023–2024: Samwersen

Die neueste Worterfindung: binoblich samwersen.

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Ich schreibe jeden Tag in meine Kladde, die etwas mehr, viel mehr sogar als nur mein Tagebuch ist. In ihr entstehen auch Texte, die ich später abtippe (oft noch am gleichen Tag) und in meinen Blogs veröffentliche. In ihr sammle ich Zitate, Aufgeschnapptes, Aufgefallenes – all das, was sich in Buchstaben und Worten wiedergeben läßt. Das ist nämlich mein Ding. Also: Worte sind mein Ding.

Ich erfinde ab und an auch neue Worte, bisher ungehörte, bisher unge­schrie­bene. Samwersen, binoblich samwersen zum Beispiel fiel mir grad jetzt beim Schreiben ein. Was das heißen soll? Woher soll ich das wissen? Ich hab nur die Worte erfunden und ihnen keinerlei Bedeutung mitgegeben. Möchte sie jemand mit Bedeutung füllen? Nur zu! Ich hab sie erfunden und freigelassen, wer es sich zutraut, darf sich an ihnen versuchen. Vielleicht findet irgend­je­mand vor ihrer Bedeutung die Übersetzung ins Walisische Gälisch oder ins Finnische oder ins Amharische. Nur zu! Es sieht ja irgendwie auch so aus, als sei samwersen die Zusammensetzung des Wortes wersen mit der Vorsilbe sam-, oder? Aber auch das weiß ich nicht. Und was ist wohl binoblich?

Ach, das wäre doch ein schöner Beruf: Worteerfinder. Eine Spezialisierung der Sprachgestalter, nicht der Sprachpanscher. Literaten und Autoren, die Schrift­stel­ler:innen also, das sind auch Sprachgestalter:innen: Sie gestalten mit der von ihnen verwendeten Sprache tatsächlich auch die Sprache selbst mit; und oft sind auch sie Worterfinder:innen, schaffen sie doch sehr häufig fiktive Orte und Personen. Die wiederum benutzen bisher unbekannte Gerätschaften und Körperteile, kennen uns bisher unbekannte Pflanzen und Tiere, die alle eine Bezeichnung benötigen.

Ihr dürft mir gern eure erfundenen Wörter in den Kommentaren mitteilen. Vielleicht wird eines davon einmal so populär wie damals beim blauen Vogel dieses eine auch als Hashtag umherirrende, nach dem ich heute den ganzen Tag suchte (und es doch nicht fand, weil ich mich nicht an die genaue Schreib­weise erinnern kann): Das war wirklich der erfolgreiche Versuch, etwas Sinn­loses trenden zu lassen. (Das Wort war übrigens #Gaköbsgingkel! Jawohl, ich hab es selbst gefunden!)

 

Erinnerung des Tages:
Weils heutzutage nicht mehr so ist: Früher wurden von November bis März die Kirchen­glocken im Dorf um 7 und 17 Uhr geläutet, den Rest des Jahres um 6 und 18 Uhr.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 23. Januar 2024 mit dem Einkauf beim Dorfbäcker, mit der Freude an der Phantasie anderer, mit der eigenen Phantasie.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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5 Kommentare zu 023–2024: Samwersen

  1. Verbalkanone sagt:

    Samwerden sind eindeutig seltsame Begebenheiten, die sich nicht logisch erklären lassen. Da schwingt das mystische Element mit …
    Ein Beispiel für eine Samwerde: Meine Oma mütterlicherseits erzählte mir vor zig Jahren mal eine Geschichte aus der Nachkriegszeit. Bitterarm wie die Familie direkt nach dem Krieg war, verdiente sich meine Oma mit dem Schneidern für wohlhabende Leute etwas dazu. Dazu muss man wissen: Meine Oma war eine begnadete Schneiderin. Im strömenden nasskalten Regen nach einer Maßabnahme bei einem Kunden war sie auf dem Nachhause weg und wusste nicht, was den drei hungrigen Töchtern (Die älteste davon war meine Mutter.) vorsetzen sollte. „Wenn ich doch bloß zwei Mark fünfzig hätte“, dachte sie verzweifelt, als es vor ihr auf dem Boden des aufgeweichten Sandwegs blinkte. Neugierig trat meine Oma näher und da lagen doch tatsächlich zwei ein Mark Stücke sowie ein fünfzig Pfennigstück auf dem nassen Boden. Meine Oma klaubte die Münzen auf und kaufte etwas zu Essen für ihre Töchter und sich ein. An diesen Abend wurde alle satt.
    Ob diese Geschichte stimmt, oder bloß der Phantasie meiner Oma entsprungen ist, weiß ich nicht. Letztendlich ist das auch egal. DAS ist eine klassische Samwerde. 🙂

  2. Flusskiesel sagt:

    Ich mag auch gerne Wörter erfinden. Z.B. Gwarst
    ,,Das ist einen ganzen Gwarst entfern!“
    oder
    ,,Da hat er ihm ordentlich den Gewarst gespelzt!“
    oder
    ,,Mein Liebchen! Mir wird ganz gwarst!“

  3. Sonja sagt:

    Da denke ich an die für andere unverständliche Sprache, die Zwillinge miteinander haben! Da sind sicher auch wundersame Worte dabei!
    Gruß von Sonja

  4. Meinen ersten PC nannte ich „Eubicia“, für mich bedeutete das: „Schön mit uns beiden.“ Ich glaube, dass ich da auch Bedeutungen nachgeschlagen hatte…
    Grüße von Gerel

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