Nach can. 1417 CIC? (Nº 043)

Ohne den Instanzenweg. Ganz persönlich.
Überraschende Religiosität?

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Bei so einer Nachricht kann ich nicht schweigen, da muß ich auch etwas persönliches dazu sagen. Am liebsten dem Mann selbst, den es betrifft (auch, wenn er hier nicht mitlesen wird). Vielleicht haben schon viel zu viele Menschen, Redaktionen, Agenturen etwas dazu geschrieben und gesagt: es ist mir trotzdem ein Bedürfnis. Auch wenn ich damit vielleicht langweile …

Nach can. 331 CIC ist der Papst Inhaber auch der Affectio papalis, der Unmittelbaren Gewalt, kann frei über alle Angelegenheiten der Kirche entscheiden, selbst, unmittelbar. Und nach can. 1417 CIC – das ist Artikel 1417 des Codex‘ Kanonischen Rechtes – darf sich Jeder (Gläubige) direkt an ihn wenden (in Straf- oder Streitsachen), ohne die Einhaltung eines Instanzenweges. Vielleicht auch in anderen Dingen, so wie ich das hier versuche. Und vielleicht finde ich den Mut, diesen Text in einen Brief zu schreiben.

 

Heiliger Vater,

es geschieht zum zweiten Mal in der Geschichte überhaupt, daß der Inhaber des Stuhles Petri, der Bischof von Rom, der Pontifex Maximus, der Papst aus freien Stücken auf das Amt verzichtet, die Abdikation (in diesem Artikel in der Begriffserklärung enthalten) erklärt.

Nun bin ich kein unbedingter Freund der katholischen Kirche, auch wenn ich selbst einmal ins Kloster gehen wollte. Und ich war immer schockiert, wenn ich Johannes Paul II. in all seinem Leiden und seinem Siechtum sehen mußte.

Josef Kardinal Ratzinger wurde anläßlich seiner Wahl zum Papst oft als “Hardliner”, rückwärtsgewandt, konservativ bezeichnet. Ihr, Heiliger Vater, habt mit einigen Eurer Äußerungen auch meinen Unmut auf Euch, auf die gesamte Institution Katholische Kirche gezogen. Verzeiht mir kleingeistigem Menschen!

Um so größer, höher schätze ich Euren Mut, Eure Menschlichkeit, die Ihr gestern mit der Erklärung Eures Rücktritts gezeigt habt. Dafür gebührt Euch wirklich meine Hochachtung – unter anderem für die Ehrlichkeit Eurer Begründung. Die ist das Eingeständnis, daß Eure Kräfte zur Ausübung des Amtes nicht mehr ausreichen. Wieviel Größe zeigt Ihr damit!

Wie es jetzt weitergeht mit dem Heiligen Stuhl, habe ich im Artikel “Nach dem Rücktritt” gelesen. Für Euch bitte ich um ein gnadenvolles Leben.

Eure Heiligkeit, ich beuge meine Knie vor Euch.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 11. Februar 2013 war, daß ich den Narreteien vollständig aus dem Weg gehen konnte (nein, ich mußte nichtmal das: ich habe einfach nichts davon mitbekommen).

P.P.S.: Ich verwende die förmlichen Anreden – hoffentlich korrekt!

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Nach can. 1417 CIC? (Nº 043)

  1. luzie sagt:

    Das „ihr“ im letzten Satz des eigentlichen Briefes muss noch groß 😉

  2. Frau Momo sagt:

    Niederknien werde ich nicht, aber ich finde das auch höchst respektabel, das er nicht durchhält, bis er gar nicht mehr kann. Nichts desto Trotz bin ich alles andere als überzeugt von seiner Amtsführung und seinen theologischen Ansichten. Aber das ihm jemand weniger konservatives folgt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Ich bin jedenfalls nicht traurig, das er geht.

  3. Xeniana sagt:

    Reblogged this on Familienbande.

  4. Sofasophia sagt:

    ich kenn mich ja mit den katholen nicht wirklich aus (ämter, hierarchie etc.) meinen respekt haben sie sich nie verscherzen können, da ich ihn nie hatte, weder als kind noch als erwachsene. jedenfalls nicht als amtsträger, meine ich. ABER ich respektiere grundsätzlich jeden menschen erstmal als menschen, mann und frau, kind sowieso, ob er nun eine schlichte braune mönchskutte, eine schweineteure papstkluft oder jeans und pulli trägt. einfach, weil er mensch ist.

    und wenn so ein mensch, statt am sessel klebenzubleiben, bis er wie sein vorgänger nichts mehr tun kann, sondern begreift, dass es zeit für etwas neues ist und darum geht (hab ich zig mal gemacht in meinem leben), dann ist das gewiss mutig (ich hab zugegeben keine ahnung von den rücktrittsgründen).

    hab keine angst, der wird schon nicht verarmen. schaden hat er genug angerichtet (vielleicht quält ihn ja das gewissen?). dasss jemand besseres nachkommt, bezweifle ich leider. die katholen sind doch ein korrupter patriarchaler klüngel, sind wir doch mal ehrlich, und dass ein einzelner mensch so viel macht hat, ist sowieso extrem suspekt! es soll mir doch bitte jemand etwas wirklichwirklich tolles, sinnvolles vom letzten jahr nennen, was papst und kirche gemacht haben – aber achtung: nicht schummeln. es muss etwas uneigennütziges sein und darf nicht indirekt der kirche dienen!

    sorry mein pamphlet hier in deinem blog, lieber emil, ich respektiere ja deine haltung. aber eben … ich finde diese rücktritt nun wirklich nichts besonderes. auch der papst kocht nur mit wasser (kocht der papst? wohl kaum).

    vielleicht hat der mann einfach eine sinnkrise wie wir alle von zeit zu zeit, und begreift, dass er nun eine vielleicht letzte chance hat, neu anzufangen!? das wäre ihm von herzen zu gönnen.

    (wenn du meinen kommentar nicht im blog magst, lösch ihn einfach. musst ihn nicht freischalten. ich will dich auf keinen fall verärgern, nur meine gedanken sagen!)

    • Der Emil sagt:

      (Ich habe länger gebraucht, ehe ich den Kommentar freischaltete.)

      In dem Punkt stimme ich uneingeschränkt mir Dir überein:Jeder Mensch erhält von mir einen Respektsvorschuß (noch dazu glaube ich an das Gute im Menschen). Einfach weil er Mansch ist.

      Daß er verarmt, das kann ja garnicht geschehen. Mit dem Ablegen der ewigen Profeß (die dauerhafte Aufnahme in einen katholischen Orden) hat er auch all seinen persönlichen Besitz dem Ordem übergeben – dafür wird der Ordensbruder ja vom Orden rundum versorgt. Auch die Früchte seiner Arbeit (Lohn, Tantiemen und was es noch so alles gibt) fließen uneingeschränkt dem Orden (also der Institution Kirche) zu.

      Aber: Er ist seit siebenhundert Jahren der erste, der das Abdikationsrecht in Anspruch nimmt, aus freien Stücken. Der erste, der seine persönlich Schwäche eingesteht in dieser Position. Nein, ich achte nicht auf all das, was auch in seinem Namen und unter seiner Führung (wie weit er die tatsächlich asübte, steht auch noch auf einem anderen Blatt) geschah, auch nicht auf das, was vorher passierte. Nur sein Mut – der des amtstragenden Menschen! – in dieser Position Schwäche einzugestehen und freiwillig das Amt zu verlassen, der nötigt mir Respekt und Hochachtung ab.

      (Es gibt einen Film “In den Schuhen des Fischers”, den ich wirklich immer wieder gerne sehe, weil er einen anderen Blick auf den Papst, auf einen Papst darstellt. Benedikt XVI. erinnert mich nur in dieser einen Tat daran, daß auch er ein Mensch ist und wie Lakota in einem Amt, das keinen Zweifel dulden kann, doch Zweifel hat.)

      Ich bitte darum, hier nicht über die Untaten der Kirche und ihrer Glieder zu schreiben und zu streiten. Und vielleicht hast Du Recht, daß es im vergangenen Jahr nicht eine einzige nicht einmal indirekt der Kirche nutzende Aktion der Kirche gab – aber es gab die Taten der Menschen, ihrer Nonnen und Mönche, ihrer Gläubigen, die uneigennützig immer wieder großes leisten für andere Menschen.

  5. Inhaltlich kann ich mich Deinen Worten zum Rücktritt durchaus anschließen. Ich habe mit der RKK gar nichts am Hut. Vielmehr betrachte ich immer den Menschen, der ein Amt ausfüllt. Und genauso, wie vor einigen Jahren bei Matthias Platzeck, der auf die weitere Ausübung politischer Ämter verzichtete, weil er ganz offen ausgesprochen hat, dass er aktuell keine Energie mehr hat, um diese Ämter redlich auszuführen, habe ich große Achtung vor der jetzigen Entscheidung des Papstes. Das ist wirklich groß; Respekt! Dieses Handeln macht in meinen Augen eine fast schon überwiegend fiktiv wirkende „Figur“ zu einem Menschen. Und davor verneige ich mich.

    • M. sagt:

      „Dieses Handeln macht in meinen Augen eine fast schon überwiegend fiktiv wirkende “Figur” zu einem Menschen.“

      Der beste Satz den ich bisher zum Thema Papst gelesen habe.

      @ Emil: Ich würde an deiner Stelle diesen Brief auf eine weite Reise schicken.

  6. Karl sagt:

    Schön, dass mal jemand demjenigen, dessen Worte und Taten nicht mit den eigenen Ansichten übereinstimmen, Respekt für eine Handlung erweist, die es verdient hat. Das vermisse ich so sehr, auch in anderen Fällen. Wenn jemand aus respektablen Gründen zurücktriit (oder etwas anderes respektables tut), dann ist es zunächst mal nur diese Handlung, um die es geht, und das ständige „ja aber, der/die hat doch …“ nervt, da das vielleicht für das Lebenswerk aber nicht für die aktuell zu Debatte stehende Handlung relevant ist.

    Ja, man darf dann durchaus auch mal Witze machen, aber *Häme*, wie ich sie in diesem Fall (und auch z.B. im Fall Schavan, von deren Politik ich weiß Gott kein Freund war) soviel gesehen habe ist sowas von unangebracht und hat mit Respekt nichts zu tun.

    Danke, dass Du diesen Respekt erwiesen hast.

  7. ich hab ja mit Kirche nichts am Hut … aber ich finde das eigentlich positiv, wenn jemand -wie jetzt der Papst- sich seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlt, das er dann zurück tritt… das sollte eigentlich wohl immer so sein… aber leider bleiben die meisten Menschen in Machtpositionen so lange es geht, koste es was es wolle… auch wenn sie das Volk nicht mehr haben will, bleiben die … man muss sie dann schon mit Gewalt oder mit Tricks zum Rücktritt zwingen… da finde ich es doch viel besser, wenn jemand sagt… ich gehe weil ich nicht mehr kann oder will …

    LG TB

  8. Frau Blau sagt:

    sehr respektvoll, lieber Emil!
    ja, es ist großartig, wenn ein Mensch seine Schwäche erkennt und danach handelt und ja, es ist wunderbar, dass dieser Pabst diese Größe hat. Aber noch viel wunderbarer fände ich es, wenn es überhaupt keinen Pabst mehr geben würde- das hat sich doch längst alles überholt, aber nun …
    das Gegenbeispiel ist für mich der Dalai Lama, der sagt, dass er der letzte sein wird, dass er nicht will, dass nach seinem Tod nach einer Wiedergeburt von ihm gesucht wird, er begründet es damit, dass sich so viel in der Welt geändert hat und insbesondere in Tibet, dass es keinen Dalai Lama mehr braucht! Wenn dies doch auch mal in die Köpfe von Katholiken gehen würde, dass sich die Welt verändert hat … aber das passt natürlich auch auf ganz andere Institutionen und Köpfe …

    liebe Grüße
    Ulli

  9. Anne-Marie Peters-Tipton sagt:

    Danke Emil, den Respekt den Du erweist in diesem Schreiben. Dafuer verdienst Du meine Hochachtung.!!!!

  10. kreativberg sagt:

    So ein guter, durch und durch guter Brief. Schön, dass du ihn geschrieben hast. Und wer weiß, vielleicht schickst du ihn doch noch auf die Reise? Wer weiß, ob er sich nicht darüber freut? In seinem Ruhestand hat er dann möglicherweise sogar Zeit zurückzuschreiben 🙂
    Alles Liebe. maria

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