich nicht, ich denke trotzdem drüber nach.

 

Kurz nach dem Aufstehen daran gedacht: Heute ist Frauentag. Der war wichtig in meinem Heimatland – vom Muttertag wußte kaum jemand etwas. (Oder hatte der ein Nazi-Geschmäckle und wurde deswegen „vergessen”?) Der Frauentag war so wichtig wie der Lehrertag, der 1. Mai und der 7. Oktober. Na, das liegt mittlerweile Jahrzehnte zurück. Aber das, was wir Kinder gelernt haben zu diesem Tag, das haben nur wenige von uns vergessen, nicht wahr?

Daß einmal wieder für ganz normale Rechte der Frauen gekämpft werden muß (ich weiß, ich wollte mich für sieben Wochen solcher Vokabeln enthalten), war für mich unvorstellbar, ist mir unbegreiflich. Vor allem: Jetzt wird für die oft längst überfällige Umsetzung geltenden Rechts gestritten, was einfach absurd ist – und zwar in allen Lebensbereichen und Rechtsgebieten (UN-BRK, SGB II, Mietrecht usw.).

Kopfschüttelnd trank ich meinen Kaffee und dachte daran, daß auch dort damals nicht alles gut und richtig war; aber wenn ich mit Frauen rede, die das erlebten, dann gefiel ihnen einiges am Recht besser als heute.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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062.2026: Ich saß auf einem Steine

… und hatte echt nichts mit Walther von der Vogelweide zu tun.

 

Ich war heute zweimal in der Stadt unterwegs. Beim ersten Mal mußte ich einen Einkauf erledigen. Beim zweiten Mal war ich nur unterwegs. Und dann saß ich auf einem Stein. Da saß ich, saß einfach nur in der Gegend herum und schien mich zu langweilen. Aber nein, ganz im Gegenteil: Ich genoß die Muße, bis die Muse mich zu küssen versuchte. Sehr oft geschieht das sowieso nicht, auf den Musenkuß warte ich oft vergeblich. Aber wenn es passiert, dann glaube ich einen Satz zu hören, dann huscht nach einiger Zeit etwas schnell und unscharf im Augenwinkel durch mein Blickfeld. Und wie intensiv und wie lange ich auch nach einem vermeintlichen Tier Ausschau halte – am Ende war es eine Ahnung, ein Phantom, eine der ungeweinten Tränen.

Heute war die Eingebung in dem Augenblick verschwunden, da ich – endlich – die Kladde aus dem Rucksack hatte. Nicht schlimm, dachte ich, hatte ich doch eine Weile all den Ärger der Weltlage vergessen. Und außerdem: Die Zeit zum Herumsitzen nehme ich mir gern.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 07.03.2026 das gekaufte Gerät, die acht weggebrachten Bücher, die verdöste Zeit draußen.


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061.2026: Denkweise

Ein paar zaghaft und unsauber formulierten Gedanken dazu.

 

Ich bin mir sicher, daß ich in der Schule auch das Denken lernte. Jedenfalls die Art und Weise des Denkens, welches Bildung und Neugier und Phantasie und Utopie unbedingt brauchen. „Wissenschaftlich” mag ich es nicht nennen, aber vielleicht rational-logisch? Jedenfalls gehörten dazu auch das Finden von Fakten, die Prüfung von Behauptungen, das Erkennen von Unrichtigem. Und es war die Art und Weise des Denkens, das Denken, das ich selbst tun konnte und mußte. Ja, ich glaube, das habe ich in der Schule gelernt.

Mir half diese Fähigkeit auch über die drei Jahre Wehrdienst bei der NVA hinweg. Über die Zeit, in der selbst zu denken nicht überall gern gesehen war. Mitdenken im Dienst war dennoch gefragt, notwendig sogar, denn es machte hin und wieder einiges leichter, gar überflüssig, jedenfalls weniger zwanghaft. Natürlich hatten wir damals ein anderes Denkgebäude, in dem wir uns bewegten; und es sah von außen betrachtet oft anders aus als es war, denn „schöne” Fassaden konnten wir schaffen, Fassaden, die vor all dem standen und vieles von dem schützten, was wir so dachten.

Denken lernen. Nein, ein Schulfach gab es dafür nicht. Die Schulen im Land waren ja polytechnisch (stark naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet) und sollten zur Bildung von „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten”, später (also zu meiner Zeit) zu der von „vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft” beitragen. Ich denke noch immer, wir bekamen ein durchaus solides Grundwissen, eine recht gute Allgemeinbildung vermittelt – abseits aller politischen „Indoktrination”. Viele Lehrer schafften es, den Schülern auch Grundlagen des (nicht nur marxistischen) Humanismus' zu ver­mit­teln. Dafür bin ich ihnen dankbar (selbst einem StaBü-Lehrer, der schonungslos ehrlich war).

Das prägt mich bis heute. Ich hinterfrage, wo andere (Resigniert? Desillusioniert? Uninteressiert? Überdrüssig?) nur folgen oder abwinken. Eine große Wirkung auf das Hier und Jetzt habe ich damit nicht, Vorteile kann ich mir dadurch auch nicht erschleichen. Vielleicht macht mir diese Art und Weise zu denken mein Leben auch schwerer als notwendig? Ich weiß es nicht. Aber, so mühevoll es auch sein sollte, so interessant ist es auch für mich. Ich bleibe also dabei …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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060.2026: Zuviel

Ich machte heute drei Baustellen auf.

 

Als erstes sortierte ich aus meinem Kleiderschrank einiges aus, was zu verschlissen ist, um weiterhin getragen zu werden. Da waren Jacken und Westen und Hemden und Hosen, die so niemand mehr tragen kann; mir paßte von all dem auch nichts mehr. Jetzt hängen noch drei Jackets, etwas trachtig Angehauchtes und ein Smoking vorm Schrank. Tracht werde ich nie wieder tragen, die Jackets könnte ich im Haus hinhängen – aber was mache ich mit dem Smoking? Der ist wirklich nur drei- oder viermal getragen, und billig war er nun auch nicht grad (damals aber konnte ich ihn mir leisten) … Also?

Dann habe ich einmal alle unbenutzen Kladden hergesucht, aus drei verschiedenen Teilen einer Schrankwand. 85 Stück zählte ich, von DIN A4 über DIN B5, DIN A5, DIN B6 bis zu DIN A6 und in vielen Sonderformaten. Die meisten sind liniert, einige kariert, und dann sind da noch vier ganz ohne Lineatur. Nur eine einzige Kladde hat diese für mich unbenutzbare Punktlineatur „dotted” – ürgs. Diese Baustelle habe ich abgeschlossen; alle Kladden sind jetzt in zwei übereinanderliegenden Fächern verstaut.

Ich saß heute auch wieder da und scannte Zettel. Deren Haufen hat sich in den letzten Tagen wieder vergrößert, denn beim alltäglichen Sortieren von Papier fällt immer wieder etwas an, das Aufhebenswert zu sein scheint. Ich befürchte, daß hier noch ungefähr 30.000 Stücke Papier herumliegen, die ich ansehen muß … Ach, das scheint euch zuviel zu sein? Schaut mal in euer Portemonnaie oder in eure Börse. Was findet sich da? Eben … Irgendwann muß ich mir abgewöhnen, alles Mögliche und Unmögliche aufzuschreiben auf Zettel, die ich nicht sofort sortiere.

Von den drei Baustellen sind also zwei noch lange nicht an dem Punkt, da ich sie als abgeschlossen betrachten kann. Und ich bin mir sicher, daß ich morgen oder übermorgen eine weitere aufmachen werde, eine, deren Umfang ich jetzt, vorher, nicht wirklich abschätzen kann.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 06.03.2026 die sortierten und aufgeräumten Kladden, der Platz im Kleiderschrank, eine Umarmung.


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059.2026: Vorbereiten

Was Menschen lebenslang vermeiden und dennoch irgendwann tun.

 

 

Sie steht vor dem Spiegel, gerade, aufgerichtet, fest, beinahe in sich ruhend. Dem würde sie aber nie zustimmen können, denn in ihrem Inneren ist alles aufgewühlt, dort herrscht ein wahrlich wüstes Chaos an Gefühlen. Deshalb übt sie zu sprechen und eine zu ihren Worten passende Körpersprache zu zeigen. Denn eines ist ihr sehr bewußt: Irgendwie muß endlich dieses Ungewisse, dieses Hängen-im-Dazwischen, das Unentschiedene überwunden werden. Und es gibt wohl keine andere Möglichkeit, als daß sie ihr Herz öffnet und Klartext spricht. Er wird es sich angesichts seiner Stellung bei ihr nicht erlauben, das zu tun; dabei weiß sie ganz genau, daß ihn das exakt Gleiche umtreibt. Aber selbst ihr jahrzehntelanger Umgang miteinander hat sie nicht in die Lage versetzt, seine Antworten sicher vorherzusehen.

Deshalb steht sie vorm Spiegel und bereitet sich vor. Genau aus diesem Grund versucht sie dafür zu sorgen, daß wenigstens ihre Worte, ihr Verhalten keinen Zweifel zulassen. Keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Worte und keinen Zweifel daran, welche Erwi­derung sie sich wünscht, erhofft. Nochmal. Von vorne. Alles. Auch das, was sie – weil sie sich dessen schämt – niemals, also bisher noch nie, irgendjemandem gesagt hat. Nein, sie konnte das auch nicht ihrem Mann mitteilen. Aber jetzt, jetzt übt sie das, womit sie am Nachmittag – Endlich! – etwas grundlegend verändern möchte.

Mitten in ihrer Redeübung vor dem Spiegel wird Tante Erdmute von einem Räuspern unterbrochen. Ihr stockt der Atem und das Herz. Denn da steht er in der Tür und gesteht, daß er all das schon lange weiß. Daß er ebenso empfindet. Und daß er ihren Umgang miteinander, so, wie er noch immer oder jetzt ist, als amüsantes Versteckspiel miteinander voreinander begreift. Vielleicht macht es, nachdem sie sich gestanden haben, was zu gestehen war, weiterhin ein heimliches, leises Vergnügen tagsüber? Und kleine Ausbrüche daraus können sie sich doch nach den Geständnissen erlauben, oder nicht?

Sie atmet, sichtlich erleichtert, auf und ist froh darüber, daß sie die allerpeinlichsten Geständnisse nicht am hellichten Tag und nicht mit Worten machen mußte.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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058.2026: Kurzkrimi

Absonderlicher Notarzteinsatz.

 

 

Vor vielen Jahren saß hier im Haus der Tod neben einem auf dem Fensterbrett. Außen, da ganz oben im elften Stock. Der ließ sich vom Menschen über dessen augenblickliches Leben erzählen und auch darüber, warum sie jetzt genau da sitzen mußten. Schon nach wenigen Sätzen ging der Tod ins Zimmer und soff sich dort in die Bewußtlosigkeit. Als der Notarzt eintraf, stellte er den Exitus des Betrunkenen fest.

 

 

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Der Emil


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057.2026: Motivation

Ich bin nicht sicher, ob es wirklich Motivation ist, die fehlt.

 

Irgendwie war es leichter, Text- bzw. Blogideen zu haben, als ich mich noch zum täg­lichen Bloggen verpflichet fühlte. Da war es einfach Routine, eine Idee zu finden, sie in Worte zu fassen und dann zu veröffentlichen. Natürlich war es immer wieder auch eine Last, eine Belastung, ein Ringen darum, an jedem Tag zu müssen …

Jetzt habe ich mich von dieser selbstauferlegten Pflicht befreit. Ja, so sehe ich es noch immer. Aber ich merke, daß es mir jetzt eben wesentlich schwerer fällt, überhaupt noch etwas zusammenzuschreiben. Vieles scheint mir viel zu banal zu sein, anderes zu speziell – und dann gibt es ja auch noch Themen, die ich wirklich nicht bearbeiten will hier im Blog. Was würde es denn bringen, jammerte ich über meine Schwie­rig­keiten mit der Weltlage herum, würde ich von meinen irrationalen Ängsten erzählen, die nähere Zukunft betreffend? Die haben doch mit Sicherheit sehr viele Menschen, die noch klar denken können …

Noch möchte ich mein Experiment mit meiner Freiheit nicht für beendet erklären. Noch suche ich nach etwas, das mich zum Schreiben motivieren könnte, das mir zu neuen Ideen verhülfe. Lange aber werde ich mir diese Unzufriedenheit mit dem Ganzen nicht mehr ansehen können. Selbst dann nicht, wenn ich meine mir von mir gewährte Freiheit … Also, wenn ich mit der nicht ohne Unzufriedenheit umgehen kann, dann verichte ich lieber wieder darauf. Ich bin und bleibe absolut konsequent in meiner Inkonsequenz!

Ehrlich. Wenn ich etwas, das mir nicht mehr so ganz paßt, aufgebe zugunsten von etwas, das mir noch weniger paßt: Dann ist es doch nur verständlich, daß ich zum weniger Unpassenden zurückkehre? Und mir damit über eine Zeit hinweghelfe, in der ich auf der Suche nach Anderem bin? — Noch will ich nicht wieder tagtäglich bloggen, nicht hier in diesem einen einzigen Blog (ich habe ja noch mehr davon). In den nächste Tagen möchte ich einen modus operandi finden, der mir meine Ideen zurückgibt und mich vielleicht dennoch nicht zu einer täglichen „Pflicht” bringt. Keine Ahnung, ob so etwas überhaupt möglich ist.

Jaja, auch wieder nur unsortiertes Zeug aus meinem Denkicht.

 

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Der Emil


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056.2026: Schnappschuß

Ich war unterwegs und fand eine nichtleere Leere.

 

Ich war nicht darauf gefaßt; so konnte ich nur mit dem Telefon agieren:

 

Blick in einen leeren Glaskasten (Verkaufsstand, etwa 4x4 m groß). Gegenüber dem Betrachter hängen an einer hellen Konstruktion noch die Spender für Seife und Desinfektionsmittel. Ganz links am Bildrand steht ein Feuerlöscher in einem Gestell. Durch das Glas hindurch ist der Blick auf das Innere des Bahnhosgebäudes wegen der Reflektionen im Glas undeutlich.

Nichtleere Leere
Gläserner Verkaufsraum im Bahnhofsgebäude.

 

Ein in meinen Augen sehr sonderbarer, bemerkenswerter Anblick.

 

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Der Emil


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055.2026: Kleinigkeit

Unsortiert verschwommener Einblick in das, was bei mir Denkicht heißt.

 

Am Sonntagmorgen unterhalte ich mich mit einem Menschen, der mir sehr nahe­steht. Ziemlich schnell kommen wir dabei völlig unvorbereitet auf ein Thema, das uns beide wirklich interessiert. Und wie das so ist, springt meine Phantasie an, sehr heftig. Ja, das ist nicht ungewöhnlich bei mir, das kenne ich. Manchmal entstehen aus solchen Momenten kleine Geschichten, Schnurren, Sätze …

Heute nicht. Denn die Phantasie würde, so sie umgesetzt wird, Handeln erfordern. Handeln auf unbekanntem Terrain. Ungefähr so, als würde ich jetzt stante pede Filet­häkeln müssen mit vorzeigbaren Ergebnissen. In meinem Kopf wirbeln Trilliarden von Bedenken und ein paar „Dafürs” umeinander, beinahe zentrifugenhaft: Die unwahr­scheinlicheren Dinge verschwinden aus diesem Gemenge. Vor allem das, was nur unter unglücklichster Verkettung widrigster Umstände infolge unmöglicher Fehltritte und Gedankenlosig­keiten geschehen könnte, vor allem das verschwindet schnell. Was bleibt, ist die Angst vor der eigenen Courage.

Hab ich schon mehrfach überwunden, erinnere ich mich. Immer mit weichen Knien und zitternden Händen (im übertragenen Sinne), erinnere ich mich. Am besten gelang mir das immer, wenn ich nicht zu lange und nicht zu analytisch herumkaute auf dem, was ich da beginnen, beenden, tun, lassen und oder durchsetzen wollte. Also hinsichtlich einer Sache, die noch lange nicht spruchreif ist: Kopf ausschalten. Klingt plausibel und einfach.

Ach, es geht wirklich um eine Kleinigkeit, um etwas, das kaum sichtbar sein wird. Das wahrscheinlich niemandem außer mir auffallen wird. Und trotzdem könnte es in mir zu etwas führen, dessen Beherrschung ich mir (noch) nicht vorstellen kann.

 

Vieles ist konkret einfach nicht auszudrücken, konkret nicht einfach auszudrücken. Es sind Schwaden von Dunst, die am Rande meiner Wirklichkeit entlangwabern. Nicht greif­bar vor einem möglichen Geschehen, doch indem ich solches aufschreibe, will ich es für mich greifbar machen. Am End kommt es darauf an, etwas zuzulassen und mitzugestalten und auszuhalten im positivsten aller Sinne – alles wie immer, nicht wahr?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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