Nº 203 (2022) – Visionär

Zumindest zum Teil schreibe ich heute über zukünftig schon Geschehenes.

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Jetzt, da ihr das hier lesen könnt, kurz nach der Tagesschauzeit, bin ich noch immer in der Stadt unterwegs. Denn jetzt sind die Temperaturen erträglicher. Ich wandere ziellos durch die Straßen und Gassen, bleibe hier und da auf Plätzen stehen oder sitzen. Vielleicht traf oder treffe ich das eine oder andere Leut für ein Schwätzchen, eine kurze Plauderei. Vielleicht ergibt oder ergab sich auch ein tiefsinnigeres Gespräch – das kann ich aber jetzt noch nicht wissen.

Vor Zeiten saßen wir, ein gutes Dutzend von Außenseitern, Punks, schwarzes Gemüse und ähnliches, fast täglich stundenlang philosophierend, schweigend und scherzend zusammen, tranken auch das eine oder andere Bier miteinan­der. Irgendwann gingen viele in andere Städte und Gegenden, man verlor sich aus den Augen. Ach, als ich letztens jemand traf von denen: Gut, daß ich erkannt wurde, denn ich hätte die Person nicht mit dem Bild zusammenge­bracht, das in meinen Erinnerungen von ihr existierte. Ich habe mich also wesentlich weniger verändert als viele der Bekannten von damals. (Nur mein Bart ist deutlich aufgehellt mittlerweile.)

Auch heute halte ich an diversen Brunnen an, die es in der Stadt gibt. In deren unmittelbarer Nähe ist das Mikroklima immer wesentlich besser als z. B. mitten auf dem mit Steinplatten zugepflasterten Markt. Was für ein Glück, daß es auch auf dem Markt einen Brunnen und einen Trinkbrunnen gibt. Dort treffen sich noch immer viele Menschen, mittlerweile mehr dort am Brunnen als am Versetzungs-Denkmal (Händel-Denkmal). Was aber wie so oft fehlt, das ist ein rund um die Uhr geöffnetes WC, das auch für mittellose Menschen zugänglich ist.

Nun, jetzt, da dieser Beitrag erscheint, sitze ich wohl auf dem Marktplatz oder auf dem Hallmarkt herum. Das Menschengeräusch sorgt dafür, daß ich das Denken fließen lassen kann, viel besser fließen lassen kann als in der Stille. Es schreibt sich besser im Gemurmel. Und das Draußensein, das tägliche Draußen­sein ist ja etwas, das zu meinen Zielen, zu meinen Gewohnheiten und Routinen gehört. Bei diesem Wetter eben etwas später als sonst, so daß ich den Beitrag hier am Nachmittag schrieb und seine Veröffentlichung für den üblichen Zeitpunkt automatisierte.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 23.07.2022 das Ausschlafen weit über die geplante Aufstehzeit hinaus, die mit einer neuen Kladde wiedergekehrte Lust auf schreiben darin, der lange und noch andauernde Weg durch die Stadt.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Vier der Münzen.

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Über Der Emil

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