Sonntagslyrik ohne weiteren Text zu Bedenken gegeben.
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Stammbuchverse IV
Die taube Stummheit hinter der Sprache,
Die man alltäglich spricht.
Das Schluchzen hinter der schrillen Lache.
Das nie entschlüsselte Gegengesicht:
Wenn man älter wird, hat man es nicht mehr eilig,
Über andern den Stab des Urteils zu brechen.
Jede Möglichkeit im Menschen ist heilig:
Das vorletzte Wort – mehr wolln wir nie sprechen.
Eva Stittmatter: Die eine Rose überwältigt alles. Gedichte. S. 75
3. Auflage 1979 © Aufbau Verlag Berlin und Weimar, DDR 1977
Lizenznr. 301. 120/50/79 · Bestellnr. 611 866 1
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 24.04.2022 den katholischen Fernsehgottesdienst zu Quasimodogeniti, das Training der Ritterschaft, die Zeit für Gedichte (auch für selbstgeschriebene Versuche).
Für morgen zog ich die Tageskarte Neun der Schwerter.


Nein, eilig hat man es dann nicht mehr. Wozu auch…
Ein gutes Gedicht!
Danke.
Gruß von Sonja
Irgendwie hab ich es schon ein paar Jahre nicht mehr eilig (außer, wenn ich aufs Klo muß) …
„Jede Möglichkeit im Menschen ist heilig.“ Ja, so ist es oder so sollte es sein.
Danke für das Gedicht.
Ich glaube, die Strittmatters werden mich nie mehr loslassen. Ich finde immer wieder Sprachperlen bei beiden; heute war es eben dieses Gedicht mit den heiligen Möglichkeiten und dem vorletzten Wort.
Ende Mai muß ich nach LE — und vorher ruf ich nochmal bei Dir an.
„Über andern den Stab des Urteils zu brechen.“
Das bleibt nicht aus. Ich lese und höre soviel Unsinn..,
Was nicht heisst, dass ich es ebenso treibe .
…Was nicht heisst, dass ich es nicht ebenso treibe .
Es wurde uns beigebracht und wir hatten wenige Möglichkeiten, das zu verlernen …
Mal andersrum:
Mancher verbarg schon
hinter dem laut dröhnenden Gelächter
die verschluckten, die nassen,
die Tränen. Zu täuschen die Wächter.