Tagebuch A: Dienstag, 1. Februar.
To get a Google translation use this link.
Ein Monat vorbei. Ich saß kurz vor Neun am Rechner, hatte Kaffee und sogar etwas gegessen Kaffee geht alleine, aber so richtig frühstücken … Ja, ich habe es heute versucht, doch habe ich nicht wirklich richtig essen können. Was ich gestern schrieb, stimmt tatsächlich. Nunm die eine Scheibe Toast mit schinkenwurst ist dennoch besser, als gar nichts gegessen zu haben.
Ich setzte mich mit der letzten Tasse Kaffee an den Schreibplatz und blätterte dort ziemlich lustlos durch meine verschiedenen Geschichten bzw. deren Anfänge. Womit sollte ich weitermachen? Womit nur? Irgendwie bin ich bei allen raus aus dem Fluß, ein Zugang wollte mir heute nirgends gelingen. Nachdem ich eine gute halbe Stunde unruhig und wortlos saß, machte ich mir eine Kanne Tee. Kaminfeuer heißt die Mischung, der ich noch einen Beutel Ingwertee hinzufügte. Schmeckt wirklich weihnachtlich, werde ich auch nach der Weihnachtszeit noch trinken. Aber auch dieser Tee ließ mich nicht in eine der Geschichten finden. Also griff ich zum Schmierpapier und begann zu kritzeln. Ach, wenn ich doch nur Zeichnen oder Malen könnte! Da hätte ich eine Möglichkeit, mich auch außerhalb der Schriftsprache auszudrücken. An Tagen wie heute merke ich überdeutlich, wie sehr mir das fehlt. Oder Disziplin und mehr vom „Das schaffe ich jetzt aber.”
So kritzelte ich. Eine Stunde. Anderthalb Stunden. Schließlich zeichnete ich wie als Schüler Rosetten auf kariertem Papier. Nichts davon war produktiv. Nichts. Ich kann rein gar nichts davon ins Positive umdeuten. (Umdeuteln. – Wer hat das eigenlich noch nie versucht?) Irgendwann später saß ich dann lesend am Schreibplatz, doch ich las kein Buch. Ich hatte mir aus dem Schrank die alten Kalender herausgeholt, die aus Spruchpostkarten bestehen. Ich weiß, es ist dumm, alte Kalender aufzuheben. Aber meine hier bestehen ja aus (meist kitschig-) schönen Bildern und (altklugen) Kalendersprüchen. Manchmal gibt mir eines der Bilder oder einer der Sätze den notwendigen Schubs in einen meiner Texte hinein.
Heute gab es auch einen Anstoß. Einen zum Denken: „Verliert euch nicht; findet euch wieder.” Gilt das nur für Menschen gegenseitig? Ist damit nur ein einziger, ein einzelner Mensch gemeint? Geht es dabei um Familien, ganze Menschengruppen? Wer fühlt sich angesprochen von „Verliert euch nicht; findet euch wieder.” Und aus welchem Grund steht da das Wort „WIEDER”? Als hätten sich die Menschen, alle Menschen (jede und jeder!), als hätte sich der einzelne und konkrete Mensch sich längst schon verloren. Wenn dem so wäre, wozu dann die Aufforderung, sich nicht zu verlieren? Das paßt doch irgendwie nicht. Aber ich kam zu dem Schluß, daß nur beide Aufforderungen zusammen wirklich wirsam umgesetzt werden können.
Und so will ich das, dieses Nichtverlieren und Wiederfinden als Zusammengehörendes, das will ich jetzt verinnerlichen. Und es bleibt in mir eine gewisse Angst, das eine oder andere Verlorene nicht, niemals nicht wiederfinden zu können. Und eine vage Hoffnung bleibt in mir, mit der ich jetzt ohne einen anderen Text ins Traumland gehen werde. Allein.
Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notizbücher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.
Erinnerung des Tages:
Bei der NVA durfte man nach dem Wecken nicht mehr im Bett liegen; die Sitzhaltung, in der wir noch gut 30 Minuten weiterschliefen, beherrsche ich noch heute.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 6. April 2025 war ich zufrieden mit dem luziden Träumen, mit dem komplett gelesenen Buch (H. G. Wells: Das Land der Blinden. Diogenes-Verlag.), mit der Sonntagsruhe.
© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Du kannst dem Erblasser sagen, dass damit ja auch ein Pärchen gemeint sein könnte, dann würde sich der Sinn unmittelbar erschließen.
Hm. Sagen kann ich es ihm nicht mehr. Aber der Gedanke kam mich auch …
Pingback: 2025 – 108: Erbstück 033 | GeDACHt | Geschrieben | Erlebt | Gesehen