159.2026: Lamentieren

Und ich könnte mich doch in den Allerwertesten beißen.

 

 

So geht das nicht. Wirklich nicht. Dieses Tagebuch hier, das zeigt für die letzten dreieinhalb Wochen nur leere Seiten. Nicht ganz leer, denn Seitenzahl und Datum habe ich immer notiert. Aber der Rest: leere Zeilen. Jeden Tag 25 leere Zeilen, mittlerweile 25 Tage lang. Das ist zum Haareraufen. Denn das sieht doch aus, als hätte ich in diesen 25 Tagen nichts erlebt, nichts zu sagen oder zu erzählen gehabt. Stimmt aber nicht. Ich fand nur nicht ein einziges Mal einen Anfang. Wenn ich vor der Kladde sitze und mir tausend Dinge durch den Kopf gehen, die mir gleichwertig erschienen und erscheinen: Wie soll ich mich da für nur eine Sache entscheiden, mit der ich mein Schreiben beginne? — Aber das ging doch früher, das war alltäglich, oder nicht? Bin ich dabei, mich wieder einmal zu verzetteln? Sehe ich das Wesentliche, das Wesenhafte nicht mehr?

Helfen soll in solchen Situationen, tagsüber immer wieder Stich­punkte festzuhalten. Aber nirgends wird erwähnt welche! Ich habe es ja gewollt, habe dafür extra ein Oktavheft mit mir herumge­tragen (auch, wenn ich nur aufs Klo gegangen bin). Aber gebracht hat mir das nichts. Kein Stichpunkt, kein Stichwort, kein Satz oder Halbsatz aus einem der gelesenen Bücher. Wer sich ansieht, was in diesen 25 Tagen nicht entstand, wird vermuten, daß mein Hirn leer ist oder ich zu faul zum Schreiben war und bin. Das kann ich doch nicht auf mir sitzen lassen?

Nein, ich habe mir zu meinem Glück nicht die Pflicht auferlegt, jetzt diese 25 Seiten nachzuschreiben. Weil ich genau weiß, daß ich das nicht schaffen würde. Ich werde auch keinen Versuch dazu starten. Aber ich habe diesen Text schon früh am Morgen begonnen, beim zweiten Kaffee des Tages. So früh, glaubte ich bisher immer, bin ich noch nicht zum klaren Denken, zum Formulieren in der Lage. Heute funktionierte es putzigerweise. Also: Ab sofort liegt die Kladde schon zum Frühstück aufgeschlagen neben mir. Morgenseiten werd ich wohl nicht schreiben, aber vielleicht hilf das gegen die 25 leeren Zeile je Seite.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Heute stellte ich einige CDs in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 20.07.2026 Unterwegssein in der Stadt mit über 8000 Schritten, der wahrscheinlich letzte Besuch im Elektronik-Planeten hierzustadt (nichts gekauft), Bockwurst mit Brot und Senf.


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Über Der Emil

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2 Kommentare zu 159.2026: Lamentieren

  1. piri sagt:

    Gibt es für dich ein muss zu schreiben? Das verkrampft doch nur – mich jedenfalls. Mach dich frei vom Druck, dann wird‘s auch wieder sprudeln.

    Liebe Abendgrüße von den Drein aus Flein.

    • Der Emil sagt:

      Das schrieb nicht ich, das schrieb eine meiner Figuren (vllt die von den Erbkladden?); und ich bin ja erst vor ein paar Tagen zurückgekehrt zum täglichen Bloggen …

      Seid herzlich gegrüßt aus endlich angenehmen Temperaturen …

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