Ich habe ja gerade nichts anderes zu tun.
Da sitze ich und scanne weiter alte Schwarz-Weiß-Photographien ein. Nebenbei habe ich Zeit zu denken, mich zu fragen und zu wundern.
Ich habe nämlich einige ritualisierte Abläufe, über die ich immer wieder stolpere. Kleinigkeiten, klar, aber wie sinnvoll sind die? Beispiel Kaffeemaschine herrichten und einschalten: Ich habe zwei Meßbecher, mit denen ich das Wasser in die Maschine einfülle, einen leere ich ganz, im zweiten bleibt immer ein Rest Wasser zurük. Auf und in dem landet der Filtereinsatz; und auch die Filtertüte kann ich nur auf eine einzige Art falten. Wirklich, ich kann es nur auf diese eine Weise tun, ich hab es probiert, anders geht das nicht. Kaffee hinein, etwas Salz drauf. Filter in die Maschine, einschalten, Deckel zu. Ganz genau so muß es ablaufen. Heute früh aber begann ich den Vorgang mit dem „falschen” Meßbecher. Den leerte ich wieder aus, ehe ich den Vorgang erneut in Angriff nahm.
In diesem Moment fand ich mich selbst sehr sonderbar. Und auch bei anderen solchen Gelegenheiten werde ich stutzig, wenn ich mich bei einer Störung ertappe.
Ja, ich hab schon oft versucht, solche Dinge zu verändern, aus dem starren Ablauf auszubrechen. Meist schaff' ich es nicht. Trotzdem … Ich möchte die Sinnhaftigkeit meiner Ritualisierungen prüfen. Muß ich die Schleifen in den Schnürsenkeln wirklich rechts und links spiegelbildlich binden? (Ja, sonst löst sich eine sehr schnell wieder. Nervt.) Ein anderes Vorgehen habe ich heute verändert, habe bewußt die übliche Abfolge um zwei unwesentliche Schritte gekürzt. Fühlte sich ungewohnt an, aber war möglich. Mal sehen, wie es damit weitergeht. Morgen oder übermorgen stelle ich das nächste auf den Prüfstand. Es sollte ja so einiges weniger kompliziert gestaltbar sein, denke ich.
Erinnerung des Tages:
Es war eines der großartigen Erlebnisse meiner Kindheit: die Fahrt mit dem Tragflügelboot in Warnemünde so um 1976 herum.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 19.07.2026 gescannte Bilder, eine Runde durch die Stadt, ein vermiedenes/verändertes Ritual.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Kleine Frage: „Musst“ du die Dinge so tun, weil die Welt sonst gefühlt unterginge oder eher weil es dich beruhigt und dir ein gutes sicheres Lebensgefühl gibt?
(Ersteres wäre ein Hinweis für eine Zwangsstörung, zweiteres eher für ein (neurodivergentes) Alltagsritual. Natürlich jetzt stark vereinfacht gesagt.)
Puh. Es fühlt sich anders getan falsch an – und ich will nichts falsch machen.
Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem (obwohl: nein, kein Weltuntergang, nur eine empfindliche Störung meines Wohlbefindens). Tendenz zu ND …