Oder: Warum ich am Wochenende keinen Blogtext schrieb.
Am Freitag fuhr ich noch am Vormittag los, um auf einem weiteren „Mittelalter”-Markt das Publikum zu unterhalten und meinen Bildungsauftrag zu erfüllen. Ich mag es, wenn ich genug Zeit zum Aufbauen und Einrichten habe, all das in aller Ruhe erledigen kann. Danach ist es mir auch recht, eine längere Pause zu haben. Am Abend vor dem Markt sitzen die Händler und Handwerker und Wirte und Künstler beieinander, in sich immer wieder verändernden Gruppen und Grüppchen. Es wird geschwatzt, gegessen und getrunken, philosophiert und gesponnen. Die Marktleute bringen sich gegenseitig über die Lustlosigkeit hinweg in die rechte Stimmung. Der Tag endet früh, ich seh noch eine Folge einer Serie auf dem Tablet, dann ist der Sandmann erfolgreich.
Die Nacht zum Sonnabend war kalt, außerhalb meiner Penntüte sogar saukalt. Und bis zum Klo waren es um halb Zwei 120 eilig geschlichene Schritte. Als ich dann endgültig aufstehe, habe ich etwa zehn Stunden geschlafen. Es scheint die Sonne durch Wolkenlücken hindurch. Aber: Nach Marktöffnug beginnt es bald zu regnen, mal mehr, mal weniger, doch so richtig trockene Zeiten gibt es tagsüber nicht. Dennoch ergeben sich gute Gespräche mit Besuchern. Und an einen kann ich mich erinnern, als er mir seine Visitenkarte gibt – wir sahen uns vor Jahren (und sprachen auch miteinander) bei einem Konzert und bei einer Filmproduktion. Tja, die Welt ist klein! Am Abend bin ich erst um Zehn und nach einer besonderen Begegnung müde genug für den Schlaf.
Wer knapp 50 m entfernt von einer funktionierenden Sirene nächtigt, in einem Zelt noch dazu, wird beim ziemlich genau um 3 Uhr ausgelösten Feueralarm sehr schnell sehr wach. Auch die knapp zehn Minuten später vorbeifahrenden Feuerwehrautos mit Martinshorn sind nicht zu überhören. Nach der Beruhigung des Pulses konnte ich weiterschlafen und kam wieder auf etwas mehr als zehn Stunden Schlaf bei Temperaturen um die 0 °C. Auch am Sonntag fand ich Kaffee bei einem anderen Handwerker (und später wie üblich mit der kleinen Thermoskanne an der Taverne), einen zu kraulenden Kuschelhund (von etwas mehr als 100 kg) und schließlich auch ausreichend Motivation für den Tag. Sonntag Judika nämlich. Trocken, sonnig, ab und zu auffrischender Wind. Wieder viel interessiertes Publikum. Aber auch unter Marktleuten wurde noch viel gescherzt und besprochen.
Das Wochenende war gut und voll. An beiden Markttagen ohne Zeit für das Fediverse oder den Blog. Schließlich wurde alles, das für die Besucher nicht sichtbar ist, am Sonntagnachmittag schon zusammengepackt. Zwanzig Minuten vor Schließung begann auch das allgemeine Wegräumen in allen Zelten, an allen Ständen. Und mit dem Abbau war ich schnell: Nach einer Stunde war alles im Fliewatüüt; vor mir lagen nur noch zwei Stunden Heimfahrt.
Ja, sicher habe ich die interessantesten Begebenheiten hier nicht aufgeführt, und es gibt gute Gründe dafür. Den gestrigen späten Abend und den heutigen Tag habe ich auch dazu genutzt, wieder im Hier und Heute anzukommen (die Montagsroutine half mir sehr dabei, weil sie eben heute nicht nur Routine war). Und in zwei Wochen bin ich wieder unterwegs …
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

