Habt auch ihr schon über das Nichtdenken nachgedacht?
Es gibt etwas, das ich zu meinen besonderen Fähigkeiten zähle: Bin ich unterwegs, so kann ich meine Gedanken fallenlassen, loslassen – ich gehe dann gedankenlos einen Weg, den ich nicht plante und an den ich mich nur schwer erinnere. Na gut, es gäbe technische Hilfsmittel, eine Streckenaufzeichnung z. B., aber auch die hält keine Erinnerung fest. Doch will ich das wirklich?
Auf einem gedankenlosen Weg kann ich mich auf das Fühlen konzentrieren, auf das, was ich im Moment spüre. Darüber muß ich nicht nachdenken, es reicht, einfach zu sein. Ha! Einfach! Ehrlich, so einfach ist das für mich nun auch nicht: Ich bin schon sehr verkopft im Alltag, denke viel und zerdenke noch immer dies und das. Aber wenn es mir dann doch gelingt, die Gedanken loszulassen, so erlebe ich besondere Momente, zu deren Beschreibung keine oder nur wenige, dann aber unzureichende Worte gibt.
Und ich bin damit nicht allein:
Einen Weg zu beschreiben, den man ohne Gedanken geht, ist nahezu unmöglich, da man die Dinge nur noch ungefiltert und ohne sie zu bewerten wahrnimmt. Und wertfreies Wahrnehmen läßt sich später kaum formulieren.
Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg. S.236 f.
Ungekürzte Taschenbuchausgabe, 8. Auflage 2010
© 2006 Piper Verlag GmbH, München. ISBN 978-3-492-25175-4
Seit einigen Tagen beschäftigt mich die Frage, ob das oben Geschriebene auch für Wege gilt, welche ich nicht physisch, auf meinem Füßen, gegangen bin oder gehe. Also ob ich auch gewisse Entwicklungen in meinem Inneren gedankelos durchlief oder durchlaufe. Jajaja, das geht ja gar nicht, das Denken einfach auszuschalten … Nun, ich kenne mindestens zwei Zustände, in denen ich nicht denke: den Schlaf und den Orgasmus. Die sind aber gewiß nicht die einzigen wirklich gedankenlosen Phasen. Vielleicht habe ich andere nur nicht bemerkt, weil ich in diesen Momenten nicht dachte.
Und dann hinterher so etwas mit Worten zu beschreiben – ich habe ja schon Schwierigkeiten, mich jetzt klar auszudrücken.
Erinnerung des Tages:
Ich fuhr heute am Bahnhof Muldenstein vorbei und erkannte das Gelände – in welchem Jahr ich dort war, muß ich noch herausfinden.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 25.07.2026 das späte Aufstehen, mein dann doch zielloses Unterwegssein mit den S-Bahnen, viel Salat zum Abendessen.
© 2026 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Nur gehen, sehen, hören, riechen und das Gedankenkarussell steht weitestgehend still. Und dann diese Momente, die erst Jahre später Worte oder eine Novelle finden, die dann keiner versteht …
Meist finde ich passende Worte nich.
Erinnerst du dich an meine ‚Kleine blaue Frau‘? Da fand ich nach Jahren Worte für einen sehr intensiven Prozess in der lappländischen Wildnis. Ein bisschen märchenhaft und symbolisch, ich glaube, dass die wenigsten die Geschichte verstanden haben. Aber das muss auch nicht.
Ich bekomme in diesen Situationen nichtmal sowas hin. Da sind in mir keine Worte für das denkfrei Erlebte.