Es klaane Getuh (Nº 306)

Wie mich ein Fundstück mit einem Volksdichter verbindet

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Arthur Schramm, der deutsche Volksdichter, war ein recht skurriler Zeitgenosse. Ich lernte den Mann, den alle nur “Es Klaane Getuh” nannten, kennen, als ich in Frohnau (bei Annaberg-Buchholz) Hausmeister und Heizer in der POS war. Zu der Zeit war er immernoch und immer mal wieder unterwegs zu diversen Feierlichkeiten. Dabei habe ich ihn zwei- oder dreimal erlebt. Von seinen Erfindungen kenne ich keine. Und von seinen dichterischen Werken kursieren so viele in unterschiedlichen Varianten, sind zu geflügelten Worten, Redensarten geworden, daß ich hier nur zwei anführe:

Arthur Schramms « Der Wald »:
      Rechts ein Baum und links ein Baum, und zwischendrin, man glaubt es kaum, steht noch ein Baum.

(Manchmal steht da auch “… und in der Mitte, man glaubt es kaum …”)

Und gestern lief ich hier hinterm Haus im Wald herum und sah das:

 

Ofenrohr

Im Wald
Arthur Schramm gewidmet.
(c) 2013 – Der Emil (http://deremil.wordpress.com)
CC by-nc-nd 3.0 unported license (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/)

 

Na? Genau. Das ist ein Gedicht von Arthur Schramm. Eines, das ich als Kind schon als Spruch kannte. Als ich noch zu DDR-Zeiten erfuhr, daß das geschriebene Literatur ist, war ich aber doch überrascht:

Arthur Schramms « Das Ofenrohr »:
      Im Wald, da liegt ein Ofenrohr, nun stellt euch mal die Hitze vor!

Jetzt frage ich mich natürlich, inwieweit diese Sprüche verbreitet waren, außerhalb des Erzgebirges, außerhalb der DDR …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. November 2013 waren ein Spaziergang und der Buchfink.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Es klaane Getuh (Nº 306)

  1. Gudrun sagt:

    Und wieder einmal konnte ich mitten in der Nacht lachen. Einfach so. Schön.
    (Ich hatte mal einen dussligen Kater, der meinem Vater das Ofenrohrputzen abnahm, indem er durchkroch. Den Dreck hatte dann ich.)
    Gruß von nebenan.

  2. Brigitte sagt:

    Der Pöhlberg ist steil. Schi heil!
    Der Fichtelberg ist steiler. Schi heiler!
    Der Keilberg ist am steilsten. Schi heilsten!

    Warst du schon mal im Fichtelberghaus in der Arthur Schramm Hütte? Da steht noch viel mehr an den Wänden, herrlich.

    Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine Erzgebirgsseite erstellt hier http://www.blechi-b.de/erzgebirge/erzgebirge.html, aber die Hütte habe ich da leider auch nicht drinnen.
    Tschüssi Brigitte

    • Der Emil sagt:

      Nein, die Seite kannte ich noch nicht (aber jetzt, jetzt seh ich si mir genauer an).

      Brigitte, ich bin 2002 halsüberlopf aus dem Erzgebirge „geflohen“. Auf dem Fichtelber war ich zuletzt … das muß vor 1980 gewesen sein. Auersberg und Plesivec und der Gleesberg waren mir danach näher und hoch genug.

  3. Sofasophia sagt:

    „rechts ein baum“ – das hab ich mir immer von morgenstern vorgestellt und kannte es, aber mit „zwischendrin ein Zwischenraum“. vielleicht ist es ja mit gedichten wie mit gerüchten: sie verändern sich.

    das ofenrohr-gedicht kannte ich aber nicht. schön, wenn man im wald über gedichte stolpert … 🙂

    • Der Emil sagt:

      Ich finde das Ofenrohr noch immmer einfach skurril als Gedicht. Und als ich darüber gestolpert bin … ja, da waren das
      Gedicht und «’s klaane Getuh» sofort da.

      Also ist „der Wald“ zu,indest bis ind die Schweiz vorgedrungen?

  4. Juppderwal sagt:

    Ich bin vor über 40 Jahren mit einer anderen Variante aufgewachsen:

    Bäume, Bäüme
    nichts als Bäume,
    und dazwische Zwischenraüme
    und dahinten
    man sieht ihn kaum
    nochen Baum

    Hätte das auch im Umfeld von Christian Morgenstern oder Ringelnatz angesiedelt. Kann es mir aber auch prima höchst bedeutungsvoll von Heinz Erhard intoniert vorstellen.

    • Der Emil sagt:

      Moin moin Jupp,

      die Zeit stimmt, die wars auch bei mir 😉 Nur hör ich es nicht von Heinz Erhard, sondern von Karl Dall mit leicht resigniert wirkender Sprechmelodie.

  5. piri ulbrich sagt:

    Ich kannte das Gedicht ja überhaupt nicht und merke grade, das ist eine Bildungslücke!

    • Der Emil sagt:

      Was ich weiß, ist, daß z.B. sein „Lied vom Bergmann“ (Grubenunglück oder wie es auch immer genannt wurde: «Rumpeldipumpel, weg war der Kumpel.») auch im Ruhrgebit und im Saarland kursierten. Aber ob Arthur Schramm sich das von den Bergleuten oder jene sich das von ihm „geklaut“ haben … Wer weiß?

  6. Gabi sagt:

    Ich muss zugeben, ich kannte diese Sprüche nicht. Inwieweit sie in meinem Heimatland bekannt sind, weiß ich nicht und ich bin da ja auch nicht das Maß aller Dinge.

  7. alltagsfreak sagt:

    Ich kannte das ‚Rausgesucht‘, dachte es ist von Heinz Erhard 🙂 Wieder was gelernt.

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