Ich wurde genervt. Oder gebeten.
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Zu diesem Text gibt es einen ersten Teil und auch einen zweiten Teil.
Als erstes mußte ich meine Lesebrille suchen. Die war nämlich nicht da, wo sie hingehört: auf meiner Nase. Wo hatte ich sie nur gelassen? Am Tisch hatte ich sie nicht, da war ich mir ganz sicher (sonst wäre ich wahrscheinlich dort schon schwachgeworden).
Aber meine Brille war auch nicht auf dem Balkon, nicht in der Küche und nicht auf dem Bücherstapel, der meinen Nachtschrank zierte. Jedes Mal, wenn ich am Spiegel im Flur vorbeilief, blieb ich stehen und kontrollierte sicherheitshalber, daß ich sie wirklich nicht trug.
Bei meiner Suche wurde ich plötzlich vom Telefonklingeln gestört. Noch vor einer Begrüßung hörte ich ihn atemlos nach seinem Büchlein fragen. Es sei wie vom Erdboden verschlungen! Vielleicht hatte er es ja bei mir liegenlassen? Wenn dem so war, sollte ich mich doch bitte sofort! auf den Weg machen. Er wartete inzwischen auf mich am Markt.
Sein Redefluß war nicht zu stoppen, ich kam einfach nicht zu Wort. Hatte ich zu Beginn noch den festen Vorsatz, die Kladde sofort zurückzugeben, war ich nach zwei Minuten Zuhören so genervt, daß in mir nur noch ein Gedanke kreiste: “Strafe muß sein”.
So lief ich die nächste Viertelstunde, sorgfältig darauf achtend, laute Geräsche zu verursachen, mit dem Telefon am Ohr durch meine Wohnung. Ich klapperte mit Schranktüren, raschelte mit Papier, fluchte über den abgestürzten Stapel Illustrierte. Aber sein Notizbuch fand ich nicht.
Als er mich eindringlich fragte, ob ich denn auch im Bad nachgesehen hätte und im Kühlschrank – wie, bitteschön, sollte sein Notizbuch in meinen Kühlschrank kommen? – “suchte” ich auch dort. Er konnte alles mithören und beschwerte sich bei mir über meine unerträgliche Lautstärke, als ich laut aufjubelnd meine Lesebrille auf dem Kommödchen vor dem Spiegel im Flur entdeckte.
Nur sein Buch, sein Buch “fand” ich nicht, weil ich um meinen Schreibtisch einen großen, einen sehr großen Bogen machte während meiner Sucherei.
Ich wußte nicht, ob dann sein Kleingeld alle war oder er nur ebenfalls genervt aufgab: So unvermittelt, wie das Gespräch begann, brach die Verbindung auch ab. Ich legte mein Telefon in seine Ladestation zurück.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 21. November 2012 waren ein langes Telefonat, eine interessante Verhandlung und ein köstlicher Grusinischer Tee mit Russischer Kirschkonfitüre.
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Den Trick muss man sich merken 😉
Wie? Du kanntest den noch nicht? 😉
Hast du gut gemacht. Ich hätte es genauso gemacht. 🙂 Sofort und gleich geht schon mal gar nicht. Ich stehe doch nicht für andere parat. Wenn es ihm so wichtig war, hätte er doch selbst vorbei kommen können um es ab zu holen. LG Gabi
Irgendwie hat sich die Geschichte hier verselbständigt. Meinen Stichworten nach sollte es ganz anders weitergehen – aber während des Schreibens klingelte mein Telefon und irgendwer wollte mir irgendwas andrehen. Naja, so kam das Telephon in den Ablauf und die Angepißtheit in die Reaktionen …
Nicht wahr? Das ist das spannendste am Schreiben. Du hast eine Geschichte im Kopf, schreibst die ersten Worte und Sätze und dann kann es geschehen, dass die Geschichte zu leben beginnt und sich den ersten Gedanken widersetzt. Sie bekommt eine Eigendynamik, vielleicht durch eine äußere Störung (wie bei Deinem Telefonat) oder eine plötzlich neue Empfindung taucht aus den Tiefen des Schreibenden auf und die Finger fliegen nur so über die Tasten (oder der Stift über das Papier) als ob der Schreiber einem Diktat folgt.
Aber ich bin doch der, der’s schreibt!? Das muß doch nach meiner Nase gehen??? Da kann doch nicht einfach z. B. der Waldschrat Elim machen, was er will?
Zum Glück ist es nicht das allererste Mal so geschehen – es ist mir vorher nur nie so bewußt geworden 😉
Ich lach mich schlapp. Schön. Danke für das Lächeln. Und ja, solche Schreibtische kenn ich auch. Bei mir heißt das Ablage…
die Fortsetzung der liegengebliebenen Kladde lässt mich schmunzeln, sie gefällt mir ausserordentlich guuuut
liebgrüß
Phänomenal, Emil.
ich würde gerne mal mit dir zusammen eine Geschichte schreiben, oder wir schreiben mit mehreren eine Vorsetzungsgeschichte – wie wäre das? Bist du dabei?
Das wird vielleicht schwierig. Also für mich. Weil ich Angst habe, den Anforderungen nicht zu genügen, weil ich sowieso auf die alte Rechtschreibung bestehe, weil ich bisher nur Ideen geliefert oder aufgegriffen habe …
Du siehst, ich versuche mich zu drücken. Aber ich werde auch versuchen, Dir morgen – heute ist es zu vollgeplant – eine Mail zu schreiben. Denn es würde sicher eine interessante Erfahrung werden …
okay du feigling
das war mit augenzwinkern gemeint – tschuldigung
Genau so hatte ich es auch verstanden. 😉
Trotzdem möcht ich eine Nacht drüber schlafen.
ei, das war aber phöse tse tse … aber trotzdem … ich würde es wohl am nächsten morgen auf dem fußboden unter dem möbel beim fenster finden. das muss irgendwie runtergerutscht sein, als du deine brille gesucht hast. der arme, du hast ihm bestimmt eine schlaflose nacht beschert.
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also mit du ist natürlich der prota gemeint (der ich, wie wir das nennen).
tolle geschichte und ich hoffe, du schreibst weiter. ich würde dich auch als buch kaufen (deine texte meine ich). dein stil ist flüssig und kommt ohne viel schnörkel aus.
daumenhoch 🙂
Toll!***