2025 – 233: Ein Rezept von Oma

Ja, sie nannte es wirklich Bohnen-Matsch.

 

Es hat mir geschmeckt, was sie da zusammenmatschte, meine erzgebirgische Groß­mutter. Und das Rührei briet sie immer mit ausgelassenem Speck und Zwiebeln:

 

»Man bereitet aus vier oder fünf großen Gurken einen Gurkensalat mit nur wenig Salz. (Oma machte den immer mit saurer Sahne.) Ein Kilo geputzter Bohnen wird geschnippelt und mit reichlich Bohnenkraut gekocht und abgegossen. Weiterhin braucht man ein Kilo gewürfelter Salzkartoffeln. Beides gibt man – unbedingt noch warm – zum Gurkensalat und rührt gründlich durch. Mit Salz, Essig und etwas Zucker abschmecken, und vor dem Servieren gebräunte Speckwürfel darübergeben. Dazu gibt es am besten Rührei.«

 

Da wird aus etwas mehr als drei Kilogramm Zutaten ein Essen gemacht, und dann kommen noch Eier dazu. In solchen Mengen wird heutzutage eher selten gekocht. Wahrscheinlich reichte das für eine Großfamilie und/oder für mehrere Tage. Wenn ich mir das heute zubereiten wollte, dann nähme ich wohl zwei mittlere Gurken, ein halbes Pfund Bohnen, ein halbes Pfund Pellkartoffeln. Hm. Es ist auch ein ziemlich großer Aufwand, glaube ich. Aber vielleicht, vielleicht traue ich mir das irgendwann zu. (Ach, sie sprach es „Bunne-Maatsch” aus, aa ist ein sehr nah am a klingendes ä.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte sieben Bücher in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 22. August 2025 war ich zufrieden mit umsortiertem Marktzeug, mit dem wiederge­fun­denen Öffentlichen Bücherregal in den Franckeschen Stiftungen, mit der Zeit in der Badewanne.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare

2025 – 232: Die anderen Schrittlängen

Vielleicht entsteht daraus eine komplette Fabel …

 

 

Ich weiß, Du bist ein Stadtleut, für euch ist das einunddasselbe. Aber für uns Waldleut nicht. Das da ist keine Spur, das ist eine Fährte. Leut machen Spuren, Tiere machen Fährten. Wenn statt des Fuchses hier ein Vogel entlanggegangen wäre, dann wäre auch das eine Fährte. Nein nein, auch Vögel gehen zu Fuß, die fliegen nicht immer. Ja, es soll da eine Ausnahme geben, einen einzigen Vogel, der nie landet außer zum Brüten, und der alles andere im Flug erledigt. Aber den haben wir hier im Wald noch nie gesehen. Und jetzt bleib mal kurz stehen. Wir drehen uns um und sehen uns unsere Spuren an. Ja, wir hinterlassen Spuren, keine Fährten, denn wir sind Leut, keine Tiere. Aber sieh. Auch unsere Spuren unter­schei­den sich voneinander. Du Stadtleut machst zum Beispiel immer gleich große Schritte, während wir Waldleut alle auf den Weg achtgeben und für Käfer und andres die Länge unsrer Schritte verändern. Nein, das ist nicht egal: Ein Käfer, ein einziger Käfer macht einen Unterschied, einen großen. Und das sollte auch einem Stadtleut klar sein.

 

 

Heute nacht gegen drei Uhr in meine Kladde gekritzelt, wahrscheinlich stammt die Szene aus einem Traum, der wieder ins Unbewußte zurücksank.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine Bananenkiste voller Kartonagen ist jetzt im Altpapiercontainer.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 20. August 2025 war ich zufrieden mit dem aussortierten Karton, mit weiterem Fortschritt in der Datenträgerarchäologie, mit Brotwurschd un Aardepplbrei.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, Miniatur, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

2025 – 231: Ganz sicher

Ich verstehe nicht, warum es so wenige Menschen verstehen.

 

Diese hundertprozentige Sicherheit, die allüberall von so vielen Menschen und Insti­tu­tio­nen und sonstigen Irgendwassen und Irgendwemen verlangt und versprochen wird …

Vor allem aber: Ich versteh es nicht. Denn der gesunde Menschenverstand sagt doch, daß es im Leben eines Menschen nur eine einzige Sache gibt, die mit genau 100%iger Sicherheit eintritt, und die ist der Tod. Alles andere kann zwar relativ sicher gestaltet werden und eintreten, aber eben nicht absolut sicher. Denn das Leben ist keine physikalische Gesetzmäßigkeit, die im Rahmen der bisher erlangten Kennt­nisse gilt und gegen die die Physik nunmal nicht verstoßen kann. Auch der Mensch kann gegen physikalische Gesetze nicht verstoßen, das ist ganz sicher.

Ist dieses Wissen schon mit POS und EOS verschwunden, verlorengegangen, oder erst später?

 

Erinnerung des Tages:
Ich lernte (in der Schule und im Studium) auch viel über „die Wahrheit” und ihre verschiedenen Formen und Definitionen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 19. August 2025 war ich zufrieden mit dem Fortschritt in der Datenträgerarchäologie, mit Hühnerfrikassee mit Bulgur, mit den getrunkenen 3 l Tee.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Gedachtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 230: Ach, so geht das?

Ich bekomme Übung im Unterscheiden und Wegwerfen.

 

Keine Lust. Nicht nur das, sondern auch noch keine Idee. Jedenfalls keine für einen Blogtext, bis gerade eben. Nun ja, ich hatte zu tun.

Ich saß heute wieder Datenträger vergleichend, Daten hin- und herschiebend, Daten löschend an zwei Rechnern herum. Meine Güte, was sich da an Altlasten finden läßt!

Für mich ist das noch immer eine der schlimmsten Vorstellungen: ein Datenverlust. Deshalb habe ich alles, wirklich alles nicht nur doppelt und dreifach, sondern meist vier- und fünffach gesichert. Die meisten CDs und DVDs, auf die ich vor Jahren Siche­rungs­kopien brannte, sind bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr lesbar; aber die Daten existieren noch (wie auch die von den ZIP-Disks) auf drei externen Festplatten. So habe ich zur Zeit zwei meiner externen Datenspeicher an einen alten Rechner angeschlossen und gleiche den Datenbestand ab: Am Ende soll nur alles wirklich Wichtige und Aufhebenswerte auf der größeren Platte landen. Dann könnte ich mich über eine weitere leere 2TB-Platte freuen. Jaja, irgendwann sichere ich auf der dann mit Sicherheit Variante Vier von / (das Wurzelverzeichnis, ohne Home-Verzeichnisse der angelegten Benutzer) und /home – wie so oft als .tar.gz komprimiert. Und zwei weitere Platten von den am Hauptrechner hängenden unterziehe ich exakt derselben Operation, wobei ich auf der einen nur noch alle Musikdaten, auf der anderen nur noch alle Bilder haben möchte.

Und auf der mit den Filmen (Videos) sollen eben nur noch die zu finden sein. Aber eben auch nur noch die, die ich mir aller Wahrscheinlichkeit nach wirklich irgend­wann ansehen werde. Heute verschwanden einige Dokumentarfilme in /dev/nul (ich habe sie ins Nichts verschoben, nicht nur in den Papierkorb), aber die über das Erzgebirge und die aus der DDR bleiben noch, bis ich sie angesehen habe. Wenn ich das alles geschaffte habe, das Sortieren und Bereinigen, dann sollten drei Festplat­ten für die Backups meines Arbeitsrechners verfügbar sein, auf dem dann auch viel weniger Audio-, Video- und Bilddateien verbleiben sollen. Also werde ich konse­quen­ter wegspeichern und aussortieren. Wenn ich Zeit habe, sehe ich mir immer mal wieder Filme mit „zweifelhaften” Titeln nebenher an oder lösche sie sogar ganz ungesehen …

So geht das ja doch: Das, was ich bei Büchern schaffe, bekomme ich langsam auch bei Computerdaten hin. Daß ich das noch erleben darf? Ich habe außerdem eine Unmenge Musikdateien von Bands/Künstlern/Orchestern, die ich mir nie im Leben ein zweites Mal freiwillig anhören werde. Die kopiere ich gar nicht erst von anderen Festplatten auf die mit der Musik.

Oh, ich verzettele mich gerade im Erzählen über meine Datenträgerarchäologie. Und ich habe damit ja noch einige Zeit zu tun. (Brauche ich die Komplettsicherung des 2012 gestorbenen Rechners noch? Und die verschlüsselten Rar-Archive, zu denen ich die Paßwörter nicht mehr weiß?)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich weiß wirklich nicht, welches Datenvolumen ich heute endgültig löschte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 18. August 2025 war ich zufrieden mit dem Kauf einer Sackkarre, mit einem kleinen Fort­schritt in der Datenverwaltung, mit Packplanvariationen fürs kommende Wochenende.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 229: Gewöhnlich

Aber ist das wirklich ein erstrebenswertes Dasein?

 

 

Für gewöhnlich ist gewöhnlich, wer in keinem Bereich vom allge­mein Erwarteten abweicht. Stinknormal zu sein war aber noch nie ein wirklich erstrebenswertes Ziel und ist verdammt kompliziert, oder? Und mal ehrlich: Selbst die unsichtbare graue Maus ist, wenn sie wirklich nirgends auffällt, eher ungewöhnlich.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich hab heut nicht nur Filme, sondern auch Teile meiner Unterrichtsvorbereitungen gelöscht.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 17. August 2025 war ich zufrieden mit einigen verwunderlichen Gedankengängen (wie der da oben), mit 46 von der Festplatte gelöschten Filmen, mit dem befriedigenden Gefühl des Loslassens.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, Gedachtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 228: Aufwärts geht es

Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade beim Bewältigen von Höhenunterschieden.

 

Aufwärts geht es. Schlimmer ist es, wenn es abwärts geht: Da muß ich vor mir nach unten sehen und kann mich nicht über die Höhe täuschen. Abwärts oder geradehin: Das fällt mir wirklich schwer.

Aufwärts sehe ich auf den Weg vor mir; und der liegt immer oberhalb meines Standortes. Selbst mit großen Lasten fühle ich mich wohler, wenn es aufwärts geht, hinauf, bergan. Ich kann die Tiefen neben dem Weg gut ignorieren, wenn ich mit mindestens einer Hand mich festhalten kann den ganzen Weg entlang. Außerdem ist der Weg hinauf weitaus schonender für meine Knie als der hinab.

Trotzdem ist es aufwärts schwerer, schwieriger, anstrengender als abwärts. Auch im übertragenen Sinne … Und doch ist Abwärts oft schädlicher als Aufwärts. Selbst mit Hilfsmitteln.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Flaschen und Gläser, die ich wegen ihrer schönen Formen lange Jahre aufhob, entsorgte ich im Altglas-Container.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 16. August 2025 war ich zufrieden mit weiteren gelöschten Dateien (etwa 1 TB), mit vorsortiertem Papier (nur ein Körbchen von vieren im Regal), ein wiedergefundener Brief an mich (hach).


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 227: Auswirkungen der Hitze

Zwei Beispiele, mit denen ich wirklich nicht rechnete.

 

Heute fiel mir ein, daß in meiner Lebenskiste vom letzten Markt noch eine Packung Schokoriegel lag. Nun, es war eine Packung Schokoriegel. Denn mittlerweile ist daraus eine Packung undefinierter, zusammengeschmolzener Gebilde geworden, weil ich die Kiste erst am Dienstag aus dem Transporter geholt habe und mich erst heute daran erinnerte. Selbst einige Stunden im Kühlschrank machten den verun­glückten Naschereien nichts mehr aus: Karamell und Schokoüberzug blieben eine klebrige, schmierige Masse.

Das Benzinfeuerzeug, das ich vorgestern früh auffüllte, hat bis heute 18 Uhr an extremer Verdunstung gelitten und wollte keine Flamme mehr erzeugen.

Meinen Ventilatoren muß ich nachher mal eine Pause gönnen, vielleicht zwischen 22 Uhr und Mitternacht.

Ich hoffe, es gibt um den Jahreswechsel herum mal wieder einen echten Winter …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Die kaputte Klappbox, eine ganze Menge beschriebener und unbeschriebener Polylux-Folien, ein Plastekanister.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. August 2025 war ich zufrieden mit mit kaltem Milchkaffee, mit der Schüssel kalten Wassers unterm Tisch, mit dem Rest vom Zitronensorbet.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

2025 – 226: Günter Kunerts Lügner

Ein von mir „hinterlistig” genannter Text.

 

 
Lügner
Günter Kunert (∗ 1929 – † 2019)

Was die Lügner nicht bedachten, ist, daß ihre Lügen nicht das ein­fache Gegenteil der Wahrheiten sind, sondern daß diese selber durch Lügen zersetzt werden. Die Auflösung aber relativiert alles wörtlich Bedeutete und verwirrt zuletzt die Lügner, für die (wie für jeden) der Maßstab der Wahrheit galt, nach denen die Lügen verfertigt und aus­ge­rich­tet werden mußten: Nun freilich, ohne Gegengewicht, wachsen sie ins Maßlose und verlieren ihre Glaubwürdigkeit ganz — denn glaubwürdig sollten sie ja sein. Man brauchte keine Lügen in die Welt zu setzen, wenn sie gleich als solche kenntlich wären, was sie aber jetzt doch sind, eben durch nichts anderes als die Unsicherheit der Lügner, die ihre Grundlage schwinden sehen — ähnlich dem Schicksal des Atheisten, der dort versagen muß, wo der Glaube an Gott zu schwach geworden ist.

Günter Kunert: Kurze Beschreibung eines Momentes der Ewigkeit. S. 45
© Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1980. RUB Band 820
Lizenz-Nr. 363. 340/14/80 · Bestell-Nr. 660 914 5

 

 

Ja, hinterlistig nenne ich diesen Text (und noch mehrere solcher Texte), wenn nicht gar hinterhältig. Denn beim ersten schnellen Lesen sieht er ein wenig verworren, „spinnert” aus. Aber dann: Moment, Lügen werden durch Lügen zersetzt? Welche Rolle spielt die Unsicherheit der Lügner? Wachstum ins Maßlose: Gibt es das nur bei Lügen – ist also Gier auch nur eine Lüge? — Sie purzeln auf mich ein, alle diese Fragen. Zwingen mich, sie zu notieren, damit ich auch ja keine vergesse. Und sie nach und nach für mich zu beantworten oder für zu belanglos (für mich) zu erklären. Aber was ist (für mich) denn wirklich von keinem Belang? (Und im Text steht tatsächlich „alles wörtlich Bedeutete” und nicht „… Bedeutende”.)

In dem schmalen Bändchen (vorn schwarz mit weißer Schrift) sind sehr viel solcher Texte, solcher hinterlistigen Texte. Und ich denke, daß Günter Kunert vielleicht doch ein wenig unterschätzt war und ist.

 

Erinnerung des Tages:
Als Kind ritt ich auf den Ziegen meiner Mecklenburger Großeltern – ich finde das Beweisbild grad nicht …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 14. August 2025 war ich zufrieden mit etwas abgeholtem, mit zwei Kannen Waldfrüchtetee, mit Gyros und Bulgur.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Geschriebenes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 225: Geschichtsträchtiges Datum

Gekramt in meinen Erinnerungen an miterlebte Dinge.

 

Es geht mir nicht um das heutige Datum im Jahre 1961, sondern um das Jahr 2002. In jenem Jahr arbeitete ich fast durchweg als Instruktor hier in Halle (Saale). Nur im Juli und August hatte ich einen Vertrag für Aue (Sachs) – und dort und im Dorf zuhause war Land unter. Die erste der „Jahrhundertfluten” sorgte in Sachsen und in Sachsen-Anhalt für viele Schäden. An diesem 13. August 2002 drohte der Damm der fünft­älte­sten Talsperre Deutschlands, des Filzteichs zu brechen, auf der Außenseite des durch­weich­ten Naturdammes hatte sich schon eine große Wasserblase gebildet. Die Anwohner des Dorfbaches wurden zur Evakuierung aufgefordert. Dieser Zustand hielt nachher für etwa eine Woche an, trotz des großzügigen Ablassen des aufge­stau­ten Wassers. Im Dorf trat der Bach schon zwei oder drei Tage zuvor an vielen Stellen über die Ufer. Die Brücke am Haus meiner Eltern wurde überflutet. Im Keller konnten mehrere Pumpen und sehr viele Sandsäcke das Absaufen der Heizung verhindern. Meine Mutter fühlte sich an das 1954er Hochwasser erinnert, zu dem die Kinder in der Holzbadewanne durch den Keller schipperten.

Zwischen dem normalen Pegel des Baches und dem Kellerboden liegen etwa 75 cm, die aus Natursteinen trocken gesetzte Bachmauer war damals etwa zwei Meter hoch. Es fehlten noch etwa zehn bis zwanzig Zentimeter Wasserhöhe, dann wäre der Bach zu den Kellerfenstern hineingeflossen. Die Mauer und die Brücke wurden vor dem 2013er Hochwasser erneuert, zum Glück.

In diesen Tagen im August 2002 war ich also zuhause im Dorf. Wir hatten – wie die Nachbarn auch – unsere Autos aus dem Hof hinauf auf die drei oder vier Meter höhere Hauptstraße gestellt, uns aber nicht zur Evakuierung überwinden können (in der Schule/Turnhalle war ein Notquartier eingerichtet). So kurz nach dem Schulan­fang (am 3. August) fiel der Unterricht in beiden Schulen des Ortes aus. Für eine Weile war WIMRE auch die Stromversorgung unterbrochen; zwei Notstromaggregate sorgten dafür, daß die Pumpen weiterliefen. Am Ende mußte zwar Schlamm aus dem Keller geschafft werden, aber größere Schäden im und am Haus gab es nicht.

Das 2013 Hochwasser erlebte ich dann hierzustadt. Ich denke, die Zeit vor 23 Jahren war die letzte, die ich vor meinem (über neun Jahre dauernden) Verschwinden für meine Herkunftsfamilie mehrere Tage am Stück im Dorf war. Welche Geschichten sich unsere Kinder und Enkel wohl irgendwann um diese beiden Fluten erzählen werden …

Das, was Jahrhundertflut genannt wurde, wird wohl hierzulande in Zukunft eher alle zehn bis zwanzig Jahre auftreten: Wir haben das Klima mittlerweile gründlich genug versaut dafür.

 

Erinnerung des Tages:
Ich kramte heute (und gestern schon) meine Hochwassererinnerungen zusammen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. August 2025 war ich zufrieden mit sortierten und gelöschten Daten, mit Zitronen­sorbet am Nachmittag, mit Mettbrötchen am Abend.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

2025 – 224: Veränderte Erinnerungen

Vielleicht eine unzulässige Verallgemeinerung.

 

 

Wenn – Wenn! – die Vergangenheit vorbei ist, für immer unverän­der­bar ist und bleibt: Wieso wirkt sie noch auf uns Menschen und warum verändern sich unsere Erinnerungen daran so oft?

 

 

Oft wird behauptet, daß die Menschen aus der Vergangenheit heraus auch Weisheit erlangen können. Wenn das so ist, wozu ändern sich unsere Erinnerungen so oft, beinahe stets und ständig? Oder ist das mit den Erinnerungen nur bei mir so (bei denen in meinem Kopf, die ich mit Notizen vergleichen kann)? Kann ich mir nicht vor­stellen … Möglich ist es dennoch, daß ich hier unzulässig verallgemeinere.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Heute sortierte ich einige kaputte T-Shirts und Boxershorts aus.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 12. August 2025 war ich zufrieden mit dem erledigten Einkauf, mit dem kalt angesetzten Kaffee, mit einer Schüssel grünen Salats am Abend.


© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Veröffentlicht unter 2025, Erlebtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare