198.2026: Tief im Wald

Ganz in der Nähe der Zivilisation draußen übernachten.

 

 

So. Das war nicht vorgesehen. Irgendwann am frühen Nachmittag ging er einen falschen Weg. Und dann ziemlich lange Zeit durch Wald. Zu dem Zeitpunkt, da er die Straße erreicht haben sollte, ging er noch immer durch Wald. Umkehren? Nein, das war keine Option. Wenn er sich das Gelände richtig eingeprägt hatte, dann sollte er in jede beliebige Richtung gehen und auf eine Straße treffen können. Also ging er weiter. Als die Dämmerung begann, war da noch immer nichts als Wald um ihn herum. Dann machte der Weg einen Knick – und unvermittelt stand er vor einer Ruine. Nein, in seinem Gedächtnis war in dieser Gegend keine Ruine im Wald vermerkt. Er schaute sich zwischen den Mauern um: Nichts Ungewöhnliches. Allerdings muß das Gebäude ziemlich groß gewesen sein, oder es waren sogar mehrere. Weil es zum Weitergehen jetzt zu spät war, stellte er sein kleines Zelt neben einer der alten Mauern auf. Vom Weg aus war er sicher nicht zu sehen. Im letzten Licht sammelte er Holz. Dann entzündete er ein kleines Feuer. Das Abendessen wurde der Inhalt einer Konservendose, den er kalt zu sich nahm. Und nachdem er sich in einem Gebüsch am anderen Ende der Mauer erleichtert hatte, kroch er ins Zelt, in den Schlafsack. Er nahm noch einen Schluck vom Wasser und verfluchte sich für die Idee, ohne Karten und ohne Handy drei Tage lang in dieser Gegend herumzu­wan­dern. Ja, die Zivilisation war nicht weit weg, das war sicher, aber heute hatte er sie nicht wie geplant wieder erreicht.

Morgen würde er dann den Weg dieses Tages komplett zurück­gehen müssen. Und obwohl er keine Angst hatte hier in dieser Ruine: Es war eben seine erste Nacht unter freiem Himmel seit Jahrzehnten. Außerdem hatte es sich ausgezahlt, Zelt, Isomatte und Schlafsack mitzunehmen. Sein letzter Gedanke vorm Einschlafen war der an den fehlenden Kaffee morgen früh.

 

 

Erinnerung des Tages:
Kinderwagen und Sportwagen hieße immer „die Hotto” – sowohl meine als auch die meiner Kinder und die vieler Nachbarn und Bekannten.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 28.08.2026 erledigte Besorgungen, gute Nachrichten abseits der Politik, eine große Schüssel Salat.


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Über Der Emil

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