Selbstdiagnostische Überlegung (2007)
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In mir kreischt eine Sehnsucht, die sich mit dem Alleinsein reibt. Verlangen schlägt sich mit der Angst vor Nähe. Bin ich beim Zurückschrecken vor Deinen Hoffnungen in die Falle meiner Erwartung an mich getappt? Hat mich brachiale Leidenschaft überrollt und atemlos und bewegungsunfähig gemacht?
Erfahrene Enttäuschung. Wie lange wirkt sie nach? Sie hinterläßt Erlebensnarben – die sind es, die die Anzahl der Windungen in meinem Hirn verändern: Es werden mehr im Befürchtungslappen und weniger im Hoffnungskern. Deshalb suchen die Gedanken in dem einen Bereich viel länger nach dem Weg hinaus, und durch den anderen gleiten sie schnell und geradlinig hindurch. Darum ist der Weg von dort nach hier zu schwer und der von hier nach dort geht sich wie von allein.
Meine Höhenangst schützt mich nicht vorm Fall ins Bodenlose. Doch sie hindert mich daran, in ein Luftschloß nach Wolkenkuckucksheim zu ziehen.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 2. November 2013 war der Abend an der Tür.
© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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zugleich zutiefst melancholisch als auch schmerzhaft-poetisch – ein starker text.
Die bildliche Beschreibung ist gut nachvollziehbar, vorstellbar. Luftschlösser und Wolkenkuckucksheime sind aber oft Begriffe für eigentlich Erreichbares, das nur in der Vergangenheit von wichtigen Schlüsselpersonen mit einem psychischen Bann belegt wurde. gerade das für unerreichbar Erklärte birgt oft genug den Stoff, den wir alle aus Märchen kennen, die im ersten Viertel damit beginnen, dass ein mächtiger König, Königin, Magier, Hexe etc. eine Verwüschung oder eine unerfüllbare Aufgabe verfügt. Wie es weitergeht, wissen wir auch. Man muß sich auf den Weg machen dorthin um zu sehen, ob es stimmt oder der Bann dadurch unwirksam wird.
In mein Hirn würde ich mich nicht wagen hineinzusehen, weder von der Hardware, noch von der Software her…
poh, lieber Emil, kürzer und prägnanter kann man ja kaum die innere Schaukel von Sehnsüchten und Ängsten beschreiben- da mache ich eine kleine Verbeugung!
Wie lange brauchen die Narben, bis sie wirklich vernarbt sind und nicht mehr zwicken? Eine Frage mit der ich mir seit Wochen herumschlage …
herzliche Sonntagsgrüße vom regnerischstürmischen Berg
Ulli
Die Narben kann man wohl auch als „Schatz“ sehen…
ein starker Text !
Hat dies auf N'achACHTcafé rebloggt und kommentierte:
… atemlos und bewegungsunfähig !!! Wie wahr !
Danke zuerst an alle Kommentarschreiberinnen.
Wieder bin ich verwundert daruber, daß ein Text, den ich an einem Stück hingeschmiert habe, so positiv aufgenommen wird. Dabei war sein Erscheinen hier eine Verlegenheitslösung — weil mir nichts Neues einfiel und ich Anderes gestern nicht anfassen mochte.
Das ist wriklich eine Sache, die mich beschäftigt. Hingerotztes, aus dem Ärmel Geschütteltes, nicht Er- und Überarbeitetes kommt besser an als das, woran ich arbeite, feile, schleife, poliere, probiere, schraube … Ist das dann vielleicht weniger authentisch, zu gekünstelt, zu abgehoben? Aber mein Anspruch, mein Anspruch wird doch manchmal vom Unbearbeiteten nicht erfüllt, so daß ich daran arbeiten muß?
Ich merke, da arbeitet wieder etwas in mir, da ist etwas noch nicht reif; da bin ich noch nicht reif genug.
Aber ich danke euch allen für eure Kommentare, für das Mutmachen und Loben. Danke.
Das, was Du mal eben so „hinschmierst“, wie Du sagst, würde bei mir tagelange Arbeit bedeuten.
Aber es kann schon sein, dass das spontane Niederschreiben ohne Nachkorrektur authentischer rüberkommt.
Zeig doch mal was „Poliertes und Geschraubtes“, dann kann ich den Vergleich sehen. 😀
Das kannst Du sicher selbst herauslesen 😉
(Und danke auch für’s Lob.)
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