Nº 105 (2022) – Karfreitag

Der heutige Tag kann nichts für die Bedeutung, die ihm die Menschen auferlegten.

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Jaja. Dieses Thema wieder: Tanzverbot. Hinrichtung. Sterbetag. (Katholische) Kirche und Religion.

Nix da. Heute nicht. Nicht eines dieser Themen.

Karfreitag ist heute Anreise- und Aufbautag für Händler und Handwerker (manche sind auch Darsteller) gewesen, die am Osterwochenende die Burg Mylau bespielen. Die Festivität beginnt erst am Sonnabendvormittag. Der #MarktMönch #BruderEmil ist dabei. Ja, es sind laut Ankündigung Wikinger dort, in deren Blütezeit es noch keine Deutsche Handschrift gab. Aber die Christen (solche, die wir heute Mönche nennen) missionierten zu deren Zeit schon.

Und mal ganz ehrlich: Gibt es wirklich Besucher, die bei solchen Veranstal­tun­gen vollständige oder weitestgehende Authentizität fordern? Schon die heute erhältlichen Getränke und Speisen werden zum Glück nicht nach den damals üblichen Methoden und unter den damals üblichen Hygienebedingungen hergestellt, zubereitet und verkauft. Wenn jetzt noch die Gelegenheiten zur Getränke- und Speisenrückgabe geregelt wären wie in damaligen Zeiten … Brrrrrr. Stellt euch vor, auf diesen Mittelaltermärkten und -festen würde kein einziges elektrisches Gerät funktionieren, kein Smartphon, keine Beleuchtung, keine Kaffeemaschine: Das wäre authentisch. Brillen wären auch verboten auf den meisten dieser Veranstaltungen. Und ganz authentisch wären die Wikinger ja erst, wenn sie auch die Sprache aus der damaligen Zeit sprechen würden. Auch ich würde dann alt- oder mittelhochdeutsch sprechen müssen. Aber niemand weiß, wie das wirklich klang, um 1200 oder 1400 oder 750 nach Christi Geburt. Denn obwohl Latein die Kirchensprache war und teilweise heute noch ist: In einfachen Klöstern oder bei Wandermönchen muß das nicht die tägliche Umgangssprache gewesen sein, dieses Latein. Und wie Latein klang, ehe es Italienisch wurde – wer weiß das schon genau?

So werde ich mit Schreibgerät im Scriptorium sitzen und wieder erzählen und zeigen, wie einst fichilante Sachsen (der Volksstamm ist an die Region anpaß­bar) die alte deutsche Handschrift erfanden (also mein Märchen darüber), warum wir im deutschen Sprachraum nicht mehr so schreiben wie unsere Ururgroßeltern, wieso es wichtig ist, daß diese Schriften noch heute gelesen (und geschrieben) werden können usw. usf. Aber das tat ich noch nicht heute am Karfreitag. Sonnabend, Ostersonntag und Ostermontag dürft ihr mich gerne besuchen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 15.04.2022 die langsame frühe Anreise, daß nach vielen Wegen bergauf alles hochgeschleppt und aufgebaut war, die netten bisher unbekannten Nachbarn.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Vier der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Kommentare zu Nº 105 (2022) – Karfreitag

  1. Gudrun sagt:

    Ich wünsche dir, dass dir viel Freundlichkeit entgegengebracht wird.
    Sehr gerne hätte ich dich mal besucht, aber meine Freundin hatte gestern ihre zweite Augen-OP und alleine getraue ich mich noch nicht mit dem Rolli in die Öffentlichen. Und nun hoffe ich auf deine Erzählungen von den drei Tagen.

    • Der Emil sagt:

      Gudrun, das war für mich der beste Markt, den ich bisher hatte. Wegen der Menschen! Wegen ihrer Interessiertheit! Wegen all der Lächeln, die ich erntete mit meinen neu erfundenen Geschichten …

      Ich muß bald mal nach Leipzig in einen Laden – vielleicht finden wir dann Zeit für ein Schwätzchen, ich hoffe darauf.

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