Ich fühl‘ mich angegriffen und bin so kampfesmüde
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Wieder eine Frage, eine von denen, die nicht notwendig sind, die unsinnig sind. Trotzdem ist es wieder etwas, das mich heftig beschäftigt.
Vielleicht ist es der Borderliner in mir, der da getroffen, betroffen ist. Geschlechtsspezifische Pauschalisierungen bringen mich dazu, Rationalität bei den Pauschalisierenden einzufordern/anzuregen. Meist funktioniert das aber nicht und ich bleibe ohnmächtig, mich ganz persönlich angegriffen fühlend auf der Strecke. Ich fühle mich dann hilflos, extrem unwohl und habe Angst davor zu eskalieren.
Schwierig, sehr schwierig für mich, diese Situationen. Wahrscheinlich sollte ich in solchen Momenten zurückhaltender sein, vorsichtiger fotmulieren. So, wie ich es jetzt tue, erkennt niemand, daß ich wirklich Verständnis für die Emotionen habe und für die Aufregung und für die Ablehnung und für die Wut und den Zorn. Wenig Verständnis habe ich dagegen für die Irrationalität, die zu jenen erwähnten geschlechtsspezifischen Pauschalisierungen führt. Wie aber kann, soll ich diesen Unterschied verdeutlichen, verständlich machen?
Es ist … “Weiber!” Und: “Männer!” – Den dazugehörigen abfälligen Ton kennt jede und jeder. Und wer, bitteschön, wer fühlt sich in dem Moment, da er/sie das hört, nicht eingeschlossen in die jeweilige Gruppe? Wenn es aber gesunde Menschen schon betrifft, um wievieles schlimmer betrifft es dann mich als Borderliner … Ich, der ich nur Schwarz und Weiß kenne und mir eine Vorstellung von Grau mühsam erarbeiten mußte. Rückfall in die Muster totaler Ablehnung bzw. totaler Überhöhung/Anbetung. Und der Kampf gegen das “bequeme” Verharren (ich kenne das, ich mag mich nicht anstrengen; das aber müßte ich tun, wenn ich wie ein Gesunder reagieren wollte) in diesem Grenzbereich, in diesem ständig zu den Extremen ausschlagenden, eingebildeten Gleichgewichtszustand.
Borderline. Mein Borderline, das mich jeden einzelnen verdammten Tag dazu zwingt, mich zu quälen und abzumühen, gegen das ich jeden, wirklich jeden Tag aktiv angehen muß, um nicht wieder darin gefangen zu sein und – in seiner Folge – nicht wieder in die tiefsten Tiefen der Depression hinabzustürzen.
Vielleicht will ich deshalb einfach losgehen, um das einmal hinter mir zu lassen, einmal nicht kämpfen zu müssen.
Vielleicht.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 29. Juli 2014 war die erfolgreiche Hausarbeit.
Tageskarte 2014-07-30: Die Sieben der Schwerter. (Es gibt einen unaufrichtigen Menschen in meinem Umfeld.)
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danke für diesen so ehrlichen, sensiblen artikel.
eben las ich auf fb einen wirklich feinen text, das zitat einer zen-geschichte. extrakt davon: wir werden in der regel von „leeren booten“ gerammt. meistens meinen die andern nicht wirklich uns mit ihren pfeilen. pauschalurteile lassen rückschlüsse auf den/die absenderIn zu. sag ich jetzt mal ganz pauschal.
ich wünsch dir mut zum nicht-kampf.
Die „leeren Boote“ schlagen immer wieder an der Stelle ein, die nur notdürftig geflckt ist, da, wo die Außenhaut am dünnsten und verletzlichsten ist …
Ich kann mich da schwer reindenken, auch wenn man mir auch mal die Diagnose Borderline angepappt hat (und wieder zurückgenommen). Ich habe das „nur“ in meiner Gruppe in der Klinik erlebt. Was ich aber gut kenne, ist dieses sich angegriffen fühlen, vernichtet fühlen, und da habe ich mittlerweile gelernt, das zu differenzieren. Pauschalurteile nehme ich nicht zu mir, sie sind eh schnell mal dahin gesagt und wie sofasophia schon schrieb, lassen sie mehr Rückschlüsse auf den Absender zu als auf uns selbst. Ich habe auch lange Jahre gekämpft, erst als ich das Kämpfen aufgegeben habe, bin ich gesund geworden.
Lieber Emil,der heutige Beitrag einer von mir geschätzten Therapeutin und Künstlerin interessiert Dich vielleicht (muss hier nicht veröffentlicht werden, nur wenn es für Dich wichtig wäre, ansonsten nur mal durchlesen):
http://angelikawende.blogspot.se/2014/07/aus-der-praxis-vom-sekundaren.html
Oh, das ist wichtig. Weil ich:
– nie geschnibbelt o.ä. habe
– genau dagegen kämfe, gegen diesen „sekundären Krankheitsgewinn“ (nur hatte ich den Namen nicht), den ich nicht haben will. weil er mich im BL festhält
– mir in mühevoller Arbeit all das, was nicht „Schwarz“ noch „Weiß“ ist, zugänglich gemacht habe
– nicht mehr immer nur andere für mein Leiden, meine negativen Gefühle verantwortlich machen möchte …
Lieber Emil, ich dachte auch ganz spontan: solange man kämpft, kann man nur verlieren. Wieder so ein Satz, der schnell dahin geschrieben oder gedacht ist, der aber, aus meiner Erfahrung, Wahrheit in sich trägt. Ich habe es schon oft geschrieben, es liegt viel Kraft im JA sagen/denken, ja, ich bin jetzt verletzt, ja, ich bin jetzt wütend etc., das ist der Moment, in dem sich alles wandeln kann.
Ich wünsche dir weniger Angriffe und wenn, dass du sie abprallen lassen kannst. Erst einmal ausatmen, letztens erzählte mir eine Freundin, dass jede Emotion nicht länger als 9 Sekunden dauert, wenn man sie zu sich nimmt …
herzliche Grüsse Ulli
Oh. Ich glaube, das Kämpfen ist hier völlig falsch angekommen.
Ich kämpfe dagegen an, daß eine kleine Störung von mir nicht wie borderline-üblich sofort in eine Totalablehnung umgewandelt wird, sondern daß sie als Störung, berechtigte Kritik, mich nicht betreffende Pauschalisierung wahrgenommen wird von mir! Ich mühe mich dagegen an? Ich rackere mich dagegen ab?
Damit tut man sich auch als “normaler” Mensch schwer. Aber es lohnt sich, wenn es gelingt, oder ?