203.2026: Spielfreude

Ob nicht mehr mitzupielen schon deutlicher Protest ist?

 

Ich saß schon in so mancher Spielrunde, die sich auch von einem Spielverderber die Spielfreude nicht verderben ließ. Ob beim Skat oder beim Rausschmeißer (Mensch-ärgere-Dich-nicht), bei verschiedenen Ballspielen, beim Doppelkopf (oh, das hab ich schon lange nicht mehr gespielt), beim Schach. Computerspiele mag ich nicht, und Spielekonsolen fasse ich nicht an. Wirklich nicht! Und mein Dasein als Marktmönch Bruder Emil ist ja auch eine Art Schauspielerei, an der ich sehr viel Freude habe. Spielfreude eben.

In mir steckt viel Spielfreude, großer Spaß am Spielen. Im Rahmen meiner sehr bescheidenen Möglichkeiten spiele ich sogar ab und an Musikinstrumente, was mir auch große Freude macht. Doch jetzt, jetzt wird mir wie vielen anderen ziemlich übel mitgespielt. Kürzungen und Verschärfungen bei Sozialleistungen, die weitere Privati­sie­rung der Daseinsfürsorge, und dann diese (nein, ich erwähne das nicht) … Ich will diese Spiele nicht mehr mitspielen, mich ihnen verweigern um den Preis einer gewissen Verwahrlosung sogar. Wobei es eben keine Verwahrlosung ist, sondern „nur” ein Ausbrechen aus sogenannten „Sachzwängen”, die alternativlos sein sollen. Also nicht so gekleidet zu sein, wie es erwartet wird (mach ich ja sowieso), nicht immer all die Regeln befolgen, die befolgt werden sollen (dazu gehört auch, ein Stück neben einer roten Ampel über die Straße zu gehen, Rasenlatscher sein, hand­schrift­lich Behördenschreiben beantworten). Schwieriger wird es schon, mich vor all dem Unsinn zu schützen, der „in den Medien” zur Zeit verbreitet wird – schließlich werde ich zur Zeit sogar auf der Straße angequatscht deswegen. Man spielt (!) Empörung, Aufregung, Ablehnung, Spaltung, man spielt Politik usw. usf. Ziemlich viel spielt verrückt.

Und auf all diesen Scheiß habe ich zur Zeit keinen Bock. Obwohl ich weiß, daß etwas für das Ende dieser Spiele zu tun jetzt wichtig ist. Nur: Ganz plötzlich verliere ich die Lust, bei diesen Spielen weiter mitzumachen. Aber es kann ja sein, daß das genau das ist, was ich da machen kann.

Woll'n wir lieber rausgehen, Hopse spielen?

 

Erinnerung des Tages:
Vor ziemlich genau sechs Jahren besuchte ich am 3. September meinen in der Demenz verschwundenen Vater zum ersten Mal im Pflegeheim.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 02.09.2026 das vollgetankte Fliewatüüt (aber zu welchem Preis!), ein ausgelesenes Buch (ja, das mit dem Voynich-Manuskript), erledigte Wochenendvorbereitungen.


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Über Der Emil

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