Und in der Dunkelheit wartet eine Überraschung.
Das muß das Neubauernhaus sein, in dem meine Großeltern gleich nach dem Krieg wohnten. Es ist das letzte Haus an der Straße, ich glaube nicht, daß dahinter noch eines stand und abgerissen wurde. Es hat nicht mehr das Reetdach, das ich von sehr alten Fotos kenne. Aber sonst sieht es so aus, wie ich es mir bisher vorstellte. Nur wesentlich … heruntergekommener. Mancher Fensterladen hängt schief, und jetzt, da ich das offene Hoftor durchschritt, sehe ich, daß die Haustür nur angelehnt ist. Ich öffne sie etwas weiter. Im Hausflur hängt eine brennende Leninsonne (Lampenfassung am Draht). Es gibt also Strom im Haus. Hm. Sonderbar. Naja, am Ankunftstag muß ich nicht gleich ein Abenteuer haben. Ich geh zurück auf die Straße – die nur ein Feldweg ist – und steige wieder auf mein Fahrrad. Unten im Dorf am alten Herrenhaus wartet ein Ferienzimmer auf mich.
Nach einer kurzen Nacht bin ich viel zu früh wach. Gut, daß ich mir gestern noch Brötchen am Bäckerwagen holte. Alles andere habe ich mitgebracht und es sollte für die vier Tage hier reichen. Erfreulich, daß Kaffee hier zur Ausstattung des Zimmers gehört. Bei Anbruch der Morgendämmerung fahre ich los zum Urgroßelternhaus. Um diese Zeit sind in den Dörfern meist noch keine Leute unterwegs, und so treffe ich auch niemanden. Heute nehme ich das Fahrrad mit in den Hof.
DIe Glühbirne brennt noch immer. Ich bereite die Kamera vor und betrete geräuschvoll den Flur. „Hallo? Ist hier jemand?” Ein paar Sekunden Stille warte ich ab. Nichts zu hören. Also dann auf! Zwei Türen, eine rechts, eine gegenüber der Haustür. Gleich links eine Tür, hinter der eine Treppe aufwärts führen muß. Wo fang ich nur an? Unschlüssig gehe ich den gesamten Flur entlang. Oh, unter der Treppe finden sich eine Tür, die wahrscheinlich zum Keller gehört, und eine zweite Tür, von der ich nicht weiß, was sich dahinter verbergen könnte. Die öffne ich als erste: Da war irgendwann einmal ein Stall. Kurz denke ich darüber nach, meine Routine für solch verlassene Objekte – Lost Places – seinzulassen, aber dann: Ich werde wie immer von oben nach unten und im Uhrzeigersinn vorgehen. Das hat mir bisher jedesmal Glück gebracht. Ach, der Lichtschalter im Flur funktioniert, das Licht geht aus und wieder an. Das habe ich bisher in noch keinem Lost erlebt.
Ich öffne die Tür zur aufwärtsführenden Treppe. Der Lichtschalter bewirkt nichts, es bleibt dunkel auf den Stufen. Beim Hinaufgehen krame ich meine Taschenlamper heraus und muß heftig niesen. „Gesundheit!” Huch? Das muß ich mir eingebildet haben. Ich niese ein zweites Mal. „Gesundheit” tönt es erneut mit einem mecklenburgischen Zungenschlag. Das hat in der Finsternis durchaus beklemmende Wirkung auf mich.
Eine Fortsetzung gibt es bald.
Erinnerung des Tages:
Drei Stehrümchen stellte ich vor der Abfahrt ins Haus, sie werden bestimmt neue Besitzer finden.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 04.09.2026 die geschaffte Hausarbeit, die staufreie Fahrt, ausreichend Leute zum Tragen und Aufbauen.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

