114–2024: Ebenso

Ich blätterte in einem der (sehr alten) Notizbüchlein, …

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… in dem ich im jugendlichen Alter immer wieder Sätze notierte, die mir wichtig erschienen. Um einen Impuls zu finden für meinen heutigen Text hier. Wieder fiel mir auf: Unbedarft, wie ich damals war, notierte ich mir nur die Namen derer, bei denen ich sie abgeschrieben hatte. Korrektes Zitieren mit ordenlicher Quellenangabe lernte ich erst später im Studium. Und selbst danach war ich damit nicht konsequent.

Ich wurde fündig:

 

 

Beim ersten Hinsehen siehts widersinnig aus, und doch ists so: Je älter ich werde, desto gewisser wirds mir: Man muß warten können.

Erwin Strittmatter

 

 

Also diesen Satz (Besonderheit: zweimal Doppelpunkt darinnen, etwas, das ich immer zu vermeiden versuche) schrieb ich mir ab, lange bevor ich 20 Jahre alt wurde. Vielleicht in der zehnten oder elften Klasse, vielleicht am Anfang der zwölften, ganz sicher aber vor 1982. Heute wunderte ich mich über mein jugendliches Ich: Wieso war ein Satz über das Älterwerden und seine Begelitumstände damals wichtig für mich, so wichtig, gewichtig, daß ich ihn abschrieb? Ja, heute bemerkte ich, weiß ich, daß es mir ebenso geht wie dem Strittmatter, Erwin: Es erscheint mir wider­sinnig, weil ich ja immer weniger übrigbleibende Zeit habe, immer öfter und auch länger – das, nehme ich an, postuliere ich einfach, wars, was er bemerkte – auf irgend­etwas oder -jemanden warten zu müssen. Genau das nehme ich wahr, bei kleinen und klein­sten Anlässen (warten auf den Moment, da ich es schaffe, aufzustehen von einem Sitzplatz) bis hin zu großen und wichtigen Ereignissen (Beispiele dafür denkt euch bitte selbst aus).

Aber, und das fragte ich mich heute auch: Muß ich wirklich länger warten oder habe ich angesichts der schwindenden verfügbaren Zeitspanne eigenen Lebens einfach nur weniger Langmut und Geduld? Unbestreitbar gilt, was Erwin Stritt­matter schrieb: Man muß warten können.

(Etwas aus meinem heutigen Denkicht am Schreibplatz.)

Nach einigem Suchen im Internet (nicht nur im WWW) bin ich der Meinung, daß ich das Zitat in dem 1981 im Aufbau Verlag Berlin und Weimar erschienenen Buch „Selbstermunterungen” gelesen haben muß (also in der elften oder am Anfang der zwölften Klasse). Allein: Eine genaue Quellenangabe kann ich dennoch noch immer nicht machen.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zehn gelesene Bücher brachte ich in einen Öffentlichen Bücherschrank: vier postkartengroße Kinderbücher aus der Reihe „DIE KLEINEN TROMPETERBÜCHER” und sechs aus dem Shadow­run-Universum.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 23. April 2024 mit den gemachten und notierten Gedanken, mit dem Nicht-Ausflug (der wird noch geschehen), mit Bratwurst und Sauerkraut und Brot am Abend.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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12 Kommentare zu 114–2024: Ebenso

  1. Wolfgang sagt:

    Bratwurst, Sauerkraut und Brot klingt so richtig einfach lecker.

  2. Elvira sagt:

    Man muss warten können! Das sagt sich so einfach. Ungeduldiges Warten verbinde ich eher mit den jungen Jahren: Wann werde ich endlich 13 (ich weiß nicht mehr, warum mir dieses Alter als Kind so erstrebenswert erschien), wann darf ich endlich eine Hose tragen, wann ist endlich die Schule aus, die Lehre beendet, wann treffe ich den richtigen Mann. Es waren viele Wanns, an die ich mich erinnere. Jetzt ist diese Frage kaum noch von Bedeutung.

  3. Sonja sagt:

    Aus unserer Tageszeitung von heute zitiert, unter einem Foto: „Blick auf einen leerstehenden DDR-Wohnblock im
    Plattenbaugebiet Halle-Neustadt. Der Block gilt als Baudenkmal.“
    Habe sofort an dich denken müssen…

  4. Wolfgang Schiele sagt:

    Ein sehr schönes Zitat – wo ich doch Alters- und Ruhestandszitate sammle! Vielen Dank, auch ohne doppelten Doppelpunkt!
    Beste Grüße
    Wolfgang Schiele

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