Die Diebin (#049)

Wie das Leben so spielt

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Miniatur 2 / 8

 

 

«Sorry!» Sie lächelt mich an. «Nichts passiert» antworte ich beschwichtigend. Wenn die Straßenbahn ruckartig anfährt, kann ein Anrempler vorkommen.

An der nächsten Haltestelle muß ich umsteigen. Dabei stünde ich gern länger neben dieser Frau mit grünen Augen und duftendem roten Haar.

Dann bitte ich sie um Entschuldigung: Irgendwie habe ich beim Aussteigen ihre Armbanduhr abgerissen. Sie schimpft in fremder Sprache.

Nach der Busfahrt gehe ich einkaufen. Sortiere Gemüse, Käse und Brot in den Wagen. Eine Flasche Wein. Auf dem Weg zur Kasse hole ich mein Portemonnaie …

Uff!

Geldbörse geklaut! Fluchend verlasse ich das Geschäft. Schade um die Monatskarte. Alles andere bekomme ich wieder.

Mich ärgert, daß mich schöne Augen so ablenkten. Das kann doch nur … Als ich die Uhr … Ein Ablenkungsmanöver! Beim Einsteigen der Rempler?

Zuhause stelle ich meinen Rucksack ab, direkt neben meiner Gelbörse.

 
 

 
 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 17. Februar 2012 war ein fertiggestelltes Projekt.

© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter creative common license für Deutschland 3.0
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung): CC by-nc-nd Website

049 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 199 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Die Diebin (#049)

  1. Man denkt (meist zu Recht) an das Schlimmste. Schön, daß es Ausnahmen gibt 🙂

    • der_emil sagt:

      An diesem «meist» zweifle ich mittlerweile. Meist nämlich stell ich mir das Schlimmste vor, steigere mich hinein und mache alles nur noch schlimmer durch meine Überreaktion … Also selbsterfüllende Prophezeihungen …

      • *****Meist nämlich stell ich mir das Schlimmste vor, steigere mich hinein und mache alles nur noch schlimmer durch meine Überreaktion****

        Yep, very much so, deshalb bemühe ich mich mittlerweile sehr, nach meiner ersten Aufregung erst mal tief durchzuatmen und zu überlegen, wie man eine Sache denn noch sehen könnte.

        So long,
        Corinna

  2. Himmelhoch sagt:

    Emil, dir ist es nur vermeintlich passiert, mir wirklich schon zweimal – das Portemonnaie war weg und alles darin natürlich auch. Als mir dann auch noch 2 Autos und ein Fahrrad geklaut wurden, glaubte ich doch langsam an eine höhere Kriminalitätsrate als bis 1989. – Aber auch das verdaut man alles.
    Schöne Augen sind manchmal mehr wert als so ein bisschen schnöder Mammon!

  3. Follygirl sagt:

    Ja, ……. ich weiß es wird langweilig, aber es gefällt mir.
    LG, Petra

  4. ute42 sagt:

    Immer diese Verdächtigungen 🙂 Gut geschrieben.

    • der_emil sagt:

      Ja, und falls es mir wirklich(!) einmal passieren sollte, dann, so hoffe ich, werde ich mich an diese meine Phantasie erinnern können.

      Danke fürs Lob.

  5. fata morgana sagt:

    deine art zu schreiben gefällt mir sehr – ich werde wiederkommen…
    viele grüße, von einer zufällig ‚vorbeilesenden‘ 😉

  6. irisnebel sagt:

    schoene miniatur 😉

  7. Elvira sagt:

    Ich habe mal an einem Textwettbewerb teilgenommen und kam in den Genuss, einige bemerkenswerten Texte zu hören. In einem geht es, ganz kurzgefasst, um eine Frau, die in der Berliner U-Bahn immerzu an einem Faden rumfummelt, der sich an ihrem Mantelärmel gelöst hat. Alle sind irgendwann genervt davon. Schließlich reicht es dem ihr gegenüber sitzenden jungen „südländisch aussehenden“ Mann. Er fasst in seine Hosentasche und lässt ein Klappmesser aufspringen. So, wie die Geschichte aufgebaut war, dachte jeder natürlich etwas ganz Schlimmes. Natürlich beugte er sich zu ihr hinüber um ihr den Faden abzuschneiden.
    Wir sind schnell dabei, vorzuverurteilen.
    LG
    Elvira

    • der_emil sagt:

      Hast recht. Ohne mir darüber tatsächlich bewußt zu sein, habe ich hier mit einem Klischee, einem Vorurteil gearbeitet (fremde Sprache).

      *kopfschüttel*

      Ich werd wohl alt.

      • Elvira sagt:

        Das hoffe ich doch 😉 Ich meine, dass Du alt wirst! Ansonsten sind diese Vorurteile einfach menschlich, wir wurden so gestrickt. Und ehe das alles wieder aufgetrennt ist, sind einige Leben ins Land gegangen.

  8. Tja, manchmal liegt man einfach daneben. Aber es gibt sie ja auch, diese Rempler, die es auf unser Bestes abgesehen haben – unser Geld. Ich hatte da einmal so eine merkwürdige Serie. Sitze auf dem Rückweg von einer Bandprobe in Köln in der U-Bahn, ein Typ setzt sich mir gegenüber und fragt, ob ich ihm Geld wechseln kann. Aber nichts was ich zusammenkrame passt ihm. Dabei schaut er mir immer tief durch dicke Glasbausteine in die Augen. Instinktiv habe ich die ganze Zeit meine Geldbörse ganz fest gehalten. In Deutz springt er auf und rennt aus der Bahn. Erst da sehe ich, dass die Scheine in meinem Portemonnaie halb herausgefingert sind. Bei der nächsten Bandprobe erzählt jemand: „Leute, mir ist was passiert. Ein Typ hat mich in der Bahn auf Wechselgeld angehauen“. Ich beschreibe den Typen. „Genau“, sagt er. Der Typ hatte ihn mal eben um hundert Mark (ist schon ne Weile her) erleichtert.

    Zwei Wochen später hält vor mir mit quietschenden Reifen ein Kleintransporter. Ein paar Typen springen raus: „Ey, brauchst Du Boxen? Nagelneu, astrein. Haben uns zuviel auf die Lieferung mitgegeben, stehen nicht auf dem Lieferschein.“ Ich schlage ihnen vor sich zu trollen und tue das gleiche. Bei der nächsten Bandprobe erzählt der werte Kollege. „Mir ist da was passiert. So ein paar Typen haben mir Boxen verkauft, sah nach einem Schnäppchen aus.“ Ich beschreibe die Typen und den Lieferwagen. „Genau“, sagt er. „250 Mark, die haben mich sogar noch zum Geldautomaten gefahren. Aber die Dinger sind der letzte Schrott!“

    Tja, der Mensch ist gut. Nur die Leut sind schlecht. Es schadet also nicht, auf der Hut zu sein. Da kann man leider auch schon mal jemanden zu Unrecht verdächtigen.

  9. minibares sagt:

    Herrlich erzählt, lieber Emil.
    So spielt das Leben.
    ich habe letztens meinen Schlüssel auch verloren. Kam heim, musste klingeln. Kein Schlüssel da.
    im Kopf rumorte es wie verrückt. Wo hast du? Bei der Post am Postfach etwa?
    Angerufen. Ja, sie haben den Schlüssel stecken lassen. – Oh, ich komme sofort.
    Er meinte, sie haben inzwischen einen Blick dafür, wenn Schlüssel hängenbleiben.
    Puuu, was hatte ich für ein Glück!

  10. Inch sagt:

    Ach ja, ich kenne das gut, Emil. Ich gerate auch leicht in Panik und zerdeppere dann in dieser meiner Panik ne Menge Geschirr 😀

  11. Gisi sagt:

    Rotes und duftendes Haar,,
    grüne Augen,
    es würde mich selbst als Frau
    verzaubern!
    Eine Frau mit Zauber!

  12. Pingback: Ja, und? (#056) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

  13. Gabi sagt:

    Super Geschichte. Auch wenn ich jetzt nicht weiß, ob sie Dir tatsächlich passiert ist, oder ob Du sie erfunden hast. Aber so eine Situation wäre z. B. recht typisch für mich. 🙂
    LG Gabi

  14. Pingback: In die Falle gegangen (#328) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

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