Wünsche, Bedürfnisse, Bedürftigkeiten – ich will sie kennen.
Und zwischen ihnen unterscheiden können.
Wachwerden. Den eigenen Bedürfnissen nachspüren, vor allem denen, die nicht so ganz nach meinem Wunsch erfüllt werden können. Sie sind ja seit vielen Jahren schon etwas, das mich beschäftigt. Ich weiß, daß ich bedürftig bin, auf ganz unterschiedlichen Gebieten; und ich weiß auch, daß ich mich im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten jetzt darum kümmere, diese Bedürftigkeiten (und ja, damit auch Bedürfnisse) zu erfüllen.
Das zu erkennen war damals, 2011, in der Tagesklinik ganz wichtig für mich: Ich verleugnete die nämlich jahrelang und war der festen Überzeugung, nichts von alledem, nach dem ich lechzte, stehe mir zu. Ja, so dachte ich damals, ich postulierte sogar eine Freiheit von Bedürfnissen für mich. Mit der Zeit lernte ich, daß ich mir auf diese Art viel zu viel verwehrte von dem, das zum Leben notwendig ist, einfach nur zum Leben dazugehört. (Nein, ich meine nicht nur Sex. Menschen haben emotionale, psychische Bedürfnisse; werden die nicht erfüllt, bleiben hindernde Bedürftigkeiten.)
So halte ich es bis heute für eine gute Idee, immer wieder über meine Bedürfnisse zu sinnieren, meinen Bedürftigkeiten Raum zu geben. Manchmal ist es nicht einfach, etwas davon zu benennen; doch ich muß es benennen können, darum wissen und nicht nur davon ahnen, um mich kümmern zu können, um auch einmal einzufordern (ja, das ist legitim, allerdings macht der Ton die Musik dabei). Ich habe da auch Wünsche, die weder einem Bedürfnis noch einer Bedürftigkeit zugehören, auch mit denen muß ich mich beschäftigen. Vor allem aber muß ich die Wünsche als Wünsche erkennen und dann mit ihnen umgehen …
Tatsächlich benötige ich die Zeit, in der ich solche „Probleme” wälze, wieder und wieder. Für mich ist es eine Art Abgleich meiner Träume und Phantasien mit der Realität, mit meiner Lebenswirklichkeit. Lange genug habe ich das vernachlässigt, abgelehnt. Wie wichtig es für mich, für mein Wohlbefinden ist, über all das zu wissen, mit diesem Bewußtsein der Wünsche, Bedürfnisse und Bedürftigkeiten umgehen zu können, lernte ich nach und nach.
Ihr meint, daß das doch eine sehr einfache Übung ist? Nun, dann versucht, euch Listen für alle drei Kategorien aufzuschreiben und alles wirklich korrekt einzuordnen. Viel Vergnügen wünsch' ich euch dabei …
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil Gute Anregung. Das probiere ich aus.
Danke.
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@sofasophia@fairmove.net Du meinst die Listen? (Die ersten fielen mir verdammt schwer; heut geht es.)
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Ja. Ich meinte das hier:
über meine Bedürfnisse zu sinnieren,
meinen Bedürftigkeiten Raum zu geben.
sie zu benennen;
nicht nur ahnen, um mich kümmern zu können,
um auch einmal einzufordern …
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Dafür wünsche ich DIr gutes Gelingen!
Ich finde und fand das noch nie einfach, aber ich übe dies schon viele Jahre, es ist leichter geworden, nicht einfacher.
Ja, leichter kann ich die Entscheidungen treffen – aber einfacher wurden sie nicht …
Wichtig, sowas immer wieder auszusprechen. Schön! Danke!
@Ulli: Leichter, nicht einfacher. Guter Satz, sehr gut sogar.