Schreibübung – Zählübung – Versionsvergleich
To get a Google translation use this link. But pay attention: it’s poetry.
Wiedereinmal mußte ich mir eine kleine Auszeit gönnen von den größeren Texten. Und nicht zum ersten Male versuche ich mich an den kleinen Formen der Lyrik. Allerdings habe ich heute jeweils zwei Versionen:
Version 1:
Nur siebzehn Silben
Nehm‘ ich für’n kleines Gedicht:
Da ist’s ein Senryū.
Version 2:
Nimm siebzehn Silben
Für dieses kleine Gedicht:
Es ist ein Senryū.
Version 1:
Ein paar Silben mehr nehm‘ ich
Für’n andres Gedicht mit drei Zeilen:
Achtundzwanzig sind’s im Achtundzwanziger.
Version 2:
Für einen deutschen Dreizeiler
Nimm ruhig einige Silben mehr:
Achtundzwanzig für den Achtundzwanziger.
Die 28er nach Helmut Maier.
Und welches Senryū paßt nun mit welchem 28er zusammen?
Welche Kombination wäre denn vorzuziehen? Im Poetry-Slam? Im Buch?
Für den Slam:
Nur siebzehn Silben
Nehm‘ ich für’n kleines Gedicht:
Da ist’s ein Senryū.
Ein paar Silben mehr nehm‘ ich
Für’n andres Gedicht mit drei Zeilen:
Achtundzwanzig sind’s im Achtundzwanziger.
Für ein “Buch”:
Nimm siebzehn Silben
Für dieses kleine Gedicht:
Es ist ein Senryū.
Für einen deutschen Dreizeiler
Nimm ruhig einige Silben mehr:
Achtundzwanzig für den Achtundzwanziger.
Die 28er nach Helmut Maier.
Fragen über Fragen bleiben …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 25. Oktober 2011 waren die erhaltene Erinnerung an den Feiertag, der Fortschritt beim Schreiben, die unverhoffte Begegnung.
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Die Art wie hier der Umgang mit dem 28er gehandhabt wird, nötigt mir höchste Anerkennung ab.
Danke und liebe Grüße
Helmut
Ich finde den 28er einfach herrlich. Es ist nicht leicht, aber immer wieder sehr befriedigend, „es hinzubekommen“.
Im Übrigen macht mich dieses Lob sehr verlegen – und ein klein wenig stolz. Danke sehr!
Ich habe noch eine Frage:
aber welchem Alter konntest du dich für diese silbenabzählenden Formen begeistern ?
Oh weh. *nachdenk* Die ersten (damals noch nicht ganz richtig als Haiku bezeichneten) Dreizeiler mit den 5–7–5 Silben stammen aus der EOS-Zeit, um 1980 herum. Damals war ich also 17 oder 18.
Den 28er entdeckte ich erst in diesem Jahr, mit 47 oder 48, bei colorsigns. Für mich ist er eine angenehm strenge Form mit seinen 8–9–11 Silben.
Ui Ui. Senryū. Achtundzwanziger. Ich habe keine Ahnung, wovon Du hier schreibst. Gedichte sind schön oder eben nicht. So wie Romane, Essays, Kurzgeschichten… Ich bin halt nur ein „Nutzer“
Du bist nicht „nur“ Nutzer. Für wen, wenn nicht für meine Leser (und – ja, natürlich – auch für mich) schreibe ich denn? Für wen schreiben Schriftsteller?
Der Mensch als Leser ist es.
Für diejenigen, die mehr wissen wollen, habe ich ja auch den Link eingebaut. Es sind beides dreizeilige Gedichte mit einer festgelegten Anzahl an Silben auf jeder Zeile. Feste Formen, wie z. B. auch das Sonett eines ist (Shakespeare, Brecht schrieben solche).
Zählen oder nicht
ein Gedicht ist ein Gedicht
Kür und keine Pflicht
Nun ja. Feste Formen an sich geben ja Halt und mitunter auch Anregungen, da füllen sich die Vorgaben leichter aus, als wenn man völlig frei losdichtet. Aber diese kurzen Dinger, so unter sechs Zeilen oder was.. da habe ich immer gedacht: „das machen nur gelangweilte alte Leute“. Aber, wenn du sagst, „schon seit der EOS“, ja dann liegt die Begeisterung wohl nicht am Alter..