Wohl auch in so manchem Kopf.
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Die Tür öffnet sich knarzend. Ich unterbreche das Schreiben, sehe vom Blatt hoch und drehe mich um – die Feder noch in der Hand. Kurz flackern die Flammen der Kerzen, was ich am Flackern meines Schattens erkenne. Die Dunkelheit im Flur … Als wäre in den Türrahmen eine schwarze Wand eingezogen worden. Oder: als würde die Welt an der Tür zum Flur enden und dahinter nur noch das Nichts sein. Kurz fröstelt es mich. Hatte ich vorhin wirklich das Licht ausgeschaltet? Ich weiß es nicht mehr. Ja, ich hatte die fünf Kerzen angezündet, ehe ich mich an den Tisch setzte. Aber hatte ich das Licht auch im Flur ausgeschaltet? Ich lege die Feder aufs Papier. Vorsichtig, fast ängstlich gar gehe ich zur Tür und schalte das Licht im Zimmer wieder an. Nichts. Kein Licht, der Deckenfluter bleibt dunkel. Nanu? Auch das Radio ist stromlos, läßt sich nicht einschalten. Seltsam. Ich greife mir eine meiner Stirnlampen und gehe in den Flur. Der Sicherungskasten sieht aus wie immer, da ist keine herausgesprungene Sicherung. Was zum Teufel …? Was soll ich jetzt tun? Anrufen bei den Stadtwerken und fragen, was mit dem Strom ist? Aber geht das Telefon überhaupt ohne Strom? Stille im Hörer. Naja, bleibt noch das Mobiltelefon.
Ehe ich noch irgendetwas anderes tun oder denken kann, hämmert jemand gegen meine Wohnungstür. Ich sehe durch den Spion: Draußen steht der Nachbar mit einer Taschenlampe in der Hand. Er hämmert wieder. „Ist bei Ihnen der Strom auch weg? He Sie! Hallo? Halloooooo! Sind Sie überhaupt zuhause? Sie schlafen wohl schon? Hallo, haben Sie noch Strom?” Ich öffne die Tür. „Sehen Sie: auch nix” sage ich, während ich den Lichtschalter im Flur mehrfach betätige, „ich habe auch keinen Strom.” „So eine Scheiße! Mitten im Krimi! Die spinnen doch, die Russen! Uns einfach so den Strom abzuschalten!” Und egal, was ich auch sage, wie ich auch auf den Nachbarn einrede, er ist nicht abzubringen von seinem Irrglauben, daß die Russen den Strom abgeschaltet hätten. Irgendwann gebe ich auf. Grad als ich die Tür endlich schließen will, flammt das Licht in meinem Flur wieder auf. „Dacht' ich mir doch, daß Sie Russenfreund schnell wieder Strom haben und der Rest des Hauses weiter dunkel bleibt”, schnaubt der Nachbar wütend. Ich schalte ihm die Treppenhausbeleuchtung ein und schließe meine Wohnungstür von innen.
Wie sehr kann ein Mensch neben der Spur sein?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 04.03.2022 Bockwurst mit Senf im Brötchen, so manchen notierten Gedanken, die Zeit in der Badewanne.
Für Morgen zog ich die Tageskarte Sieben der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Dieses Szenario, so es von dir erdacht wurde, halte ich für sehr wahrscheinlich!
„Neben der Spur sein“ passt auf viele Menschen, was die letzten zwei Jahre bewiesen haben. Woher kommt dieser Ausdruck? Genau wie „der/die spurt mal wieder nicht“ für Ungehorsam. Ist, wer nicht spurt, auch neben der Spur? Muss ich doch gleich mal recherchieren.
Ja, es ist reine Phantasie.
Wer „nicht spurt“, folgt nicht, bleibt nicht auf vorgegebenen Wegen.