Lebenskunst 03 (#036)

Von der rechten Balance

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Balance – ein Wort, das irgendwie zum Modewort verkommen ist. Vor einiger Zeit war es noch ständig und überall in der Werbung zu finden, das hat glücklicherweise wieder abgenommen.

Für mich hat Balance noch eine andere Bedeutung. Ich denke dabei nämlich immer an diese alten Balkenwaagen, bei der das Gewicht dessen, was in der einen Waagschale liegt, durch das Hineinlegen der richtigen Gewichte in die andere Waagschale ermittelt wird. So wird ein Gewicht gemessen. Und dann hat man ein Maß.

Aus den Sprichwörtern und geflügelten Worten kenne ich übrigens nur das «Übermaß» und «übermäßig». Untermaß? Kenn ich nur vom Angeln, da kann ein Fisch schonmal «untermaßig sein» und muß ins Wasser zurückgegeben werden.

Das Untermaß tritt mir immer dann entgegen, wenn etwas in nicht ausreichendem Maße vorhanden ist / gegeben wird / … Nicht ausreichend …

 
Finde Dein Maß

Jeder Mensch hat sein persönliches Maß. was ist dein eignes ganz persönliches Maß? Wo bist Du über Dein Maß hinausgegangen? Bei welchen Gelegenheiten hast du gespürt, daß du deinen Lebenswagen nicht mehr zu lenken vermagst? Es geht darum, das eigene Maß zu finden. Ein Weg, das eigene Maß zu finden, geht über das Erspüren der eigenen Stimmigkeit. Wenn du mit dir im Einklang bist, wenn du innerlich zur Ruhe kommst, mit dir übereinstimmst, dann spürst du das Maß, das für dich stimmt. Und wenn du nach diesem Maß lebst, dann wird auch dein Leben Frucht bringen. Nicht darum geht es, daß du dich mit anderen vergleichst, sondern daß du den Mut findest, dein eigenes Maß zu finden und nach deinem eigenen Maß auch zu leben. (Hervorhebung: Der Emil) Dann wird dein Leben heil und ganz. Und es wird auch für andere zur Quelle des Segens.

 
Anselm Grün: Buch der Lebenskunst; S. 202
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2002. ISBN 3-451-27997-3
 

Dr. theol. Anselm Grün OSB ist Benediktinerpater, Autor, Referent zu spirituellen Themen, geistlicher Berater und Kursleiter für Kontemplation, Meditation, geistliches Leben usw. Seit 1977 ist er Cellerar der Abtei Münsterschwarzach.
 
 

(Aufgrund seiner Kürze darf ich in Übereinstimmung mit den Zitationsparagraphen des UrHG den Text hier im Ganzen zitieren.)

Mein Maß? Habe ich mein Maß schon gefunden? Nicht immer. Aber immer öfter sitze ich nach getaner Arbeit (und damit meine ich nicht das, was ich gegen Geldlohn leiste) da und bin: zufrieden. Ich war nicht der Beste. Ich war so gut, daß ich mit mir und mit dem, was ich erreichte, zufrieden sein kann, zufrieden bin.

Und wenn ich feststelle, daß mich etwas über- / unterfordern wird oder mich über- / unterfordert, dann kann ich auch sagen: Das paßt nicht. Das paßt mir nicht. Dann ist das etwas, das nicht mein Maß hat.

Ich habe heute den Mut (zwar nicht immer aber meistens), nach meinem Maß zu leben und zu schaffen.

Und wie ist das bei euch?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Februar 2012 war der ganze, gemeinsam verbrachte Tag mit Kaffe am Bett und allem Pipapo.

036 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 502 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Lebenskunst 03 (#036)

  1. anniefee sagt:

    Ja, richtig, schön bemerkt von dir..
    Man muss das eigene Maß finden und braucht sich nicht schämen, es durchzusetzen. Aber auch nicht, wenn man es in Einzelfällen verpasst hat. Allein durch das Abwägen dieser Dinge ist man schließlich schone einen Schritt weiter als manch andere „Unreflektiert und Ungeniert durch’s Leben-Sauser“ 😉

  2. Elvira sagt:

    Das eigene Maß kann man nur finden, indem man es über- oder unterschreitet. Nur muss man dabei aufmerksam bleiben um es überhaupt zu bemerken.

  3. shelkagari sagt:

    Irgendwie über- oder unterschreitet man die eigene Balance, das rechte Maß, im Alltäglichen doch sehr häufig. Die Zeiten, in denen man sich so richtig ausgewogen und in sich stabil fühlt, sind so oft nicht, auch wenn man sich stets um Ausgewogenheit bemüht…

  4. Inch sagt:

    Schön beschrieben. Schlimme sind die Menschen dran, die nicht das rechte Maß für sich finden können, sei es, weil sie Karrieristen sind oder sie krank sind oder was es auch immer für Gründe geben mag. Weil, nicht das richtige Maß für sich zu finden, macht dann zustätzlich krank.
    Zufrieden mit sich sein, das sollte der Lohn dafür sein, sein Maß gefunden zu haben. Ich kann da eignetlich nicht klagen. Ich hatte Phasen, da habe ich mir zu viel zugemutet, das Maß überschritten. Aber dem ist nicht mehr so. Ich bin zu frieden, mit mir und dem, was ich tue.

  5. Gabi sagt:

    Ich hab leider nicht immer den Mut nach „meinem Maß“ zu leben. Manchmal ja, aber oft auch nicht.
    Schön, dass es bei Dir klappt.
    lg Gabi

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