Ich blätterte in einem der (sehr alten) Notizbüchlein, …
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… in dem ich im jugendlichen Alter immer wieder Sätze notierte, die mir wichtig erschienen. Um einen Impuls zu finden für meinen heutigen Text hier. Wieder fiel mir auf: Unbedarft, wie ich damals war, notierte ich mir nur die Namen derer, bei denen ich sie abgeschrieben hatte. Korrektes Zitieren mit ordenlicher Quellenangabe lernte ich erst später im Studium. Und selbst danach war ich damit nicht konsequent.
Ich wurde fündig:
Beim ersten Hinsehen siehts widersinnig aus, und doch ists so: Je älter ich werde, desto gewisser wirds mir: Man muß warten können.
Erwin Strittmatter
Also diesen Satz (Besonderheit: zweimal Doppelpunkt darinnen, etwas, das ich immer zu vermeiden versuche) schrieb ich mir ab, lange bevor ich 20 Jahre alt wurde. Vielleicht in der zehnten oder elften Klasse, vielleicht am Anfang der zwölften, ganz sicher aber vor 1982. Heute wunderte ich mich über mein jugendliches Ich: Wieso war ein Satz über das Älterwerden und seine Begelitumstände damals wichtig für mich, so wichtig, gewichtig, daß ich ihn abschrieb? Ja, heute bemerkte ich, weiß ich, daß es mir ebenso geht wie dem Strittmatter, Erwin: Es erscheint mir widersinnig, weil ich ja immer weniger übrigbleibende Zeit habe, immer öfter und auch länger – das, nehme ich an, postuliere ich einfach, wars, was er bemerkte – auf irgendetwas oder -jemanden warten zu müssen. Genau das nehme ich wahr, bei kleinen und kleinsten Anlässen (warten auf den Moment, da ich es schaffe, aufzustehen von einem Sitzplatz) bis hin zu großen und wichtigen Ereignissen (Beispiele dafür denkt euch bitte selbst aus).
Aber, und das fragte ich mich heute auch: Muß ich wirklich länger warten oder habe ich angesichts der schwindenden verfügbaren Zeitspanne eigenen Lebens einfach nur weniger Langmut und Geduld? Unbestreitbar gilt, was Erwin Strittmatter schrieb: Man muß warten können.
(Etwas aus meinem heutigen Denkicht am Schreibplatz.)
Nach einigem Suchen im Internet (nicht nur im WWW) bin ich der Meinung, daß ich das Zitat in dem 1981 im Aufbau Verlag Berlin und Weimar erschienenen Buch „Selbstermunterungen” gelesen haben muß (also in der elften oder am Anfang der zwölften Klasse). Allein: Eine genaue Quellenangabe kann ich dennoch noch immer nicht machen.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Zehn gelesene Bücher brachte ich in einen Öffentlichen Bücherschrank: vier postkartengroße Kinderbücher aus der Reihe „DIE KLEINEN TROMPETERBÜCHER” und sechs aus dem Shadowrun-Universum.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 23. April 2024 mit den gemachten und notierten Gedanken, mit dem Nicht-Ausflug (der wird noch geschehen), mit Bratwurst und Sauerkraut und Brot am Abend.
© 2024 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Bratwurst, Sauerkraut und Brot klingt so richtig einfach lecker.
Noch leckerererer wäre es gewesen mit aufgewärmtem Sauerkraut vom Vortag … Hach.
Ja, das mag ich auch sehr!
Sauerkraut muss ich auch mal wieder essen. Aber heute hatte ich etwas ähnliches und zwar statt Sauerkraut angebratene Zucchinischeiben mit Knoblauch, war auch nicht schlecht mit den zwei Bratwürsten und den zwei Scheiben Brot.
Man muss warten können! Das sagt sich so einfach. Ungeduldiges Warten verbinde ich eher mit den jungen Jahren: Wann werde ich endlich 13 (ich weiß nicht mehr, warum mir dieses Alter als Kind so erstrebenswert erschien), wann darf ich endlich eine Hose tragen, wann ist endlich die Schule aus, die Lehre beendet, wann treffe ich den richtigen Mann. Es waren viele Wanns, an die ich mich erinnere. Jetzt ist diese Frage kaum noch von Bedeutung.
Ich glaube, das einzige, worauf ich ungeduldig wartete, war meine Schwalbe (mein erstes Moped). Kann sein, daß das am DDR-Feeling lag, wo alles ziemlich sicher planbar war …
Ich bin auch eine „Schwalbe“ gefahren und sie musste unbedingt grün sein!!!
Also ich warte noch, dass ich endlich in Pension gehen kann.
Aus unserer Tageszeitung von heute zitiert, unter einem Foto: „Blick auf einen leerstehenden DDR-Wohnblock im
Plattenbaugebiet Halle-Neustadt. Der Block gilt als Baudenkmal.“
Habe sofort an dich denken müssen…
Das klingt nach dem Plasteblock 😉 oder einem An der Magistrale …
Das habe ich auch gesehen.
Ein sehr schönes Zitat – wo ich doch Alters- und Ruhestandszitate sammle! Vielen Dank, auch ohne doppelten Doppelpunkt!
Beste Grüße
Wolfgang Schiele