2021,280: Alternierend

Wenn was mir auffällt genau das erzeugt, was mir auffällt.

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Als ich heute nachmittag in meiner aktuellen Kladde herumblätterte, fiel mir eine Sache auf. Es hat sich der Inhalt etwas verschoben. Nicht viel, aber eben doch, und dann noch in eine Richtung, die mir nicht gefällt, nicht gefallen kann:

In den Texten, die nicht in den Blog gelangen, schrieb ich häufiger über viele Kleinigkeiten (und Großigkeiten), die ich unbedingt in Angriff nehmen und verändern muß möchte. Es sind Sachen, mit denen ich einfach nicht zufrieden bin. Und darüber schreibe ich täglich. Vieles wiederholt sich, auch beinahe täglich. Manches ist unrealistisch, das ist mir klar. Aber ich widme dem, was mich unzufrieden macht, sehr viel Aufmerk­samkeit. (Ist das vielleicht eine Nebenerscheinung des Alterns? Immerhin hat mir am Wochenende jemand gesagt, daß ich übernächstes Jahr ja schon sechzig werde. Ups.)

Dazu kommt, daß ich zur Zeit einen Satz in Büchern und auch sonstwo ver­mehrt lese (ja, in verschiedenen Varianten): Jetzt liegen mehr letzte als erste Male vor mir. Ja sicher, das ist mir klar. Ich glaube, auch das trägt zu dieser diffusen, allgegenwärtigen Unzufriedenheit bei. Denn ich … ich wollte und möchte noch einiges erleben. Versprochenes endlich erhalten und tun. Ich fühle mich mit diesem Unzufriedensein überhaupt nicht wohl, bin unzufrieden damit. Ein Teufelskreis.

Und so saß ich im Radiostudio, zeichnete eine Sendung auf (produzierte sie heute vor) und überlegte nebenher, was ich dagegen unternehmen könnte. Allerdings kam ich da zu noch keinem Ergebnis, denn ich konnte mich doch nicht auf beides – die Sendung und dieses Problem konzentrieren. Und wieder war ich: unzufrieden. Obwohl mir doch von vorneherein hätte klar sein müssen, daß das gleichzeitig unmöglich ist, denn beides benötigt meine volle Aufmerk­samkeit. In der Straßenbahn dann hatte ich zwei Ideen. Dann war ich so sehr vertieft, daß ich zwei Haltestellen zu weit gefahren bin. Aber ich hatte mir tatsächlich zwei Ansätze notiert. Die Zufriedenheit überwog, nur leicht, aber sie überwog.

Ihr werdet es ja sowieso lesen: Zunächst werde ich abwechselnd wie bisher an einem Tag die positiven Dinge aufzählen und am anderen Tag Dinge, mit denen ich wirklich zufrieden war. Um zu testen, ob mir das hilft, der Zufriedenheit mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Und vielleicht (aber wirklich nur vielleicht) erscheinen dann bei Twitter die jeweils anderen. Für die zweite Möglichkeit brauche ich noch ein paar Tage, ehe ich mich mit ihr angefreundet haben kann. Bin ich eigentlich alleine mit meiner Einstellung, daß nicht alle positiven Dinge solche sind, mit denen ich zufrieden war und sein kann, und das nicht alles, mit dem ich wirklich zufrieden war, Positives sein muß bzw. sein kann?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 07.10.2021 war ich zufrieden mit meiner vorproduzierten Sendung, mit einem von mir gemachten heiklen Gesprächsangebot, mit einem endlich angefangenen Brief.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Der Gehängte (ohne die Möglichkeit einzugreifen einer Entwicklung zusehen zu müssen).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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3 Antworten zu 2021,280: Alternierend

  1. Ulli sagt:

    Boah Emil, darüber muss ich jetzt nachdenken. Ist doch für mich Zufriedenheit auf den ersten Blick positiv, also, wenn ich mit etwas zufrieden bin, mit einer Arbeit, einem Bild, einem Tag oder einer erledigten Aufgabe … … … ich denke … … … okay, ob es dann wirklich positiv gewesen ist, das stellt sich später heraus, vielleicht war es das nur für mich, aber nicht für anderes oder jemand anderen.
    Danke für den Input, ich denke immer noch …

  2. Sonja sagt:

    Jeden Tag in den Fluss steigen und sich einfach treiben lassen, manchmal geht`s nicht anders, manchmal höre ich einfach auf mit dem dauernden Nachdenken und siehe da, es geht auch…man kann Erstaunliches erleben und noch ist der Fluss angenehm warm…
    Gruß von Sonja

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