Nº 021 (2022) – Überwindung

Manchmal frage ich mich tatsächlich:
Wozu mache ich den Scheiß? Und mach damit weiter.

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Natürlich gibt es Tage, an denen sprudelt die Tinte nur so aufs Papier. (Gestern war soeiner, beinahe.) Die sind wunderbar und großartig, meiner Meinung nach aber viel zu selten geworden in letzter Zeit. Denn mittlerweile (ich sag mal, seit Juni oder Juli 2020) kostet es mich jeden einzelnen Tag Überwindung, mich hin­zu­setzen und etwas aufzuschreiben. Es ist mein Wunsch, etwas Sinnhaltiges zu schreiben. Eine leere Seite liegt vor mir, jeden Tag, mehrfach. Am Morgen, weil ich seit Jahren mich an Morgenseiten versuche und nur in Ausnahmefällen erfolgreich bin damit; vielleicht schaffe ich es an drei oder vier Tagen im Monat, meine Träume festzuhalten. Wenn ich am Morgen nichts schreibe, dann sitze ich zu Mittag wieder mit dem Stift in der Hand vor einer leeren Seite, vor der ich keine Angst habe. Nein, Angst habe ich vor dem Moment, in dem ich mich fünfundvierzig Minuten später wieder von dem leeren Blatt abwende. Und dann muß ich mich nochmal und nochmal und nochmal hinsetzen und alles daran­setzen, ein paar Worte und Sätze einfangen und niederschreiben zu können. Die Befürchtung eines erneuten &bdqu;Scheiterns” ist groß, und so muß ich mich täglich überwinden, immer noch einen weiteren Versuch zu unternehmen. Am Ende fahre ich notfalls mit Bus und Funkenkutsche (Straßenbahn), weil ich da inspirierendes Menschengeräusch um mich habe …

Mittlerweile ist das Überwinden und Neuversuchen Routine. Das Schreiben bleibt mein Geländer, an dem ich mich festhalte. Deshalb schreibe ich weiter. Irgendetwas schreibe ich jeden Tag, und es ist immer mehr als dieser eine Blogartikel hier. Aber Überwindung braucht es trotz allem, jedes Mal, auch dann, wenn ich schreiben möchte, will, muß – und das klingt nicht nur paradox, das ist es auch. Und doch ist es so normal wie das Lampenfieber, das ich nach über zehn Jahren noch immer vor jeder Radiosendung habe.

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 21.01.2022 ein Erkältungsbad, daß ich kein Fieber habe, beinahe fertiger Linseneintopf.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte I – Der Magier. (Ja, dieselbe Karte wie gestern.)

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Antworten zu Nº 021 (2022) – Überwindung

  1. Regine sagt:

    Am liebsten würde ich Dir ein paar Schreib- Fastentage vorschlagen, aber Du sagst ja, dass Schreiben sei Dein Geländer. Hast Du Sorge ohne das Schreiben ins Bodenlose zu stürzen?

  2. Karin Braun sagt:

    Regine spricht mir aus der Seele. Ich schreibe Morgenseiten … aber es gibt immer Phasen in denen es nicht geht. Es mich auch nicht interessiert. In solchen Zeiten bin ich dazu übergegangen, einfach 3 – 7 Worte zu notieren, die mir gerade durch den Kopf gehen. Es ist sehr lustig, sich die später noch einmal anzusehen. Was die eventuelle Sorge betrifft, ohne das Schreiben ins Bodenlose zu stürzen, die Regine anspricht. Wenn das der Fall ist, dann solltest du dringend eine Pause machen, immer in dem Gedanken das Stift und Papier jederzeit in Reichweite sind. Überhaupt habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut tut, Routinen so dann und wann zu unterbrechen. Alles Liebe

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