2023/133 – Angekommen


Ich war die Vorhut ohne Vorhemd.

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Vorhut. Beinahe verschwunden aus dem Sprachgebrauch, nicht wahr? Dabei gib es das Wort erst seit dem 18. Jahrhundert als deutsches Wort.

Hier im Kloster Veßra ist es jetzt ziemlich still. Manchmal war und bin ich eben jene Vorhut (wie heute; und nein, da ist kein a in dem Wort), der Voraus­geschickte, auch wenn ich mich nur selbst vorausschicke. Bin als erster zum Ziel aufgebrochen, als erster da. Dann kümmere ich mich um dies, das und jenes: genauen Standort oder Platz, logistische Gegebenheiten (wo gibt es Wasser/Kaffee, wo bekäme man Strom, wo ist der Parkplatz usw.), selten auch um Schlüssel u. ä. Das Wort Vorhut als deutsche Version des französischen avant-garde hat sich schnell aus seinem rein militärischen Gebrauch heraus ausgedehnt auf zivile Gegebenheiten, wo Vorausgehende/Vorausgeschickte dann als Vorhut bezeichnet wurden oder als Vortrupp oder auch als Vorauskommando.

Und dann ist ja auch noch die Hut im Wort Vorhut enthalten. Ich bin mir sicher, daß heutzutage sehr viele versucht wären, das sofort zu „der Hut” zu korrigieren. Dennoch ist die Hut völlig richtig, das ist nämlich das, was beim hüten … Ach nein, andersrum: Während der Hut (neudeutsch: während des Hütens), während jemand auf der Hut ist, hütet diejenige, beschützt also – manchmal auch sich selbst, weil dann eben besondere Vorsicht walten gelassen wird. Die korrekte Mehrzahlform zu dieser Hut ist auch nicht „die Hüte”, sondern die Huten.

Mittlerweile beschäftige ich mich tatsächlich mehr als früher mit Wörtern, die kaum noch gebräuchlich sind. Das kommt auch daher, daß ich beim Transkribieren häufiger auf solche stoße. Erst vor etwa zwei Wochen hatte ich die beiden Formen Allmende und Allmend vor Augen (Allmende ist mir hinlänglich bekannt, aber die schweizerische Form Allmend hielt ich zuerst für einen Schreibfehler). Die gibt es heute noch, die Allmende, wirklich. Nur wird das nicht mehr so benannt, heute heißt es (nicht ganz korrekt) Gemeingut oder Allgemeingut. Weithin bekannter dürfte der entsprechende englische Begriff sein: commons. Allmende ist, was alle (auch aus einer bestimmten Gemein­schaft) nutzen dürfen und was der Allgemeinheit (früher zum Beispiel einer Dorfgemeinschaft) gehört.

So schön solche alten Wörter auch sind, so unpraktisch wären sie doch, wenn ich sie heute im täglichen Leben benutzen würde. Ich stelle mir gerade vor, wie ich im einschlägigen Fachgeschäft einen Paraplü kaufen wollen würde oder etwas, das es nicht mehr gibt: ein Chemisett. Was das ist, wißt oder findet ihr selbst, nicht wahr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 13. Mai 2023 war ich zufrieden mit der Anfahrt in aller Ruhe, mit der Zeit zum Nachdenken, mit den Begegnungen mit überauf freundlichen Menschen vor Ort.

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Über Der Emil

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Ein Kommentar zu 2023/133 – Angekommen

  1. Johannes sagt:

    @deremil sehr gut

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