Zustandsbeschreibung von früher.
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Erstveröffentlichung am 15. Oktober 2010 bei My(LEER) – also bei Myspace.
Heute geht es mir wesentlich besser. Doch diesen Zustand vergessen: das kann ich nicht und will ich nicht.
Einer der für mich typischen Tage. Gestern oder vorgestern oder morgen, auch heute und übermorgen. Ich weiß, was es ist. Und ich bin in Behandlung. Es wollte nur einmal raus aus mir.
Kopf ist leer. Was ich mir vornehme, bleibt unerledigt. Zuhausesitzen. Es fühlt sich falsch an.
Ständig zu atmen ist so anstrengend.
Was passiert da grad bei Myspace? Ach – ich tu mal so, als sei ich witzig oder als hätte ich tatsächlich etwas beizutragen. Nicht, daß es noch jemandem auffällt, wie beschissen es mir geht. Das muß keiner wissen. Kann mir ja sowieso keiner helfen. Hat ja niemand eine Lampe, die gegen die Finsternis in meinem Kopf hilft.
Wieso läuft das Radio noch? Ich wollte es doch vorhin schon ausschalten, weil mich die Zwangslustigkeit der Moderatoren so nervt … Können die wirklich nur noch diese bescheuerte “Pop”-Musik spielen?
Kaffee kochen. Den Abwasch wollt ich auch schon gestern – eine Tasse steht noch im Schrank, was für ein Glück. Milch ist alle? Mist, muß ich heute noch besorgen, oder geh‘ ich erst morgen einkaufen? Hunger hab ich auch nicht.
Die Pornos im Internet sind irgendwie uninteressanter als gestern. Sonst ruft mich wenigstens mal jemand an …
Die Bilder müßte ich fertigmachen; aber warum hab‘ ich denn diesen Müll photographiert? Ich hab‘ keinen Bock auf die Umwandelei von RAW in TIFF …
Wie jetzt? Ich bin erst seit zwei Stunden wach? Ich rauch‘ eine – und Kaffee hatte ich doch vorhin auch gekocht? Aber jetzt wegen der einen Tasse Kaffee aufstehen? War doch sowieso keine Milch mehr da – oder war das vorgestern und ich hatte gestern welche geholt?
Es ist so schlechte Luft im Zimmer. Und der Regen tropft gegen die Scheibe; und wenn ich jetzt das Fenster aufmache, regnet es rein. Ist das nicht egal? Also hoch den Arsch, Fenster aufgemacht und – weil ich einmal stehe – gleich noch Kaffee holen. Oh – und die Pillen nicht vergessen.
Was will denn jetzt jemand im ICQ von mir? Nein, ich bin grad im Bad und auf dem Rückweg nehm‘ ich mir den Kaffee mit. Außerdem bin ich “unsichtbar”, wieso schreibt mich jetzt jemand an? Tasse, Thermoskanne, ach ja, Milch war ja alle …
Ja, das im ICQ scheint wichtig zu sein – nur warum dauert es so lange, bis Antworten kommen? Ich bin wahrscheinlich wieder nicht wichtig genug, in den anderen Chats wird er wohl mehr zu schreiben haben. Das Warten nervt.
Na gut, noch eine werde ich rauchen und dann geh‘ ich raus. Wer will denn jetzt schonwieder … Immer, wenn ich dann endlich loswill. Ja, ich will jetzt raus. Gabs noch was Neues im Myspace?
Oh NEIN! Jetzt bin ich endlich angezogen und könnte los, aber wie immer: Nochmal aufs Klo. Dieses dämliche Problem mit der Verdauung. Ob das – nein, ich les‘ grad extra nach: Keine Nebenwirkung der Pillen.
Jetzt aber. Der Aufzug kommt. Moment – hab ich zugeschlossen und die Kaffeemaschine ausgeschaltet? Wenn nicht, dann lief die schon wieder fast drei Stunden umsonst. Nein, alles in Ordnung. Hoffentlich ist der Bus nicht zu früh – es wird nämlich jetzt knapp.
Raus aus dem Aufzug, raus aus der Haustür – und da fährt der Bus an mir vorbei. Der nächste in 15 Minuten – kann ich noch eine rauchen.
Dieses eklige Kneifen im Bauch – das tut echt weh. Das halt‘ ich nicht aus bis in die Stadt. Also nochmal hoch, nochmal ins Bad.
Nehm‘ ich den übernächsten Bus – nur, um dann die Anschlußstraßenbahn vom Bus aus noch abfahren zu sehen! Statt der knappen Stunde, die ich vom Entschluß zum Gehen bis in die Stadt bräuchte, wenn alles gutgeht, hab‘ ich es dann schon in zwei Stunden geschafft bis auf den Markt.
Von den Menschen, die ich hier zu treffen hoffte, ist nicht einer (mehr?) hier. Kann ich ja mal in die Marktkirche gehen und eine Kerze anzünden für S. oder jemand anderen, der etwas Unterstützung benötigt. Natürlich ist es dazu zu spät – denn die Kirche ist schon zugeschlossen. Also ist es schon so spät? Und nun?
Ein paar Minuten kann ich noch am Brunnen sitzen. Hab‘ ja sogar ein Bier mit. Wenn nur das Atmen nicht so anstrengend wäre – dieses ständige Atmen …
Und die, die jetzt hier auftauchen, sind gerade die, die ich lieber nicht treffen mag. Völlig zugedröhnte, mir unbekannte Typen, die das Gequäke aus ihren Handies als Musik bezeichnen. Das ist nur scheußlich – die besten Lieder werden so zu unerträglichem Lärm. Und solchen Heinis kann ich nicht entfliehen, weil die auch überall in der Straßenbahn sind …
Mein Bier ist endlich leer, das schmeckt mir bei solchem Generve nicht. Und die Bahnen für den Anschluß stehen schon da. Nur die Blase drückt. Ehe ich dann in der Bahn oder im Bus panisch aussteige, geh ich gleich um die Ecke pissen.
Ja, das ist in der Nähe des Marktes, ja, das ist draußen und ja, es ist unanständig und eigentlich auch verboten – aber Toiletten in dieser Stadt sind nun mal nachts geschlossen.
Na – in zwanzig Minuten ist wieder Anschluß. Aber es ist schon seltsam, daß mich die paar Schritte hinter die Bank so keuchen lassen.
Ab nach Hause. Hab ja fast vier Stunden hier rumgesessen. Und im Bus muß ich meinem Lieblingsbusfahrer noch ein wenig vorspielen, daß es mir einigermaßen gut geht. Aber er läßt mich an der Ecke raus und erspart mir fast hundert Meter Fußweg.
Ich muß ja schonwieder aufs Klo. Im Briefkasten ist Werbung und Werbung und Werbung, einiges davon kann gleich in die Altpapierkiste. Was soll ich ständig mit dieser Möbelhaus- und Autohauswerbung!
Es wird dringend, ich muß aufs Klo. Am Fahrstuhl brennt die “Besetzt”-Lampe, aber es ist nichts zu hören. Ich beginne, auf der Stelle zu trampeln, und trete wütend gegen die Fahrstuhltür. Wenn der jetzt nicht kommt, geh‘ ich raus in den Busch.
Klar, das hörte sich nach dritter Etage an, die Jugendlichen nutzen den Fahrstuhl ab und zu mal für’n Schäferstündchen. Aber doch nicht, wenn ich heim will – ich gerate ins Schwitzen, schaffe es aber noch rechtzeitig …
Raus aus den Klamotten. Ein paar Minuten mit meinem Vogel quatschen, er ist der erste, der mir heute wirklich zuhört.
Gibt es was im Fernsehen? Nicht wirklich, also setz‘ ich mich an den Rechner. Mal sehen, was alles so passiert ist. Neue Blogs lesen, Status aktualisieren.
Eine Internet-Bekanntschaft ruft an, muß mal ihren Frust loswerden. Zuhören kann ich ja, und es kommt heute auch nichts wirklich an mich heran. Ich bin unkonzentriert, kann mich und will mich auch nicht konzentrieren.
Es ist schon schwer genug, den ganzen Tag zu atmen. Davon möcht‘ ich mal zwei Wochen Urlaub haben.
Irgendwie schaffe ich es, nebenbei was zu essen. Was es war? Das kann ich zwar hinterher anhand der vorhandenen Vorräte sagen, aber ich erinnere mich nicht an den Vorgang.
Bilder wollte ich noch bearbeiten. Aber ich bin einfach viel zu fertig. Ich leg‘ mich auf meine Couch und lese …
Beim Lesen bin ich wohl eingeschlafen. Es ist mitten in der Nacht, mein Vogel macht Krach. Ist ja gut – ich decke seinen Käfig zu (das ist ein Ritual, das ich von Anfang an mit ihm pflege, dann weiß er, daß Ruhe ist).
Irgendwann schlaf‘ ich wieder. Bis ich irgendwann morgens wieder wachwerde.
Kopf ist leer. Was ich mir vornehme, bleibt unerledigt. Zuhausesitzen. Es fühlt sich falsch an.
Ständig zu atmen ist so anstrengend.
Was passiert da grad bei Myspace? Ach – ich tu mal so, als sei ich witzig oder als hätte ich tatsächlich etwas beizutragen. Nicht, daß es noch jemandem auffällt, wie beschissen es mir geht. Das muß keiner wissen. Kann mir ja sowieso keiner helfen. Hat ja niemand eine Lampe, die gegen die Finsternis in meinem Kopf hilft.
Heute müßte zumindest «Myspace» durch «facebook» ersetzt werden. Aber keine Sorge, heute geht es mir nur noch in sehr seltenen Ausnahmefällen so.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 3. Februar 2012 waren die erledigten Kleinreparaturen in der Wohnung (da hatte sich einiges angesammelt).
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es ist viel anstrengender immer seine gedanken wegzuschieben sie nie auszusprechen um das zu tun was andere von mir erwarten, immer gut drauf sein. als atmen, das fällt mir leider zu leicht ;( liebe grüsse aus köln die steff
Emil, das wirkt alles sehr bedrückend auf mich,
es freut mich aber, wenn du heute besser dran und drauf bist.
Glücklicherweise bleibt im Leben nichts wie es ist.
Alles Liebe und ein scshönes Wochenende
SK
Wenns wahr ist (war) wäre das echt schliumm…
LG, Petra
Es war so. Damals kam mir das zwar sehr mühsam, aber „normal“ vor …
Glücklicherweise ist diese Zeit vorbei.
Das war aber wirklich eine schwarze Zeit für Dich!
Ja, hm, ja. Möchte irgendwas dazu sagen, weiß aber nicht, was genau.
Aufschreiben damals war jedenfalls gut.
Lieber Emil,
Ich weiß das es dir damals wirklich richtig schei..e ging. Oft genug hab ich es ja auch mit bekommen.
ABER ich bin so froh, dass es dir jetzt deutlich besser geht. Vor allem das du deine Liebste gefunden hast.
Ich wünsche euch beiden (drein) alles Glück dieser Welt.
Lieber Drücker und danke das du mein/e allerallerallerbeste/r Freund/in bist 😉
Und täglich grüßt das Murmeltier, nicht wahr?
Gut, dass Du das Hamsterrad hast anhalten können!!
Liebe Grüße,
Elvira
„Glücklicherweise ist diese Zeit vorbei.“ Wie gut, dass es Dir heute besser geht! – Es war schon ein wenig deprimierend, den Text früh am Morgen zu lesen, doch warum hab ich auch so früh den Computer angemacht? – Ich finde ja, unschöne Gedanken und Nachrichten sollten so allenfalls gegen Mittag gedacht, gehört, gelesen oder gesehen werden. Am Morgen können sie einem den ganzen Tag vergraulen und am Abend die ganze Nacht,
Ich freue mich sehr für Dich, dass dies alles der Vergangenheit angehört. Es muss ja wirklich eine ganz schlimme Zeit gewesen sen.
Auch ich hatte mal vor vielen Jahren eine „dunkle Zeit“. Mithilfe von Pillen und Therapien bin ich sie losgeworden. Aber es dauerte.
Auch heute gibt es noch hie und da Tage, wo mir so manches von Deinem geschriebenen bekannt vor kommt. Gott sei Dank ist das meist nur „phasenweise“. Aber ich muss dann immer verdammt aufpassen, damit ich nicht wieder in „so ein Loch“ ganz hineinfalle.
Wünsche Dir weiterhin alles Gute.
lg Gabi