195.2026: Kodiert

Aber es wäre wohl besser gewesen, den Code zu notieren.

 

 

Das Geräusch einer SMS. Einer Textnachricht auf dem Telefon. Aber nicht das von einem dieser neuartigen Messenger, sondern wirklich das einer SMS. Wann war das zuletzt zu hören? Drei, vielleicht auch vier Jahre ist das jetzt her. Aber dieses Geräusch blieb immer in der Erinnerung, wurde tagtäglich erwartet – auch wenn die Erwartung jetzt so lange enttäuscht wurde. Eine SMS konnte nur von einer einzigen Person kommen, heute noch ist das so, alle anderen hatten schnell umgestellt auf den neumodischen Kram. Klar, das war bequemer, und anfänglich auch billiger. Jede einzelne SMS mußte bezahlt werden; und viel Text konnte damit auch nicht verschickt werden. Und so hatte sich eine Kodierung entwickelt, die zum Teil mit einem einzigen Wort, mit wenigen Buchstaben, sehr komplizierte Dinge ausdrücken konnte. Da war – Moment, wie war das noch? Ach ja: »Tante«. Tante stand für: Wir treffen uns morgen um 15 Uhr vor der Trauerhalle des Friedhofes. Als Bitte, als Aufforderung, als festes Versprechen. Natürlich wäre jedem, der solche Nachrichten las, sofort klargewesen, daß das nur ein vereinbartes Signal sein kann; doch niemand hätte leicht auf die wahre Bedeutung schließen können. Oder »Gassi«, »Nachhilfe«, »Klebstoff« und »JTA MS«: Die standen für »Ich denk an Dich«, »Ich vermisse Dich«, »Mir fehlen Deine Berührungen« und »Ich liebe Dich und habe Sehnsucht«. Jedenfalls blieb es immer bei den SMS.

Jetzt, nach so langer Zeit, gerade diesen Ton wieder zu hören, das ist … sonderbar. Es war Nichts vergessen, es gab nur jahrelang keine, nicht eine einzige Gelegenheit. Und nun steht da »Pieps«. Nicht mehr. Pieps. Klar, telefonieren, aber zu welcher Zeit? Himmel nochmal, welche Uhrzeit? Das alles war immer so gegenwärtig, da wurde nie etwas aufgeschrieben – und nun?

 

 

Tja, ich kann dieser Figur nicht weiterhelfen, denn auch ich weiß nicht, zu welcher Zeit dann der Anruf stattfinden sollte und soll.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zwei völlig unansehnliche und nur noch teilweise brauchbare Meßbecher sowie das nicht mehr zuverlässig funktionierende Blutdruckmeßgerät wurden weggeworfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 25.08.2026 die erledigte Wahl, Ersatz für meine Meßbecher, sprudelnde Ideen.


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Über Der Emil

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