Ein Diskussionsverlauf, fragmentarisch erinnert
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Warum der Freitag Frei-Tag heißt, weiß ich ja: An diesem Wochentag wurden früher die Mägde und Knechte aus ihrem Dienst entlassen, sie kamen frei. Meine Freitage aber sind nicht frei, auch werde ich freitags nicht entlassen. Und wenn ich ehrlich bin, so bin ich auch an meinen freien Tagen nicht frei, jedenfalls nicht frei genug zu tun, was ich tun will. Irgendwelche Zwänge sind da immer.
Diese Gedanken kamen mir in dieser Woche, als ich im Radio mit jemandem sprach über meine Wortmeldung zum Thema “Tod”. Wie jeden Monat steht auch die April-Programmzeitung von Radio Corax (gleich dort sind der Link zur Programmzeitung und zum Download der PDF-Version) unter einem Motto: “Der Tod ist ein Skandal”. Weit vorher wurden von der Redaktion schon Wortmeldungen eingefordert zu der Frage: “Was würdest du tun, wenn du nicht sterben müßtest?”
“Als erstes stelle ich die Frage, ob ich noch sterben darf!? In ein Kloster träte ich ein – buddhistisch, katholisch, lamaistisch, altkatholisch, griechisch- oder russisch-orthodox, evangelisch – völlig egal, weil ich alle Zeit der Welt hätte, Gott zu erfahren oder auch nicht. Vielem gäbe ich viel mehr Zeit, vor allem dem Schreiben und den Erinnerungen.”
Wann ich denn sterben wollen würde, falls es noch erlaubt wäre – falls ich die Freiheit hätte, über mein Sterben selbst zu entscheiden, unter welchen Umständen. Darüber kamen wir zur Freiheitsdiskussion … Und stellten beide fest, daß wir in der Diktatur, da wir noch unfrei waren, viel weniger Zwängen unterlagen als jetzt und auch den vorhandenen Zwängen weniger “streng” unterlagen als das jeweils heute der Fall ist. Heute, da ich angeblich freier bin als in der DDR.
Ja, es liegt auch an der sozialen Sicherheit, die heute fehlt, die es damals gab. Ein persönliches Gefühl der Sicherheit in bestimmten Bereichen macht(e) mich gefühlt freier als diese ständige Unsicherheit – und wir beide waren über diese Erkenntnis erstaunt.
Für mich gilt auch heute noch:
Ob Freiheit ohne jegliche Sicherheit wirklich erstrebenswert ist? Oder – aber pssssst! – bin ich jetzt gar tatsächlich weniger frei als früher?
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 10. April 2014 waren eine dann doch recht angenehme Schicht nach anfänglichen Problemen und ein netter Abend.
Tageskarte 2014-04-11: Bube der Stäbe.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich mag diese (aroganten) Marius total gern hören!
und ich hab mich schon gefragt, was wäre, wenn wir von geburtswegen irgendwo einen knopf hätten, der es uns erlaubt, uns selbst sterben zu lassen, wenn wir merken, dass der punkt erreicht ist. ob die menschheit damit zurecht käme? und wenn ja, wäre sie glücklicher oder trauriger?
wie auch immer … nicht sterben wäre für mich eher keine option. aber über das wie wäre ich gerne im gespräch mit mir selbst … danke für deinen anregenden text!
Ach weißt du, lieber Emil, als ich jung war, habe ich mir einfach mehr Freiheiten genommen. Ich war streitsüchtig und auch oft albern, habe geglaubt, das zu finden, was die Welt zusammenhält, konnte laut Türen zuschlagen und ganz leise wieder öffnen, nachts mitten in Leipzig über Papierkörbe springen und auf dem Allerwertesten genau vor einem Polizisten landen … Das ist eben so, wenn man jung ist. Damals hätte ich jeden Deal gemacht, um ewig leben zu können.
Mit der Zeit ändert sich vieles. Das heißt, manchmal kracht das Verhaltensmuster von damals wieder durch. Ich sollte es viel öfter zulassen. Nur das Ding mit dem Papierkorb bekomme ich nicht mehr so hin.
Ich war 16 als ich zum ersten Mal und ganz unvorbereitet mit dem Tod konfrontiert wurde. Ich wurde als Lehrschwester „abgestellt“, einer Sterbenden die Hand zu halten. Heute wünsche ich mir, dass meine auch jemand hält, wenn es denn Zeit ist. Ich liebe das Leben sehr, aber ich möchte unter bestimmten Umständen die Freiheit haben, den Zeitpunkt bestimmen zu können. Ich denke selten darüber nach und suche auch nach nichts.
Ich hoffe, du findest sie, deine ganz persönliche Freiheit.
Gruß von nebenan.