Die stundenlange Beschäftigung mit einem Wort.
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„Ich krieg' die Krise.” — „Ich krieg's nicht gebacken.” — „Krieg' ich noch'n Bier?” — „Der kriegt auch keine mehr ab.” — „Ich krieg' ein Kind.” — „Von Dir krieg' ich nie genug!” — „Krieg' Dich doch bitte wieder ein.” — „Ich glaub, ich krieg' 'ne Meise.” (Es gibt viel mehr solche Sätze, viel mehr.)
Kriegen: Das Verb mit der Bedeutung erhalten, bekommen, schnappen, erwischen, kaufen, festnehmen ist (vor allem?) in der deutschen Umgangssprache weit verbreitet. Ich vermute, daß es im dialektal eingefärbten Gespräch sogar noch häufiger zu hören ist als in der Hochsprache. Aber was weiß ich über dieses Wort?
Deshalb hab ich heute im Wiktionary nachgesehen und im Deutschen Wörterbuchnetz – dort in dieser Bedeutung erst als (röm.) III. zu finden – studiert und im Wortschatz-Korpus der Universität Leipzig gelesen, was über dieses Verb kriegen dort zu finden ist. Wo kommt das her? Wie wurde es früher und wie wird es heute genutzt? Wann hat sich die Bedeutung aufgespalten bzw. gewandelt? Nun, die letzte Frage konnte ich mir auch damit leider nicht abschließend beantworten …
Auf diese Art hatte ich aber heute ein kleines Vergnügen mit dem Wort kriegen und seiner neuzeitlichen Verwendung einschließlich seiner mundartlichen Varianten kriech, krisch, kriag, kreeg, krije, krech – und wie sie alle heißen. Was da für kräftige und zärtliche und frohe und resignierte und wütende und glückliche Wendungen mit diesem Wort gebildet werden! Hach!
Wer schafft es, einen ganzen Tag beim Sprechen und Denken ohne dieses Wort auszukommen?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 10.03.2022 ein wenig Bildung über Sprache, ein zur Hälfte auf einen Rutsch gelesenes Buch, den überstandenen Angsttermin.
Für Morgen zog ich die Tageskarte Königin der Schwerter.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Einen ganzen Tag ohne „kriegen“ auskommen? Nein, das kriege ich nicht hin. Ohne kriegen geht gar nichts! Und je länger ich darüber nachdenke, kriege ich die Frage nicht aus meinem Kopf: Gibt es das Wort „kriegen“ wirklich? 🤦♀️
Ja, laut diversen (alten und neuen) Wörterbüchern. Mir fällt ein, daß das dt. „kriegen” dem engl. „get” ähnelt …
Siehe auch im Adelung.