2025 – 100: Sattelfest

Einfach mal Luft machen …

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Niet- und Nagelfest ist etwas. Sattelfest ist jemand (auf einem bestimmten Gebiet).

Sorry, aber in diesem Vertragsentwurfsmachwerk ist nichts bis wenig niet-und nagelfest. Allerdings sind die, die es zusammenschrieben, verdammt sattelfest im Schwurbeln, im Vernebeln und in der Dampfplauderei. Wer wie die die Wissenschaft für eine Sache des Glaubens hält, ist in meinen Augen jenseits von Gut und Böse.

Aus einem solchen Pamphlet Kauderwelschwust (oder auf dessen Grundlage) vernünftige Realpolitik für die nächsten Jahre zu machen … Ich zweifle daran, daß das möglich ist. (Die Betonung soll auf vernünftig liegen.)

Sorry, ich bin erwartungsgemäß enttäuscht und könnte im Strahl k… Und werde das Ganze bestimmt nochmal lesen. Und ich weiß wirklich nicht, ob ich Kommentare per WordPress freischalten werde.

 

Erinnerung des Tages:
Es stand mehr Wahres und Konkretes in den Dokumenten des VIII. Parteitages …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. April 2025 war ich zufrieden mit dem Verweilen auf meiner Couch, mit (anderem) Geschriebenen, mit grünem Tee am Abend.


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2025 – 099: Zeitpunkt

Ein Überbleibsel aus der Vergangenheit.

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Auf dem Zifferblatt
Ein seltsamer schwarzer Fleck
Sichtbarer Zeitpunkt

Großväterchens Armbanduhr
Blieb schon vor Jahren stehen

Ein Tanka.

 

 

Ich fand diesen Versuch auf einem Zettel, der zwischen den Seiten einer uralten (könnte sogar aus der Tschernobyl-Zeit stammen) Kladde stak. Nein, ich hatte nie eine solche Uhr, aber ich glaube, daß ich vorm/beim Schreiben ein Bild betrachtete: geborstenes Uhrenglas, verbogene Zeiger, dunkler Fleck auf dem weißen Ziffenblatt mit Römischen Ziffern. War es die eines Liquidators? Jedenfalls sah ich ähnliches vor mir, als ich die wenigen Worte las.

Ich habe – obwohl Zwergenbein noch immer nicht seinen Platz bekommen hat – eine weitere Aufräumsache angefangen. Bis zu meinem Geburtstag möchte ich drei Fächer in meinem Schrank entrümpeln und danach wenigstens zwei davon komplett geleert haben. Ein paar Stifte warf ich bereits weg (und das fiel mir sehr, sehr schwer), Papier hab ich zerrissen, diese Kladde an den Platz geräumt, wo sie hingehört. Und nun klopfe ich drei Mal auf Holz …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Bücher und CDs brachte ich in einen Öffentlichen Bücherschrank.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 9. April 2025 war ich zufrieden mit Sortiertem, mit der mir gegönnten Ruhe, mit einer Vorfreude.


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2025 – 098: Das Rindenschiffchen

Der kleine Traumtransporter.

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Im Sommermittag gehen wir in das Wäldchen hinterm Garten, durch das ein munterer Bach mit kühlem, klaren Wasser tollt. Wir liegen in der wärmenden Sonne und lassen uns auf der kleinen Lichtung streifenlos bräunen. Das Gespräch springt von einem zum nächsten Gegenstand. Längst sitze ich schnitzend neben Dir, und aus dem Stück Kiefernrinde in meiner Hand wird ein kleines Boot. Würde ein kleines Boot werden, wären meine Augen nicht immer wieder von Deinem Anblick abgelenkt. Wir erzählen uns von den geheimen Träumen, die wir haben, und von der Unmöglichkeit ihrer Erfüllung. Denn als Freunde sprechen wir zwar darüber, doch erfüllen können wir sie einander nicht, ohne diese Freundschaft zu gefährden. Ich schaffe es schließlich doch, zwei dünne Hölzchen als Masten in das fertiggewordene Schifflein zu stecken; Du holst zwei Blätter von einem Strauch, die als Segel dienen sollen.

Wir lassen die Decke und alles andere liegen und gehen nackt, wie wir sind, hinüber zum Bach. Du flüsterst dem Rindenschiffchen einen Traum in das eine Segel, ich einen in das andere. Wir setzen es zu zweit hinter einem Stein aus und lassen es über Sand und Gras und Äste und Moos im Wasser davonhüpfen, gehen ein Weilchen nebenher. Händchenhaltend. Als es irgendwann aus unserem Blickfeld verschwindet, kehren wir auf die Lichtung, in die Sonne zurück. Und Du beginnst, ausgestreckt auf dem Rücken liegend, mir den mitgeschickten Traum zu erzählen. Dabei gleiten Deine Hände über Dich, ich kann nur danebensitzen und den Anblick – mich mühsam beherrschend – genießen. Ich bemerke, daß Du gerade in die erträumte Szene eintauchst, sie miterlebst, sehe deutlich, daß Du sie auf ihr Ende hintreibst mit flinken Fingern, die sich weniger zart und immer fordernder bewegen. Du sprichst nicht mehr, atmest nur noch, hältst die Luft an. Plötzlich wirst Du laut, setzt Dich auf, ohne das Spiel Deiner Hand zu unterbrechen. Und läßt mich diesen Moment in Deinen erstaunten, sehnsüchtigen, feuchten, unergründlichen Augen miterleben.

Wir liegen Arm in Arm, einander festhaltend, in der Sonne. Du zitterst noch leicht, als ich Dir zuflüstere, daß mein per Schiff verschickter Traum soeben in Erfüllung ging. Mit einem verschwitzten Lächeln fragst Du nach Revanche, schließlich sei das unter so guten Freunden so üblich.

 

 

Verzeiht mir, aber heute wiederhole ich mich. Denn dieser Text vom 7. April 2017 ist einer, den ich noch immer für einen von meinen besser gelungenen halte. Allerdings verlinke ich hier zum umgezognen Artikel und nicht mehr zur .com-Ursprungs­adresse.

 

Erinnerung des Tages:
Eines der letzten größeren von mir besuchten Konzerten war in Leipzig im Clarapark: Melissa Etheridge gastierte dort 2015, vor zehn Jahren.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 8. April 2025 war ich zufrieden mit meinem Mut zur Wiederholung, mit guter Sülze, mit dem ausgelesenen Suter-Buch (Die Zeit, die Zeit).


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2025 – 097: Ideenklau

Die erste mögliche Variante: Schuhe I.

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Natürlich fragte ich die Mützenfalterin, ob ich den Satz „klauen” darf.

 

 

Neben der Bank im Park steht ein Paar Schuhe, mit den Spitzen zum Gehweg, ordentlich parallel ausgerichtet. Und sie sehen kaputt aus und sehr abgetragen. Einer ist schon mit Panzertape geflickt. Ich stehe davor und überlege, ob es schon warm genug ist, um barfuß heimzugehen? Die Schuhe haben meine Schuhgröße. An meinen Füßen trage ich ähnliche Turschuhe, die ich gestern erst kaufte und heute einlaufen wollte. Doch jetzt stehe ich, gerade einmal von meinem Haus über die Straße in den Park gegangen, hier und habe eine Idee. Was der auf der Bank Schlafende wohl denken und sagen würde – wird! –, wenn ich meine Schuhe einfach danebenstelle oder gegen die zertretenen tauschte? Habe ich die Zeit zu warten, bis der Schläfer erwacht? Habe ich den Mut, seine Latschen wegzuwerfen, wenn ich meine neuen Schuhe stattdessen hinstelle? Klaut die dann vielleicht jemand, der hier vorbeigeht? Was wäre richtig?

Schließlich stelle ich die zerschlissenen Turnschuhe auf den Papier­korb neben der Bank und meine dahin, wo die anderen bis eben standen. Neben der Bank im Park steht ein Paar Schuhe, mit den Spitzen zum Gehweg, ordentlich parallel ausgerichtet. Auf der Bank schläft ein Mann, dessen Reaktion ich nicht vorhersehen kann. Und ich gehe barfuß wieder heim.

 

 

Es sind noch mindestens zwei weitere Textlein dazu im Entstehen begriffen. Danke für die Erlaubnis. Ach, und ehe ich es vergesse: Die Mützenfalterin hat auch ein sehr empfehlenswertes Blog.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Seit mehr als 20 Jahren habe ich diese Whiteboard-Marker im Schrank gehabt, die heute endlich im Müll landeten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 7. April 2025 war ich zufrieden mit dem Verschlafen (ja, wirklich), mit den verschiedenen Schreibideen, mit dem angefangenen Ausräumen eines Schrankfachs.


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2025 – 096: Erbstück 032

Tagebuch A: Dienstag, 1. Februar.

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Ein Monat vorbei. Ich saß kurz vor Neun am Rechner, hatte Kaffee und sogar etwas gegessen Kaffee geht alleine, aber so richtig frühstücken … Ja, ich habe es heute versucht, doch habe ich nicht wirklich richtig essen können. Was ich gestern schrieb, stimmt tatsächlich. Nunm die eine Scheibe Toast mit schinkenwurst ist dennoch besser, als gar nichts gegessen zu haben.

Ich setzte mich mit der letzten Tasse Kaffee an den Schreibplatz und blätterte dort ziemlich lustlos durch meine verschiedenen Geschichten bzw. deren Anfänge. Womit sollte ich weitermachen? Womit nur? Irgendwie bin ich bei allen raus aus dem Fluß, ein Zugang wollte mir heute nirgends gelingen. Nachdem ich eine gute halbe Stunde unruhig und wortlos saß, machte ich mir eine Kanne Tee. Kaminfeuer heißt die Mischung, der ich noch einen Beutel Ingwertee hinzufügte. Schmeckt wirklich weihnachtlich, werde ich auch nach der Weihnachtszeit noch trinken. Aber auch dieser Tee ließ mich nicht in eine der Geschichten finden. Also griff ich zum Schmier­papier und begann zu kritzeln. Ach, wenn ich doch nur Zeichnen oder Malen könnte! Da hätte ich eine Möglichkeit, mich auch außerhalb der Schriftsprache auszudrücken. An Tagen wie heute merke ich überdeutlich, wie sehr mir das fehlt. Oder Disziplin und mehr vom „Das schaffe ich jetzt aber.”

So kritzelte ich. Eine Stunde. Anderthalb Stunden. Schließlich zeich­nete ich wie als Schüler Rosetten auf kariertem Papier. Nichts davon war produktiv. Nichts. Ich kann rein gar nichts davon ins Positive umdeuten. (Umdeuteln. – Wer hat das eigenlich noch nie versucht?) Irgendwann später saß ich dann lesend am Schreibplatz, doch ich las kein Buch. Ich hatte mir aus dem Schrank die alten Kalender herausgeholt, die aus Spruchpostkarten bestehen. Ich weiß, es ist dumm, alte Kalender aufzuheben. Aber meine hier bestehen ja aus (meist kitschig-) schönen Bildern und (altklugen) Kalendersprüchen. Manchmal gibt mir eines der Bilder oder einer der Sätze den not­wen­digen Schubs in einen meiner Texte hinein.

Heute gab es auch einen Anstoß. Einen zum Denken: „Verliert euch nicht; findet euch wieder.” Gilt das nur für Menschen gegenseitig? Ist damit nur ein einziger, ein einzelner Mensch gemeint? Geht es dabei um Familien, ganze Menschengruppen? Wer fühlt sich ange­spro­chen von „Verliert euch nicht; findet euch wieder.” Und aus welchem Grund steht da das Wort „WIEDER”? Als hätten sich die Menschen, alle Menschen (jede und jeder!), als hätte sich der einzelne und konkrete Mensch sich längst schon verloren. Wenn dem so wäre, wozu dann die Aufforderung, sich nicht zu verlieren? Das paßt doch irgendwie nicht. Aber ich kam zu dem Schluß, daß nur beide Aufforderungen zusammen wirklich wirsam umgesetzt werden können.

Und so will ich das, dieses Nichtverlieren und Wiederfinden als Zusammengehörendes, das will ich jetzt verinnerlichen. Und es bleibt in mir eine gewisse Angst, das eine oder andere Verlorene nicht, niemals nicht wiederfinden zu können. Und eine vage Hoffnung bleibt in mir, mit der ich jetzt ohne einen anderen Text ins Traumland gehen werde. Allein.

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.

 

Erinnerung des Tages:
Bei der NVA durfte man nach dem Wecken nicht mehr im Bett liegen; die Sitzhaltung, in der wir noch gut 30 Minuten weiterschliefen, beherrsche ich noch heute.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 6. April 2025 war ich zufrieden mit dem luziden Träumen, mit dem komplett gelesenen Buch (H. G. Wells: Das Land der Blinden. Diogenes-Verlag.), mit der Sonntagsruhe.


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2025 – 095: Zurückweichen

So könnte ich es gesehen haben.

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Ein Chow-Chow sitzt vor einem Laden, etwas abseis des Eingangs zwischen zwei Schaufenstern. Ein echter Chow-Chow; und er ist nirgends angebunden. Er sitzt da und rührt sich nicht. Manchmal wird eine Hand nach ihm ausgestreckt als Angebot zum Schnüffeln oder gar Kraulen – dann steht der Hund auf, geht zwei Schritte rückwärts (bis an die Hauswand) oder zwei Schritte zur Seite. Das ist ein deutliches Zeichen, daß er nicht angefaßt werden möchte; und die Menschen – selbst die Kinder – respektieren das. Wenn die „Gefahr” vorüber ist, kehrt der Chow-Chow genau zu der Stelle zurück, an der er vorher saß.

Ein bemerkenswerter Hund. Er ist schon eine imposante Figur, wie er da sitzt, ähnelt er doch den Löwen, die im Fernen Osten Tempel und ähnliche Stätten bewachen. Es stimmt, er ist nicht angebun­den. Und ob er ein Halsband trägt, ist in seinem dichten, dicken, flauschigen Fell nicht deutlich zu erkennen. Er sitzt da und strahlt eine Ruhe und Majestät aus, die mich beeindrucken.

Aus dem Laden kommt eine weißhaarige, kleine Frau mit einem Rollator. Als sie an ihm vorbeigeht, gesellt sich der Chow-Chow zu ihr. „Bei Fuß” geht das sehr eingespielte, seltsame Paar gemächlich um die nächste Hausecke.

 

 

Erinnerung des Tages:
Ich vermisse den Schwan, den ich vor vielen Jahren streicheln durfte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 5. April 2025 war ich zufrieden mit meinem Vorhaben der Faulheit, mit der Unzu­frie­den­heit mit dem Faulsein, mit dem Unterwegssein im Draußen.


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2025 – 094: Wasserphantasie

Ihr sicheres Eintreten erwarte ich sehnsüchtig.

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Einmal wirst Du mit mir, werde ich mit Dir an einem Wasser sitzen; wir werden unsere Füße hineinbaumeln lassen und nach den Schäf­chen­wolken sehen, die sich um die Sonne scharen. Und es wird warm sein. Und eine sanfte Stille wird uns erlauben, den Gedanken nachzuhängen. Wir werden schmunzeln über all die Verrenkungen und Umwege, die uns notwendig erschienen, um diesen Moment reuelos genießen zu können. Wir werden schmunzeln und atmen mit nassen Füßen und freien Herzen und das Sein spüren mit allen Sinnen. Von da an für immer.

 

 

(Mitten in der Nacht notiert, um danach beruhigt wieder einschlafen zu können.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Siebzehn Bücher brachte ich zu einem Öffentlichen Bücherschrank.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 4. April 2025 war ich zufrieden mit dem Verlauf des Vormittags, mit zwei aufgeschrie­be­nen Textchen (das hier ist einer davon), mit zwei gefundenen erzgebirgischen Weihnachtsbüchern (konnte ich nicht liegenlassen).


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2025 – 093: Gestolpert

Ausgebremst und deshalb in die Wissenschaft geflüchtet.

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Ich lese ja immer in mehreren Büchern parallel – nicht gleichzeitig, nein, immer nur in einem, und doch parallel in normalerweise dreien. Im Moment aber …

Zur Zeit nämlich liegen Martin Suters „Die Zeit, die Zeit”, Eva Strittmatters „Briefe aus Schulzenhof” (ja, noch immer), Ingrid Johannis' „Das siebente Brennesselhemd”, Susanne Mischkes „Der Mondscheinliebhaber” und Bernd Schirmers „Sindbads Mütze” bei mir herum. Alle unterschiedlich weit gelesen bisher. Und in allen fünf Büchern komme ich gerade nicht weiter, denn: In jedem von ihnen fand ich einen Satz oder ein kleines Stück Text, das mich nicht weiterlesen läßt. Worte, die mich beschäftigen, die ich im Denkicht wälze, die ich nicht einfach nur lesen kann. Immer wieder nehme ich eines der fünf Bücher zur Hand, schlage es auf, lese die Seite vor dem Stolpertext und die mit ihm, wiederhole den, einmal, zweimal, versinke in Gedanken und klappe das Buch wieder zu.

In keinem Fall kann ich diesmal erklären (auch mir nicht), was genau mich an eben jenen Stellen festhält, fasziniert, beschäftigt. Es arbeitet noch. Ich weiß, daß irgend­etwas darauf wartet, von mir herausgefunden zu werden aus eben diesen Sätzen – vielleicht sogar eine mir bisher noch völlig unvorstellbare Verbindung zwischen einer Szene aus dem Alltag mit Kindern, Sätzen über die Fernwirkung einer poetischen Stimme, dem Satz mit dem Problem der Zeit, einem Satz zum Luxus der Unerreich­barkeit und den Sätzen über Geborgenheit. Da liegen sie, die fünf Bücher, die gerade unweiterlesbar sind. Doch vielleicht geht es morgen schon mit einem weiter oder mit zweien.

Einstweilen habe ich mir deshalb ein weiteres Buch gegriffen, in dem ich hoffentlich nicht so schnell hängenbleibe. Es ist – nun ja, schon etwas speziell. George G. Szipro: „Das Poincaré-Abenteuer”, Untertitel „Ein mathematisches Welträtsel wird gelöst”. Es heißt, daß der Autor darinnen nur zweimal eine mathematische Formel benötigte, um die ganze Geschichte zu erzählen. Die ersten vier Kapitel jedenfalls ließen mich noch nicht steckenbleiben.

 

Wer die Poincaré-Vermutung nicht findet oder mit Wikipedia nicht viel anfangen kann, dem empfehle ich, diesen Link zu besuchen: Michael Eisermann: Was besagt die Poincaré-Vermutung? Dort kann man vielleicht sich annähern an die Bedeutung des Satzes: Jede einfach zusammenhängende, kompakte, unberandete, 3-dimensionale Mannigfaltigkeit ist homöomorph zur 3-Sphäre. Oder ganz allgemein formuliert: Jede geschlossene n-Mannigfaltigkeit mit dem Homotopietyp einer n-Sphäre ist zur n-Sphäre homöomorph.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Weitere unbrauchbare Kassetten wurden entsorgt und weitere leere Kartons ins Altpapier gegeben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 3. April 2025 war ich zufrieden mit einem Müsli, mit Numiroso, mit einigen im Haus weitergegebenen Kassetten.


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2025 – 092: Buchfund

Eine Deutung möchte ich lieber nicht haben.

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Mir träumte von einem Spaziergang durch eine Kleinstadt. Im Schaufenster eines Buchladens fällt mir etwas auf, nein, es irritiert mich etwas, das ich zuerst nicht entdecke. Doch dann: Da steht ein Buch. Natürlich nicht nur ein einziges, sondern viele Bücher. Aber unter denen steht ein besonderes Buch. Auf dem einfachen nacht­blauen Schutzumschlag ist in weißen Buchstaben zu lesen:

 
Der Emil
 
 
 
GeDACHt
Geschrieben
Erlebt
Gesehen
 
 
 
Schräge Texte von der Seite.
 
 

Oh. Da hat jemand meine Texte? Ich nämlich war es nicht. Im Buchladen lasse ich mir ein Exemplar reichen. Hinten auf dem nachtblauen Schutzumschlag ist ein Foto von mir zu sehen. Ich blättere darin herum, lese hier und da. Ich bemerke, daß einige mir bekannte Fehler von einem Lektorat korrigiert wurden. Als ich nach dem Preis frage, wache ich auf …

Und ich kann mich ums Verrecken nicht daran erinnern, in welchem Verlag das Buch erschienen war im Traum.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Um die 20 Kassetten, bei denen sich das Magnetband nicht bewegen ließ, landeten im Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 2. April 2025 war ich zufrieden mit drei sortierten Kartons voller Musikkassetten (ist nur noch einer), mit 18 gefundenden Video-8- und VHS-C-Bändern (Was da wohl zu sehen sein wird?), mit gehörter alter Musik von Kassette.


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2025 – 091: Müdigkeit

Ein Zitat, das mir sehr Bekanntes ausdrückt.

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Müde werden. Müde über all dem zu Vergessenden. Nicht rühren wollen daran. Nicht gebunden sein wollen an dieses gewordene Ich. Es doch bleiben müssen. Ob erinnert oder vergessen. Der Unter­schied liegt in den Schmerzen. Den Schmerzen beim Erin­nern. — Dagegen ist die Leere nach dem Vergessen angenehm. Angenehm —? — Dieses Gefühl, kalt zu werden. — Bei manchen hat vielleicht das Sterben so angefangen. — Daß ihnen kalt wurde.

Elisabeth Reichart: Februarschatten. Roman. S. 33
Edition Neue Texte im Aufbau Verlag Berlin und Weimar 1985
mit Genehmigung des Verlages der Österr. Staatsdruckerei
© Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1984
Lizenznr. 301. 120/29/85 · Bestellnr. 613 227 0

 

 

Noch heute berühren mich diese Sätze aus dem Roman, der so wenig mit mir und meinem Leben zu tun hat und in dem ich dennoch haufenweise Gedanken fand, die ich genauso oder sehr ähnlich wälzte. Ich kannte (und erinnere mich sehr deutlich an) dieses Nicht-Wollen, diese Müdigkeit, diese Schmerzen, dieses Erinnern, dieses Kaltwerden. ALles in mir schrie einst, was da geschrieben steht, voller Verzweiflung schrie ich das und kraftlos schrie ich das. Viel zu leise, damit es auch ja niemand hören konnte und mir vielleicht hätte Hilfe anbieten wollen. Ja, ich erinnere mich noch an diese Zustände; zum Glück erlebe ich sie heute nicht mehr oder nur noch sehr, sehr abgeschwächt.

Und ich möchte nie wieder dahin zurück!

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einen Stapel alter Magazine (c't u. ä.) ging ins Altpapier. (Oh, das viele Geld …)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 1. April 2025 war ich zufrieden mit den ignorierten (bzw. nicht bemerkten) Aprilscherzen, mit dem Fortschritt beim Ausräumen des Bettkastens, mit Sauerkrautsalat zum Abendbrot.


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