Geduld / Spannung (Nº 315 #oneaday)

Frustration -> Ärger -> Wut

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Mit meiner Geduld (und der Frustrationstoleranz) ist es eine spannende Sache. Es gibt Situationen, in denen ich zur Überraschung Vieler eine Engelsgeduld aufbringen kann. Das funktioniert dann sogar beim Warten.

Und unter anderen Umständen ist meine Geduld schon am Ende, nachdem ich etwas zum zweiten Mal gesagt oder versucht habe. Oder nachdem ich nur fünf oder zwei Minuten (zuviel) warten mußte.

Was gestern geschah, kann ich nicht so recht einordnen.

Um 13.30 Uhr war ich beim Dermatologen bestellt. Schon fünfzehn Minuten vorher war ich dort, teilte an der Aufnahme sogar mit, daß ich um 14.45 Uhr noch einen andern Termin hätte. Ja, klar, das wurde sogar per Haftnotiz an meiner Kartei vermerkt.

Voller Erwartung nahm ich Platz. Ich hatte nämlich soeben etwas für mich sehr Schwieriges geschafft: Mein Bedürfnis nach Pünktlichkeit (mit genügend Reserve von etwa 60 Minuten) mitgeteilt.

Dann saß ich dort und wartete. Von «Lenin kam nur bis Lüdenscheid» (R. D. Precht) waren noch etwa 180 Seiten zu lesen. Und von meinem Messebesuch hatte ich sogar noch eine der Zeitschriften (bezeichnenderweise die zum Thema «Zeit») in meinem Rucksack.

Um 14.30 Uhr saß ich noch immer deutlich ärgerlich im Wartebereich. Bereits um 14.50 Uhr wurde meine Kartei (mit der Haftnotiz) zur Ärztin getragen. Zu diesem Zeitpunkt saß seit etwa 30 Minuten eine Mutter mit siebenjährigem Kind und drei Monate altem Baby neben mir. Precht war ausgelesen, ich war richtig verärgert, ja, sogar wütend.

Um 15.15 Uhr begann das Baby laut zu weinen, meine Gedanken und Wünsche während dieser Zeit notiere ich hier lieber nicht. Auf die Zeitschrift konnte ich mich wirklich nicht mehr konzentrieren. Schon um 15.25 Uhr wurde ich in eines der Sprechzimmer geleitet. Meine Nerven lagen blank.

Nach Auskunft der Sprechstundenhilfe würde es nur noch drei oder vier Minuten dauern, bis die Ärztin sich um mich kümmern würde. Zum Glück war es im Sprechzimmer ziemlich still. So konnte ich in der Zeitung lesen, während ich auf die Ärztin wartete. Und mein Frust stieg weiter.

Um 15.45 Uhr war ich auch mit der Zeitschrift fertig. Und mittlerweile wirklich extrem verärgert, ganz kurz vorm Platzen. Um diese Zeit bin ich nach der Klinik üblicherweise schon zuhause.

Ich hatte genug. Genug gewartet. Genug gelesen. Genug Geduld bewiesen. Zwei Stunden und zwanzig Minuten nach meinem Termin, mehr als zweieinhalb Stunden nach meiner Ankunft in der Praxis ging ich um genau 15.50 Uhr. Zur Anmeldung rief ich noch hinein, daß ich über zweieinhalb Stunden Wartezeit für zu lang halte und jetzt gehe.

Ob das gehört wurde? Ich denke schon. Und auch, wenn es Dermatologentermine schwer gibt: Dahin gehe ich nie wieder. Denn ein solches Zeitmanagement – ohne Notfall! – finde ich einfach nur beschissen …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. November 2011 waren die deutliche Äußerung dessen, was ich brauche, und die Nougatstange …

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Geduld / Spannung (Nº 315 #oneaday)

  1. Himmelhoch sagt:

    Emil, so ist es hier beim Augenarzt, beim guten Orthopäden, beim Dermatologen auch. Ich frage mich, warum es denn überhaupt ein Bestellsystem gibt – da sollen die doch gleich Wartenummern ziehen lassen wie auf dem Arbeitsamt – und dann kann man noch mal weggehen.
    Ich habe schon desöfteren vor Wut in die Tischkante gebissen.

  2. sweetkoffie sagt:

    Emil, ich finde dich seeeehr geduldig!!!
    So lange warte ich nicht, nicht wenn ich einen Termin habe.
    Es kann durchaus mal ein, dass es in einer Praxis einen Notfall gibt und der Plan durcheinander gerät, aber so eine lange Wartezeit halte ich für eine Zumutung. Auch meine Zeit kostet Geld, die ich in so einem Wartefall einmal dem entsprechenden Arzt offiziell in Rechnung gestellt habe.

    Bei einem Augenarzt, wo es auch Wartezeiten gab, habe ich im Terminplaner gesehen, dass die Helferinnen für jeden Termin 3 !! Patienten bestellt hatten. Sowas kann doch nicht funktionieren.
    Ich sprach den Onkel Doktor darauf an und er war ganz perplex, er wußte nix davon.

    Inzwischen habe ich mir Praxen ausgesucht, die hervorragend organisiert sind, denn die gibt es auch.

    Grüßle!!!

  3. Follygirl sagt:

    Ich hasse es, wenn Termine NICHT eingehalten werden. Ich selber bin immer pünktlich und habe immer noch Spiel, falls mal was nicht klappt.
    Beim Arzt kann ich ausrasten, Termine und dann noch lange warten, (ein Notfall wäre eine andere Sache, könnte man ja auch mal sein).
    Gibt es nicht die Möglichkeit die Praxis im Internet zu bewerten? (hab ich doch irgendwo gelesen?)
    LG, Petra

  4. Also bei uns gibts auf dem AA schon lange keine Nummern zum ziehen mehr^^ und warten muß ich hier auch so lange beim Doc, egal bei welchem!!!

    Das ist immer nervig, Endeffekt, ich gehe nur noch, wenn es nicht anders geht. Manchmal gar nicht so gut, wegen Vorsorge und so , also nehmt Euch nur kein Beispiel an mir 😉
    Irgendwie ist hier überal Ärztemangel, auf einen Termin bei einem Facharzt muss man mindestens 2 Monate warten, manchmal auch 3! Bei meiner Hausärztin sitze ich auch immer 3 Std., ganz selten, wenn da mal wenig Patienten sind und man nach 1 Std. wieder raus ist.
    Also immer gaaaaaanz viel Geduld mitnehmen zum Doc !

    Ich wäre aber nicht ohne Erledigung des Termins gegangen an deiner Stelle, nun hast du doch solange ausgehalten und kurz vor dem Ziel gehst du. Echt schade, aber ich kann es auch verstehn, es ist einfach nervig ! Hoffentlich hast du das nächste Mal weniger Wartezeit bei einem anderen Doc!

    Es geht aber auch anders, wir haben auch schon Termine beim Doc gehabt, wo wir termingerecht behandelt wurden 🙂 Leider eher eine Außnahme!

    Schönen Freitag wünsche ich Dir !
    GLG TB

    • der_emil sagt:

      Bei meinem Hausarzt funkzioniert es ganz wunderbar. Also müßte es auch anderswo gehen.

      Gegangen bin ich, weil ich die Ärztin vor mir schützen wollte – ich wäre echt gemein geworden …

  5. kreadiv sagt:

    Finde ich genauso ärgerlich wie Du, Emil. Meinem Sohn ging es gestern beim Kieferorthopäden ähnlich, er wurde nämlich im Wartezimmer vergessen. Alle, die nach ihm kamen, wurden vor ihm aufgerufen. Bis ihm das spanisch vorkam und er sich an der Rezeption erkundigte. Tja, und die Mama hat brav im Auto unten gewartet, weil der junge Mann ja alleine hochgehen möchte.
    Dann hat ihn noch eine „Neue“ fürchterlich gepiekt beim Draht Reinmachen.
    Alles in allem hat es aber trotzdem nicht so lang gedauert wie Dein Besuch beim Dermatologen, aber dort ist es ja oft besonders schlimm mit der Warterei.

  6. Inch sagt:

    Bei mir ist es beim Hausarzt so!!!! Schon wenn ich da anrufe, jammert mir die Dame in der Anmeldung die Ohren zu, wie voll es wäre.
    Dafür habe ich Glück beim Zahnarzt, Orthopäden und beim Gynäkologen. Augenarzt… naja, unterschiedlich. Ich denke, das hängt von den Damen im Vorzimmer ab, wie gut die das Zeitmanagement beherrschen. Wenn ein Kinderarzt sich zB grundsätzlich löbliche 15 Minuten Zeit für einen Patienten nimmt, dann weiß ich doch schon im Vorfeld, dass, wenn ich die Patienten im 10 Minuten-Takt bestelle, ich, eingedenk der Unbestellten, die ja auch noch kommen, spätesten ab 2. Stunde nach Öffnung ein volles Wartezimmer habe! Wenn das aber über Jahre so geht, dann frage ich mich, wieso der Arzt als Chef da nicht mal ein Machtwort spricht.
    Ach und übrigens: Wie fandest Du „Lenin kam nur bis Lüdenscheid“?

    • der_emil sagt:

      Ich gestehe, daß ich das Buch heute nocheinmal angefangen habe, weil mir vom gestrigen Lesen nichts, wirklich nichts hängengeblieben ist. *hmmpfff*

      Zumindest ist es für mich interessant, wie’s im Westen war.

  7. sucherin sagt:

    Den Ärger kann ich gut verstehen und hätte es genauso gemacht. Was war mit diesem Blog los? Ich bekam bereits gestern Nachmittag die Mitteilung darüber, konnte dann aber nicht auf die Seite gehen. Kommt mir spanisch vor :-), aber zum Glück konnte ich ja dann heute Morgen lesen. LG

  8. colorsigns sagt:

    such mal die Uni Klinik auf … da wartest du einen ganzen Tag
    jedenfalls hier in F. .. und es ist egal ob du ein Notfall bist …… oder mit dem Kopf unter dem Arm daher kommst … das sage ich … und ich weiß von was ich spreche.. du nennst es ärgerlich ? Ich sage dazu sch.system

  9. Elvira sagt:

    Ach, ja – die Damen an der Anmeldung! Schreiben drei Patienten zu einer Zeit ein und der Arzt weiß von nichts. Den Arzt möchte ich sehen! Terminvorgaben machen die Ärzte, da kannste Dir den Mund fusslig reden, dass das Zeitraster nicht stimmt, dass es zu Wartezeiten kommt – nee, da muss hier noch einer zwischengeschoben werde und da reingequetscht. „Sagen Sie meinen Damen an der Anmeldung Bescheid, die machen das schon“, heißt es dann oder steht im EDV-Krankenblatt eigenhändig vom Arzt eigetragen. Frohes Warten! Wird sich nie ändern!

  10. Das kenne ich nur zu gut. Dieses unorganisierte, und dann meistens bloss für eine fünf Minütige Untersuchung. Selbst mit Termin muss man ewig warten, jedes mal, es ist unfassbar, da platzt mir auch jedes mal der Kragen.

    • die luzie sagt:

      Also bei uns musst du meist mit ein bis zwei Stunden Wartezeit rechnen. Das liegt aber an der Vielzahl der Patienten, die behandelt werden müssen. Es gibt nen täglichen TerminPlan und zusätzlich werden 5 Patienten angenommen. Ab dem 6. müssen wir die Leute wieder weg schicken. Das führt dazu, dass die ersten schon um 5 Uhr morgens mit Campingstuhl und Kaffeekanne vor der Tür sitzen. An jedem 1. des neuen Quartals ist TerminVergabe für das darauf folgende. Der Plan ist dann an diesem Tag auch voll. Nun heißt es aber auch noch die Patienten unterzukriegen, die wiederbestellt werden müssen… Steckt also keine Unfähigkeit dahinter, sondern einfach nur zuviele Patienten auf zu wenige Ärzte. Unsere Ärzte z.B. machen oft keine Pause und mehrere Überstunden täglich …

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