267–2024: Fadenflug

Mein Monatsgedicht für den September.

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Fadenflug
 

Es ist die Zeit der bunten Blätter.
Und Früchte fallen von den Bäumen.
Und es verändert sich das Wetter,
läßt mich von andern Zeiten träumen.

Altweibersommerfäden fliegen
am Wegesrand, in Wald und Wiesen.
An manchem Abend wird geschwiegen.
Ich spüre jetzt die Zeit zerfließen.

Ich hab den Herbst schon lang erwartet
und freu mich, wenn der Winter startet.

 

 

Es zieht eine angenehme Melancholie bei mir ein, eine warme, mich einhüllende und auf meine liebste Zeit einstimmende Gemütsregung.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein Zettelhaufen wurde geschrumpft auf etwa ein Drittel seiner Mächtigkeit, das verschwun­dene Papier ist jetzt Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 23. September 2024 mit den in den Öffentlichen Bücherschrank gestell­ten Büchern, mit einer gewissen wiederhergestellten Ordnung, mit der für mich neuen Vorfreude.

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266–2024: Stimmungswechsel

Manchmal reicht dazu ein leichter Hauch, manchmal braucht es mehr.

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Auf dem Tisch draußen liegt ein einzelnes Kastanienblatt, braun und trocken. Ich sah es schon gestern dort liegen – oder schon vorgestern. Oder war das ein anderes Blatt? Das könnte durchaus sein.

Langsam wandern die Schatten weiter. Ein paar Minuten noch, dann scheint die Sonne auf das einsame Blatt. Ich überprüfe jetzt zum x-ten Mal meine Kamera auf dem Stativ. Ich möchte in Bildern festhalten, wie das Sonnenlicht Besitz ergreift vom trockenen Blatt und vom Tisch, auf dem es liegt. Will die Farben einfangen und die Herbststimmung, die ich in diesem minimalistischen Stilleben zu ent­decken glaube.

Da sind die ersten Millimeter des Tischs von der Sonne beleuchtet. Ein erstes Bild ist gemacht, der Film ist transportiert, die Kamera wieder aufgezogen. Durch den Sucher kann ich beobachten, wie ein plötzlicher Windstoß aus dem Nichts heraus das Blatt ergreift und vom Tisch zu tragen versucht. Ich löse ein zweites Mal aus. Vom nunmehr leeren Tisch ist die Herbstimmung verschwunden. Vielleicht finde ich sie noch in den beiden Bildern, wenn ich den entwickelten Film und die Abzüge in den Händen halte, später, irgendwann.

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor vielen Jahren war ich mit einem Schwan „befreundet”: Wenn ich an den Ententeichen war zum Füttern, dann durfte ich das Tier tatsächlich über drei oder vier Jahre streicheln.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 22. September 2024 mit aussortierten Büchern, mit einigem umge­räum­ten Schreib­zeug, mit weggeworfenen Billigkugelschreibern u.a. Stiften (alle ausgetrocknet).

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265–2024: #TankaToGo

Eine aus dem Microblogging übernommene Sache.

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Es ist ja nicht mein erstes Werk dieser Form. Manche der „Tanka to go” bleiben auch ausschließlich dort, im #Fediverse. Das hier nicht:

 

 

Bewegung im Licht
Verstecke hinter Schatten
Und Farbenspiele

Landschaften zeigen im Herbst
Sich verblüffend vielfältig

Ein Tanka.

 

 

Für mich nenne ich diese Fünfzeiler auch „Tanka im Vorübergehen”.

 

Erinnerung des Tages:
Im Linienverkehr der 3 und der 8 in Karl-Marx-Stadt kamen bis zur Einstellung der Linien in den 1980ern Straßenbahntriebwagen zum Einsatz, die noch mit Holzsitzbänken ausgestattet waren – ganz ähnlich wie der TW17 der Naumburger Wilden Zicke, mit dem ich heute fuhr.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 21. September 2024 mit den Fahrten in/mit der Zicke (der Naumburger Straßenbahn), mit den gemachten Bildern, mit einer Denkaufgabe.

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264–2024: Rückfall

Viel weniger dramatisch als es klingt.

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Heut hatte ich beim Wuseln in der Wohnung eine Nebenbeschäftigung, die ich schon lange nicht mehr hatte. Ich fand vor einiger Zeit auf dem Parkplatz des Discoun­ters ein ziemlich alt aussehendes schwarzes, ovales Etui, etwas größer als meine Hand und dick wie eine Streichholzschachtel breit ist. (Oh. Eine Streichholzschachtel als Vergleichsgröße: Wer kennt die noch, ist das noch zeitgemäß oder schon leicht antik?) Die Neugier war groß, so hob ich es vom Boden auf. Drin fand ich 17 CDs, darunter drei selbstgebrannte, Platz wäre für 20 gewesen. Mit dem Ding in der Hand stand ich noch eine Zigarettenlänge dort herum, dann ging ich heim und nahm das Fundstück mit.

Heute am Nachmittag stöpselte ich das DVD-Laufwerk an den Rechner, nahm das Etui her und rippte die CDs. Alles ältere Sachen, auch eine von Leonhard Cohen und eine von Radiohead dabei. Der Vorbesitzer des Etuis und der CDs war allerdings nicht ich: In solchen Sachen liegt bei mir immer ein Zettel mit Namen und Telefonnummer und Mailadresse. Ich vertraue tatsächlich drauf, daß andere Menschen ähnlich drauf sind wie ich: Finde ich solche Angaben, nehme ich Kontakt auf mit dem Verlierer. In den Fällen, wo das klappte, bekamen die Menschen ihre Sachen auch zurück. Und Dinge von Wert gebe ich auch in den Fundbüros ab.

Meine Musiksammlung wächst noch immer. Rückfall in digitales Horten, ja, aber … Denn die CDs gebe ich mittlerweile auch in die Öffentlichen Bücherschränke. Mir reichen zumeist die Dateien auf meinen Festplatten. (Natürlich gibt es Ausnahmen, die auch für immer in meinem Schrank bleiben und bestimmt nicht weggegeben werden, solange ich lebe.)

Am Abend habe ich mir schon vier der Alben angehört. Eines von denen wird wieder von meiner Festplatte gelöscht (Grinderman – Grinderman 2). Und die CDs gehen spätestens nächste Woche auf den Weg zum nächsten Hörer.

 

Erinnerung des Tages:
Wer kennt es noch, das „Manöver Schneeflocke”?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 20. September 2024 mit einem gesehenen Film, mit mutmachenden Worten, mit dem anderen in den Schrank geräumten Zeug.

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263–2024: Fotogen

Zwei gleiche Texte, zwei Perspektiven.

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Sie beschwerte sich. Sie sei doch nicht fotogen. Und er sei kein Foto­graf. Warum er sie dennoch so oft fotografiere, wollte sie wissen. Da könnten doch keineswegs schöne Bilder entstehen. Er versuchte, ihre Bedenken zu zerstreuen, denn für ihn war und ist sie schön und deshalb sind auch die Bilder schön. Und er brauche so viele Bilder von ihr, weil er sie doch viel zu selten sehen kann und noch seltener in den Arm nehmen darf. Dann schaut er sich die Fotografien an und erinnert sich. Auch auf den Bildern kann er sich in ihren Augen verlieren …

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Er beschwerte sich. Er sei doch nicht fotogen. Und sie sei keine Foto­grafin. Warum sie ihn dennoch so oft fotografiere, wollte er wissen. Da könnten doch keineswegs schöne Bilder entstehen. Sie versuchte, seine Bedenken zu zerstreuen, denn für sie war und ist er schön und deshalb sind auch die Bilder schön. Und sie brauche so viele Bilder von ihm, weil sie ihn doch viel zu selten sehen kann und noch seltener in den Arm nehmen darf. Dann schaut sie sich die Fotografien an und erinnert sich. Auch auf den Bildern kann sie sich in seinen Augen verlieren …

 

 

Welche der Versionen? Ja, es wären noch zwei möglich, zweimal sie und zweimal er (und noch weitere Möglichkeiten bestehen). Welche nur? Und nein, das dazu­ge­hö­rige Lied verlinke ich hier nicht …

 

Erinnerung des Tages:
Ich fotografierte vor vielen Jahren in den Kalksteinbrüchen in Hohenerxleben (in beiden Kesseln) – das war ein besonderer Tag für mich.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 19. September 2024 mit vielen Gesprächen, mit dem Überstehen eines kleinen Tiefs, mit neuer Ordnung in einem Schrankteil.

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262–2024: Überwältigend

Wie realistisch ist denn ein Vergleich, hm?

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Eva Strittmatter schrieb in einem Brief vom 9. Juni 1970 über ein Erlebnis bei einer Lesung:

 

 

Die Art, wie die Leute Gedichte auf sich und ihr Leben beziehen, hat etwas Bestürzendes an sich. Aber auch etwas Überwäligendes.

Eva Strittmatter: Briefe aus Schulzenhof. S. 46 f.
2. Auflage 1979 © Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977.
Lizenz-Nr. 301. 120/51/79 Bestellnr. 611 938 1

 

 

Ich bin so ein Leut, das nicht nur Gedichte, sondern auch Sätze und Absätze aus Prosawerken auf sich bezieht. Nicht unbedingt nur in dem Sinn, daß da beschrieben wird, was ich erleb(t)e. Manchmal lese ich nämlich, was auch ich mir wünsche, wovon auch ich träume, was ich mitfühlen und/​oder nachempfinden kann. Wie eben hier: Manchmal wünsche ich mir, daß ich die Wirkung dessen, was ich schrieb, dieses einen ganz bestimmten Gedichtes zum Beispiel, einmal so unmittelbar feststellen, beobachten könnte. Und wahrscheinlich käme es bei mir auf das konkrete Gedicht an, ob ich diese Wirkung als beängstigend oder überwältigend wahrnehmen würde.

Was ich mir nicht vorstellen kann ist, die Wirkung des Geschriebenen schon beim Schreiben zu kennen, zu ahnen, festlegen zu wollen. Tatsächlich schreibe ich, weil ich schreiben will, schreiben muß, ohne das Schreiben nicht (mehr) glaube leben zu können. Aber ich schreibe nicht, um bei euch oder überhaupt irgendjemandem unbedingt, sozusagen zwingend, eine (von mir gar noch vorgesehene!?) Reaktion hervorzurufen (ich verlange und erwarte ja nicht einmal Likes und Kommentare und hoffe doch darauf, und darauf, daß meine Worte jemanden erreichen), weder hier noch anderswo im Netz. Um Aufmerksamkeit buhle ich wohl, alleine dadurch, daß ich mich zum Veröffentlichen im Netz entscheide; und ich weiß, daß ich Reaktionen bemerken werde. Doch bin ich mittlerweile (meiner Meinung und meinem Empfinden nach) an dem Punkt, da ich auch ohne all das weiterschreiben und weiterhin online stellen werde.

Dabei schreibt Eva Strittmatter in diesem Brief nur, daß sie mit ihrem Geschriebenen Menschen zu erreichen hoffte (es geht ihr da ebenso wie wahrscheinlich sehr vielen Schreibenden, Malenden, Kunst i.w.S. Schaffenden). Sie schrieb nicht, welche Wirkung dieses Erreichen haben sollte. Daß ich jetzt diese Sätze auch auf mich beziehe, ist vielleicht doch nur Hochstapelei, Anmaßung meinerseits – eine Reaktion, die sie hätte bestürzend finden können …

 

Erinnerung des Tages:
Als Kind war ich bei der Post angemeldeter Briefmarkensammler, ich holte in der zweiten Klasse jede Neuerscheinung beim Postamt ab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 18. September 2024 mit der Wahrheit, mit entgegengebrachtem Vertrauen, mit weggeräumten Sachen.

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261–2024: Selbstbild

Zufall, daß ausgerechnet auf der ersten Seite …

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Letzthin setzte ich mich an meinen Schreibplatz und nahm eine der Schreib­un­ter­lagen zur Hand. Auf denen finden sich DIN-A4-große Seiten, die mir normalerweise zum Schreiben viel zu groß sind. Doch ich mag dieses Papier nicht einfach weg­wer­fen oder weggeben, ich möchte es trotzdem benutzen – und so begann ich einfach drauflos­zu­schrei­ben. Und auf der ersten beschriebenen Seite fand sich dann das:

 

 

Manche Ereignisse in meinem Leben hätten sicher einen anderen Menschen aus mir machen sollen. Doch hatte ich immer Angst, meiner Meinung nach für mich charakteristische Gewohnheiten abzulegen, diejenigen also, an dene ich mich selbst zu erkennen glaubte. Denn ich hatte und habe Angst, mich zu verändern, obwohl ich ganz genau weiß: Vom Augenblich der Geburt an (ver-)​änderte ich mich andauernd; und jetzt noch passe ich mich stets und ständig an, ganz gleich, für wie unangepaßt ich mich und mein Leben auch halte.

 

 

So denke ich über mich, wenn ich ziellos drauflosdenke. Solche Sentenzen – obwohl, das da ist ja nicht wirklich eine Sentenz, die bestünde nach landläufiger Meinung ja nur aus einem einzigen Satz – schaffe ich nicht, wenn ich mich mit einem bestimmten Denkziel hinsetze.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte heute insgesamt 135 Bücher in zwei verschiedene Öffentliche Bücherschränke #publiclibrary – würde ich so weitermachen, hätte ich Mitte Oktober alle Bücher weggegeben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 17. September 2024 mit drei ausgeräumten Schrankfächern, mit 135 weg­ge­brachten Büchern, mit einer geweckten Hoffnung.

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260–2024: Zeitlos

Prophetische (?) Sätze über unsere heutige Lebensweise.

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Ich gehöre einer Zeit an, die die Zeit nicht erträgt. Die den ganzen Tag gegen sie ankämpft. Die Leute haben nie Zeit, kommen zu spät, überschreiten ihre Zeit, brauchen mehr Zeit, versuchen aber vor allem, Zeit totzuschlagen. Die Zeit ist der große, böse Feind. Unsere Tage sind dem Kampf gegen sie geweiht. Das Schwerste, was ein heutiger Mensch tun kann, ist, nichts zu tun. Mit sich allein zu sein, nirgends hinzugehen, nichts zu unternehmen, den ganzen Tag auf nichts anzuspringen; allein in einem verdammten Sommerhaus zu sitzen, alle Versorgungsleitungen gekappt, und zu denken. Das ist das Allerschwerste. Das hält keiner aus. Darum ist unsere Gesell­schaft so, wie sie ist.

Gedankenlos.

Hallgrímur Helgasson: Rokland. S. 252
Ungekürzte Ausgabe 2012
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München
© 2005 Hallgrímur Helgasson · ISBN 978-3-423-21348-6
Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig.

 

 

Vor 19 Jahren geschrieben. Paßt erschreckend gut auf uns und unsere heutige Zeit, oder nicht? Aber das war leider die einzige Stelle, die mich in diesem Buch wirklich fasziniert hat. Es ist nicht ganz der Schreibstil, dem ich sehr interessiert oder leicht folgen kann. Und doch habe ich die 479 Seiten komplett gelesen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte wieder Bücher in einen Öffentlichen Bücherschrank, habe sie diesmal nicht einmal gezählt …

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 16. September 2024 mit einem Telefongespräch am Morgen, mit Aufge­schriebenem, mit einer ausgeräumten Ecke.

Alle Rechte liegen beim Autor bzw. für die deutschsprachige Buchausgabe bei Klett-Cotta, Stuttgart.

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259–2024: Leise

Immer wieder sorgenvoll zwischenwach und lächelnd.

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Schlagartig ist sie wach und lauscht angestrengt. Dann hört sie ihn kaum wahrnehmbar neben sich atmen. Er schnarcht nicht, wirklich nicht. Dabei war sie sich einmal so sicher, daß sein Schnar­chen sie nächtelang wachhalten würde. Nein, er schnarcht nicht. Aber er atmet sehr, sehr leise. Deshalb wird sie immer wieder wach und horcht, ob er neben ihr noch leise atmet. Tut er, doch kaum hörbar. Da legt sie ihren Kopf wieder in seine große, warme Hand, streicht ihm ganz vorsichtig über die Wange und schläft lächelnd ein.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Trotz Sonntag sortierte ich heute zwei volle blaue Müllsäcke Krims und Kram aus und brachte sie in den Container.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 15. September 2024 mit meinem Elan beim Sortieren, mit Hirsebrei mit Rosenkohl, mit nicht schlechten Nachrichten.

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258–2024: Wiederholung

Allerdings ist dieses Mal etwas ganz, ganz anders.

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Aha, da geht es wieder los. Statt – wie es vernünftig wäre – zu schlafen, kritzele ich wüst auf einem Block herum und versuche so, weitere belastende Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen.

Was mich belastet? Genauer betrachtet wohl nur diese (irrationale) Angst vor einem schon zweimal erlebten, ein drittes Mal aber wohl höchst unwahrscheinlichem Ereignis. Ein drittes Mal werde ich mit großer Sicherheit auch nicht versuchen weiterzuleben, nachdem Du mich verlassen hast oder mich in die Wüste schicktest. Das war die beiden Male bisher immer schmerzhaft, trostlos und sinnfrei, das machte mich empfänglich für Versuchungen aller Art und ließ mich langwierige dunkle Zeiten erleben. Bessere passende Worte: Ertragen. Erleiden.

Da ist aber ein Unterschied, ein wesentlicher: Diesmal hast Du mir gesagt, daß Du ein Leben ohne mich nicht noch einmal überstehen kannst … Du wahnsinniger Kerl.

Und in mir ist noch immer jene Angst.

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor genau einem Jahr aß ich das erste weihnachtlich verpackte Marzipanbrot des Jahres 2023.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 14. September 2024 mit einem ausgelesenen Buch (wiedergelesen, Herbert Otto: Der Traum vom Elch), mit dem trockenen Wetter, mit einem Treffen.

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