Wie nicht veränderte Sprache sich verändert.
Ich lese gerade Jürgen Kuczynski: Dialog mit meinem Urenkel. Nicht zum ersten Mal, beileibe nicht. Aber: Diesmal tu ich mich sehr, sehr schwer damit.
Kuczynskis Sprache in diesem Buch hat sich in all den Jahren, die ich es besitze, nicht verändert. Sie steht da noch so, wie sie 1986 beim Erscheinen des Buches im Aufbau-Verlag stand. Und es wurde meines Wissens nach auch in dieser 7. Auflage nicht ein Wort verändert im Vergleich zur Erstausgabe von 1983. Dennoch erscheint sie mir vollkommen verändert. Was sich verändert hat, ist die Welt (und meiner Meinung nach tat sie das nicht nur zum Besseren); mir fehlt, was ich damals beim Lesen noch hatte: Zuversicht und Zukunftsgewißheit. Nun, zumindest sind all die eingestandenen Fehler des Urgroßvaters – auch die, die der Staat DDR seiner Meinung nach gemacht hatte – mittlerweile aufgedeckt, und keiner von ihnen spielt heute noch eine Rolle. Die Geschichte verlief anders als die Zukunft, die uns versprochen war.
Ihr meint, „soetwas” braucht man doch heute nicht mehr lesen? Da bin ich leider anderer Meinung oder zum Glück, doch das ist für alle, die nicht Ich sind, ja sowieso egal. Noch immer bewundere ich jedenfalls, welches Maß an Ehrlichkeit in diesem in der DDR erschienenen Buch zu finden ist (und ja, ich bin mir sicher, daß Teile des Textes im Buch sich von dem des Autors unterscheiden). Ich bin zwar erst vierten Frage („Urgroßvater, warum ist eigentlich aus Dir nie etwas Rechtes geworden?”), ich brauche ungewöhnlich lange für die Seiten, aber ich lese und ich lese weiter bis zum Ende das Buches. Faszinierend, daß ich es gerade mit diesem Buch tu, mit dem jetzt für mich so sperrigen Text.
Das Buch ist bei archive.org zu finden.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Fünf Bücher stellte ich am Nachmittag in den Öffentlichen Bücherschrank und warf einigen Krempel in den Müll.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 28.07.2026 knapp 50 Fotos im kleinen Industriegebiet, zwei mit nach Hause genommene Weihnachtsbücher, einiger wirklich nicht mehr brauchbarer und nun endlich weggeworfener Krempel aus der Kramschublade.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

