Die Entdeckung meiner Langsamkeit (Nº 100)

Schrecken und Belohnung – beides notwendig

To get a Google translation use this link.

 

Als ich gestern meinen Text vor mir sah, den mit den Ärgernissen, und als ich dann nochmal in mich hineinhorchte auf dem Weg vom Sender heimwärts zur Mittagszeit, stellte ich etwas Erschreckendes fest.

Ich gehe wieder sehr langsam, viel zu langsam für mein gesundes Gefühl, bin ganz schnell außer Atem. Die kleinste Anstrengung kostet mich letzte Kraftreserven. Emotional bin ich sehr dünnhäutig geworden: alles Unangenehme, alles Negative, alle Aufreger treffen mich schwer – auch, wenn ich garnicht persönlich betroffen bin. Freude? Für mich selbst? Hab ich doch nicht verdient.

Und da steht es wieder vor mir. Es, das Gespenst. Sie, die Losigkeit, deren Namen ich kaum noch nennen mag. Ganz langsam bin ich wieder in ihre Arme gekrochen. Ich muß zusehen, daß sie mich nicht in ihre Arme schließt.

Und so habe ich gestern außerplanmäßig und einfach so nur auf meine Gelüste gehört. Resultat:

Hackepeter

Manchmal muß es einfach das sein, worauf der Appetit am größten ist.

Ja, frischer Hackepeter. Mit Zwiebeln, frischem Bäckerbrot, Gewürzgurke. Und ein Bier gab's dazu.

Hab ich wieder zu wenig mir gegönnt, zu selten einfach nach dem Lustprinzip gelebt und viel zu oft “vernünftige” Entscheidungen getroffen … Ach, die bekannte Falle.

Allerdings scheint mir gerade zur rechten Zeit aufgefallen zu sein, daß etwas falschläuft. Und es stimmt, der Spaß war mir gerade wieder verlorengegangen an vielem, es gab nur noch Pflichten (auch das hier!) zu erfüllen.

Vielleicht war das doch eine Nebenwirkung des Winters? Glaub ich nicht, glaub ich echt nicht. Weil ich ja den Winter und die Kälte und den Schnee und die Dämmerung mag, wirklich mag. Ich habe vielleicht zu sehr dafür gesorgt, daß ich keine Langeweile habe …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 9. April 2013 waren die fertige “La Voix du Burkina Faso” (die ich als Techniker betreue und schneide, obwohl ich KEIN Französisch kann) und der Hauch der Selbsterkenntnis.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

100 / 365 (WP-count: 366 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter Erlebtes, Gedachtes, One Post a Day, postaday2013 #oneaday abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Die Entdeckung meiner Langsamkeit (Nº 100)

  1. Gudrun sagt:

    Oh, so leicht konnte sie dich nicht umgarnen. Nicht mehr! Du hast es gemerkt.

  2. Anna-Lena sagt:

    Ich wünsche dir ein starkes Gegengewicht, dass die unsichtbare Mauer aufhält.

    LG Anna-Lena

  3. Amelie sagt:

    Hab ich wieder zu wenig mir gegönnt, zu selten einfach nach dem Lustprinzip gelebt und viel zu oft “vernünftige” Entscheidungen getroffen Es gab nur noch Pflichten zu erfüllen. Ich habe vielleicht zu sehr dafür gesorgt, daß ich keine Langeweile habe …

    Alles Sequenzen aus Deinem Text, in denen ich mich wiederfinde. Diese Unruhe in mir, sie macht mich krank.

    Aber was anderes. Heute ist Tag 100 des Jahres 2013. Ich werde heute Abend die ersten hundert Tage durchgehalten haben bei meinem Amelie-Foto-Blog 🙂

    Einen lieben Gruß nach Halle an der Saale
    Amelie

    • Der Emil sagt:

      Zunächst mal Glückwunsch zur 100 – ja, zu so einem Anlaß kann mensch schonmal grillen.

      Ich weiß nicht – ich HOFFE, daß Du nicht unter einer echten, tiefen Depression leidest, von der ich meine Symptome nenne.

      • Amelie sagt:

        Das Angrillen war perfekt! ;o)
        Und zum Rest … keine Ahnung … die Hoffnung stirbt zuletzt (ein doofer Spruch, aber ich weiß grad nix anderes). Ich übe weitere drei Wochen das Entschleunigen, das Mir etwas Gutes tun. Frühestens ab 29. April geht es wieder in die Tretmühle.
        Amelie

  4. Frau Blau sagt:

    die Depression hat etwas hinterhältiges, sie schleicht sich von hinten heran und zack … aber nur wenn wir nicht achtsam sind und genau das aber müssen wir sein! gut gemacht, lieber Emil!

    aber mir gehen auch noch andere Gedanken durch den Kopf: wer sagt denn, dass du wirklich jeden Tag einen Artikel einstellen musst? In den Zeiten als du noch ohne Job warst, war das sicherlich ein ganz wichtiger Anker, aber nun stehst du wieder mehr in der Realität und vielleicht gehört dann auch dazu, hier ein bisschen kürzer zu treten? vielleicht …

    mich hatte dieser Tunnel letzte Woche wieder im Griff, heulte und heulte und verstand die Welt nicht mehr, bis dann eine fiese Bronchitis ausbrach, seitdem sie raus ist, hat sich der Dämon wieder verkrochen- ich stelle immer wieder fest, dass mich die Depression (u.a.) gerne im Vorfeld von Erkrankung erwischt. Bitte, lieber Emil, pass gut auf dich auf, du hast es verdient!!!

    ganz herzliche Grüße
    Ulli

    • Der Emil sagt:

      Ich habe noch immer keinen Job, arbeite bei Corax „nur“ ehrenamtlich. Und ich sage mir, daß ich jeden Tag etwas schreiben möchte.

      Aber ich werde anders mit den Verpflichtungen umgehen, konnte das ja lange genug, habs nur wieder schleifen lassen …

  5. Himmelhoch sagt:

    Vielleicht, lieber Emil, solltest du in diesem Satz von dir „Ich habe vielleicht zu sehr dafür gesorgt, daß ich keine Langeweile habe“ Langeweile gegen Muße tauschen – dich nicht hetzen lassen von (selbstauferlegten) Pflichten wie das täglichem Bloggen und … mehr kann ich nicht sagen, denn vieles davon betrifft mich eben so.

    • Der Emil sagt:

      Jaja, die Muße habe ich vernachlässigt. Bin schonwieder viel zu weit in das Gleichgleichsofortschnell hineingestiegen und dringeblieben.

      Erstaunlich. Daß es einfach so geschehen konnte – wollte ich doch viel besser auf mich achten …

  6. Pingback: Nach der Pause (Nº 107) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert