Nº 114 (2022) – Vorletztes Wort

Sonntagslyrik ohne weiteren Text zu Bedenken gegeben.

To get a Google translation use this link.

 

 
Stammbuchverse IV
 

Die taube Stummheit hinter der Sprache,
Die man alltäglich spricht.
Das Schluchzen hinter der schrillen Lache.
Das nie entschlüsselte Gegengesicht:

Wenn man älter wird, hat man es nicht mehr eilig,
Über andern den Stab des Urteils zu brechen.
Jede Möglichkeit im Menschen ist heilig:
Das vorletzte Wort – mehr wolln wir nie sprechen.

 
Eva Stittmatter: Die eine Rose überwältigt alles. Gedichte. S. 75
3. Auflage 1979 © Aufbau Verlag Berlin und Weimar, DDR 1977
Lizenznr. 301. 120/50/79 · Bestellnr. 611 866 1

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 24.04.2022 den katholischen Fernsehgottesdienst zu Quasimodogeniti, das Training der Ritterschaft, die Zeit für Gedichte (auch für selbstgeschriebene Versuche).
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Neun der Schwerter.


Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2022, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Kommentare zu Nº 114 (2022) – Vorletztes Wort

  1. Sonja sagt:

    Nein, eilig hat man es dann nicht mehr. Wozu auch…
    Ein gutes Gedicht!
    Danke.
    Gruß von Sonja

  2. Gudrun sagt:

    „Jede Möglichkeit im Menschen ist heilig.“ Ja, so ist es oder so sollte es sein.
    Danke für das Gedicht.

    • Der Emil sagt:

      Ich glaube, die Strittmatters werden mich nie mehr loslassen. Ich finde immer wieder Sprachperlen bei beiden; heute war es eben dieses Gedicht mit den heiligen Möglichkeiten und dem vorletzten Wort.

      Ende Mai muß ich nach LE — und vorher ruf ich nochmal bei Dir an.

  3. Gerhard sagt:

    „Über andern den Stab des Urteils zu brechen.“

    Das bleibt nicht aus. Ich lese und höre soviel Unsinn..,
    Was nicht heisst, dass ich es ebenso treibe .

  4. Gerhard sagt:

    …Was nicht heisst, dass ich es nicht ebenso treibe .

  5. Mal andersrum:

    Mancher verbarg schon
    hinter dem laut dröhnenden Gelächter
    die verschluckten, die nassen,
    die Tränen. Zu täuschen die Wächter.

Antworte auf den Kommentar von Sonja Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert