Im Biergarten wollte ich schreiben.
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Am Peißnitzhaus im Biergarten hatte ich mich niedergelassen, Kladde und Stift hervorgeholt und wollte schreiben. Dann, ganz plötzlich, setzte sich “die Vergangenheit” zu mir. Ein Bekannter, den ich 2011 kennenlernte und seither nicht oft sah, mit einer Freundin. Aus dem Schreiben wurde nichts, jedenfalls nicht in dieser Situation. Es entspann sich, was Smalltalk genannt wird, aber mit tiefgehenden Sätzen. Und während wir zu dritt plauderten, gönnte ich mir sogar ein zweites Hefeweizen. Es ist wirklich nicht das bevorzugte Bier, nein, ich bin eher jemand, der Granat oder gar Dunkles Bier trinkt, oder Pils und Export aus Brauereien von hier (und das “hier” ist das Gebiet, auf dem die DDR einst existierte). Aber im Biergarten? Tatsächlich, im Biergarten sollte es Hefeweizen sein, am liebsten dunkles Hefeweizen oder wenigstens naturtrübes. Draußen an der frischen Luft, in den oft rustikalen Atmosphären der Biergärten, da mag ich den leicht säuerlichen, hefigen Geschmack am liebsten.
Ich freute mich echt, ihn und sie zu sehen und ein paar augenzwinkernde Sätze in die Plauderein einfließen lassen zu dürfen. Es kamen auch einige solcher Sätze zurück; und wer damit angefangen hat, das weiß ich nicht mehr zu sagen. Mehr als die zwei Hefe aber wollte ich nicht trinken, deshalb … Nein, ich drängte nicht zum Aufbruch, aber als ich bezahlt und ausgetrunken hatte, verließen wir den Biergarten zu dritt. Bald darauf trennten sich auch unsere Wege.
Ein paar Motive sprangen mir noch ins Auge, ich machte mehrere Aufnahmen von der Peißnitzbrücke. Noch bin ich mir nicht sicher, welche davon wirklich gelungen sind, ich arbeite noch an ihnen, d. h. ich sichte und sortiere noch. Ja, ich habe natürlich schon einen Favoriten. Allerdings fühle ich mich heute nicht in der Lage, eine passende Bildbeschreibung zu erstellen. Und die, die bekommen meine Bilder i. d. R. alle, seit ich wieder mehr Kontakt mir Menschen habe, deren Sehkraft stark eingeschränkt oder nicht vorhanden ist. Sobald ich ein Bild ausgesucht und es vernünftig beschrieben habe, werde ich es auch hier zeigen. Ach, und die Fontäne war auch wieder dabei und ein Bauwerk in Landschaft und einiges mehr. Im Licht der Abendsonne sah die Lehmannsche Villa, die als prunkvollste Villa des Historismus hier in der Stadt gilt, fast wie ein Toskanischer Herrschaftssitz aus.
Ja, Halle (Saale) ist eine Stadt, die viel Schönheit zu bieten hat. Allerdings wird sie zunehmend mit Betonschuhschachteln verbaut, eckig und grau und mit Fenstern in unmöglichen Formaten an den unmöglichsten Stellen. Ja, es gibt auch – noch immer! – Morbides, Einsturzbedrohtes; doch vieles davon hat auch noch große Schönheit an sich. Ich sehe wieder genauer hin, merke ich, viel genauer als in den letzten vier oder fünf Jahren …
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 12.05.2019 waren positiv der Biergartenbesuch mit Plauderei und Hefeweizen, die offenen Augen für tolle Bilder, vier Stunden Draußensein.
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Du klingst wieder ausbalancierter als auch schon. (Hoffentlich ist es so.)
Ja. Irgendwie schon.
Diese Brücke hat es mir auch angetan.
Halle hat sehr schöne Ecken. Die Peißnitzinsel ist ein Kleinod.
(Dein Kommentar war im Spam verschollen …)
Vor allem im Gegenlicht gibt es immer prächtige Silhouettenmomente …