Wenn der Geist einen Umweg braucht, um sich aufzumuntern.
Schaut mir ruhig mal 20 Minuten beim Denken zu.
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So lustlos. So … So kraftlos auch. Es sind zuviele schlechte Nachrichten. Die machen das Denken und das Hoffen und das Leben schwer, trotz aller berechtigten Vorfreude. Dem habe ich zur Zeit nicht viel entgegenzusetzen, nicht viel mehr als den Willen zu leben. Aber selbst der schwächelt in diesen Tagen. Ich ertappte mich schon dabei, wie mir die Kraft zum Atmen fehlte: Nach dem Ausatmen vergaß ich luftzuholen, nach dem Einatmen hatte ich keine Kraft mehr auszuatmen. Ich geriet mehr als einmal heute in einen merkwürdigen Zustand der Abwesenheit. Und als ich zu lesen versuchte, wollte auch das nicht recht gelingen. Literatur als Kunst, in wohlgeformten Sätzen, spendete keinen Trost. Worte hingegen, einzelne vielleicht sogar unsinnige Worte, die kann ich heute zu mir nehmen, sie in meinen trägen Gedanken langsam hin und her kauen, rein mechanisch sozusagen. Vorhin tauchte malolaktisch auf. Gut, daß ich das Wort kenne. Ich kann mich auch daran erinnern, wozu es für mich gehört: zum Sauerkraut. Warum allerdings gibt es keines, das auch Rotkohl hergestellt wird? Da ist es wieder entschwunden, dieses am Ende lang zischende Wort malolaktisch.
Lustlos greife ich nach dem letzten Blatt Papier, das ich gestern beschrieb. Bogengang. Dieses Wort unter einigen Zeilen Text ganz allein mitten auf der Zeile. Da ist etwas, dazu bildet sich – ich spüre das manchmal vorher – eine Wortkette in mir. Korbbogenfenster. Kennt kaum jemand, der nicht mit denkmalgerechtem Bauen zu tun hat und deswegen auch über Kämpfer bescheidweiß. Oder einst Software für Tischlereien schrieb. Traktrix (oder die Mehrzahl Traktrizes) folgt darauf: Schleppkurve(n), ebensolche nicht einfach zu konstruierende Scheißerchen, pardon: geometrischen Gebilde. Wie auch Konchoide, das sind Hundekurven. HALT! – Ich befürchte, mein Hirn ist gerade falsch abgebogen. Hihihihihi: Gerade abgebogen. Absurd paradox, oder? Obwohl: Ganz in der Nähe gibt es eine nach neuesten Regeln der Kunst umgebaute Einmündung, bei der muß, wer geradeaus weitermöchte, rechts abbiegen: Schenkelkopfer! (Ein anderes Beispiel für eine solch gelungene Gestaltungsvariante gibt es für den von Nordost nach Südwest oder in die entgegengestzte Richtung wollenden Verkehrsteilnehmer dort: Kartenausschnitt bei Openstreetmap.org.) Wer nach rechts will, muß nach links „geradeausfahren”. Ein Luftbild dieser Verkehrsgestaltung findet sich sicher recht leicht.
Ach. Sieh an. Die Reihe der Wörter und ihr paradoxes Ende: Sie haben mir etwas Kraft gegeben. Ich sollte diese Gedankengänge … Nein, ich schreibe das jetzt auf. Auch, wenn mein Wissen über all diese Kurvenformen und die Bögen mittlerweile unnützes Wissen ist für mich: Meine Gedanken gingen eben diesen Bogen; und dieser Bogengang half mir, mich aus der Senke in meiner Potentialebene zu befreien …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 17.03.2022 eintrudelnde gute Nachrichten (die auch hilfreich waren), die Pommes mit dreifach Mayo, ein ausgelesenes Buch mit sonderbarem Ende (und es scheint keinen Teil Zwei dazu zu geben).
Für morgen zog ich die Tageskarte Ritter der Stäbe.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Man sieht, dass es doch kein unnützes Wissen ist.
Aber mal ehrlich: KONCHOIDE?
😂🤣
🐾
Bei dir lerne ich viele neue Wörter, malolaktisch zum Beispiel. Mal ganz von der Hundekurve abgesehen und fast allem, was mit den Bogengedanken zu tun hat. „Gerade abgebogen“, das gefiel mir sofort!
Die Milchsäuregärung … ja.
Kennst Du noch diese Kindersprüche? Wie heißt es: Der Kuhlie-Fumden-Teich? Die/Das usw? Da gab es auch den mit der geraden Kurve.
Klasse Denkarkaden!
Danke.