Dieses Gefühl trügt immer wieder.
To get a Google translation use this link.
Gestern war es wieder soweit. Gestern saß ich lange Zeit vor leeren Seiten und fand nicht gleich eine Idee. Ich fühlte mich (vordergründig, weiß ich jetzt) leergeschrieben. Immer wieder habe ich dieses Gefühl, leergeschrieben zu sein. Obwohl ich in Wirklichkeit noch nie leergeschrieben war. Immer dann nämlich taucht es auf, wenn ich nichts zu Papier bringen kann. Ja, was ich schreibe, schreibe ich zu 90 % auf Papier. Allerdings … Dieses unangenehme Gefühl des Leergeschrieben-Seins trifft häufig mit dem des zu vollen Kopfes zusammen, wenn nämlich im Kopf so viele Ideen sind, daß alle Kanäle hinaus von ihnen blockiert sind. Das ist ein heftiger Zwiespalt, für den ich noch immer keine jedes einzelne Mal funktionierende Lösung gefunden habe.
Leergeschrieben. Nein, nein, nein, das Gefühl stimmte bisher noch nie mit der Realität überein. Denn bisher konnte ich noch fast immer etwas aufschreiben, nur paßte das nicht hier in dieses Blog. Oder auch in gar kein Blog. Dann steht es auf ewig in einer Kladde, die vielleicht nie jemand anderes als ich in die Hand genommen haben wird. Aber es ist heraus aus dem zu vollen Kopf. Das Aufschreiben hilft, den Innendruck zu verringern. Aber beileibe nicht alles, was in meinem Kopf ist, kann und will ich aufschreiben. Das sind vielleicht fünf bis zehn Prozent der herumgeisternden Ideen, vielleicht sogar noch weniger, jedenfalls nicht mehr, die ich für immer für mich behalte.
Es sieht so aus, als ob es nie zu dem Zustand kommen kann und wird, in dem ich, in dem mein Kopf, meine Seele, mein Herz leergeschrieben sind. Selbst dann nicht, wenn das Gefühl übermächtig zu werden scheint. Mein Gefühl trügt mich demnach immer wieder. Ich muß wohl lernen, schneller und sicherer zu erkennen, was genau immer dann alle Ausgänge in meinem Kopf verstopft, wenn nichts herauskommen kann. Eine Leere könnte zwar auch Ursache sein für den fehlenden Schreibfluß, aber ich bin mir jetzt nach diesen Zeilen sicher: Es ist keine Leere, niemals gewesen, wird niemals Leere sein, die mich am Schreiben (oder am erzählen) hindert.
So. Jetzt habe ich mir oft genug bestätigt, daß ausreichend Material in mir schlummert für die nächsten Wochen und Monate. Es wird auch immer wieder etwas hinzukommen zu dem, was ich erlebte, was ich las, was ich sah, was ich hörte, was ich dachte und zusammensponn, zu dem, über das ich schreiben kann. Die Angst vor dem noch nie eingetretenen Zustand ist unbegründet (und wird, wie so viele unbegründete Ängste, dennoch wiederkommen).
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 27. April 2023 war ich zufrieden mit der vorbereiteten Ausrüstung, mit dem Einladen, mit der Zeit in der Badewanne.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ist es nicht ein natürlicher Prozess, dass keine Ideen sprudeln wenn von Außen zu viel Input kommt? Der Kopf ist dann mit der Verabeitung beschäftigt. Man könnte es vielleicht auch als Schutz vor Überlastung des Gehirns sehen und bedarf keinerlei Befürchtungen/Ängste.
Ängste halten sich nicht an Bedarfe und/oder Bedürfnisse …
Ich weiß. Vielleicht hilft es sich dies immer wieder mal zu gegenwärtigen.
Ja, immer mal wieder und öfter als bisher. Danke.
Muss alles, was du schreibst, was ich schreibe, was wir schreiben, denn von jemandem gelesen werden? Wann hat das angefangen, dass wir das glauben? Mit dem Internet?
Einfach nur lautgedacht.
Die Frage habe ich mir auch gestellt und schreibe seitdem sowohl für das Blog als auch für mein privates Tagebuch. Allerdings muss ich immer aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, etwas für das Blog schreiben zu ,,müssen“ (muss ich ja nicht).
Dieses ,,Leergeschrieben-Sein“ kenne ich aber auch nur allzu gut.
Hm, ich lasse eher die Tagebucheinträge weg als die Blogbeiträge. (Und ich habe eine — kleine — Ideensammlung für „Notfälle“.)
Bei mir hat das lange vor dem Internet angefangen: Einige meiner frühen Gedichte schickte ich 1984 an eine Zeitung, in der regelmäßig Werke von „Hobbypoet:inn:en“ abgedruckt wurden … Ähnliche Versuche unternahm ich auch später noch.
da sehe ich den lange nicht leergeschriebenen zusammengesponner gemütlich in der badewanne sinnen, ach, was mir dazu alles einfällt…jedenfalls nix einfältiges!
Ich gestehe, daß ich nach einem Kladdenunfall nicht mehr in der Badewanne schreibe. Aber denken und träumen kann ich dort gut.
Und dann das Geräusch, das die platenden Blasen des Schaums machen, wenn ich Seifenlauge drüberträufele …