2021,310: Eigensinnig widersetzlich

Herumgeisterndes lenkt ab, verhindert Konzentration.

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Verflixt! Ich weiß ganz genau, daß ich dieses Wort gelesen habe, am Nachmittag, als ich mir zehn Seiten Zeit nahm, um aus dem ungeliebten Haushaltstun auszubrechen. Mit einem Kaffee am Schreibtisch sitzend las ich in einem der Bücher, die ich gleichzeitig beackere. Ja, beackere, weil ich mir aus zweien neue Kenntnis erhoffe und aus eben diesem, dem dritten, Entspannung. Überwiegend arbeite ich also mit den Büchern, in den Büchern, auf dem Papier und natürlich in meinen Gedanken. Deshalb nenne ich es „die Bücher beackern”, auch wenn es Menschen geben wird, die mein Vorgehen nicht verstehen und die das schöne Wort beackern nicht (mehr) kennen. Jedenfalls. Da war ein Wort. Eines, das ich in meinem früheren Leben mit Sicherheit schon in den Zeitungen und Zeitschriften las. Es lies mich nicht los, als ich an den Abwasch zurückkehrte, als ich Wäsche weglegte, den Tisch von allem Überflüssigem befreite, indem ich es – das auf dem Tisch, aber nicht in meinem Leben Überflüssige – dahin räumte, wo es hingehört. Dieses Wort, dieses eine verflixte Wort! So konnte ich mich auf nichts anderes konzentrieren. Als ich wieder am Schreibtisch saß und die Feder in das Tintenfaß tunkte, als ich mitten im Sommer weiterschreiben wollte an meinen Advents- und Weihnachtsgeschichten, als der Räucherstäbchenduft um meine Nase zog: Da ließ mich das vermaledeite Wort nicht los. Und zusätzlich zweifelte ich auch noch an seiner exakten Schreibweise. Also Feder trocknen, Buch zur Hand und die Suche nach dem Wort begann. Auf den zehn Seiten sollte es ja wohl schnell zu finden sein. War es nicht auch hervorgehoben, also kursiv gedruckt? Nein, war es nicht. Jetzt spielte mir meine Leseweise, die Routine einen Streich. Ich las die zehn Seiten quer, diagonal, weil ich ihren Inhalt ja bereits kannte und mich nach zwei Stunden noch an beinahe alles erinnern konnte. Aber dieses eine Wort …

Da! „… tumultuarisch …” Und es war doch kursiv gesetzt. Tumultuarisch also. Im OpenThesaurus wird es auch mit den Bedeutungen „aufrührerisch, aufständisch, eigensinnig, meuterisch, rebellisch, sperrig, widersetzlich” geführt. In meinem Kopf blieb es ein altes Wort, das ich ganz sicher aus meiner Vergangenheit kenne. Tumultuarisch. Diese Art der Wortbildung (exemplarisch und agrarisch gibt es ja auch) scheint mir, nebenbei bemerkt, eine ziemlich alte zu sein. Heute zählt dieses Wort zum bildungssprachlichen Wortschatz, ansonsten schreibt man wohl eher tumultartig.

Endlich, endlich aber war der durch ein einziges besch… Wort verursachte Streß beendet. Neues Räucherstäbchen im Juli, Feder, Tintenfaß und Papier: Nein, auch noch Weihnachtsmusik einzuschalten erlaubte ich mir nicht.

 

 

Natürlich habe ich das nicht so erlebt. Wie immer sind in solchen Geschicht­chen mehrere Erlebnisse, besser Bruchstücke mehrerer Erlebnisse so zusammengefügt, daß dieses Geschehen völlig plausibel und erlebbar sein könnte, ist. Deshalb flossen diesmal auch ein Link und ein paar Synonyme mit ein, die ich mir zusammensuchen mußte. Ja, auch diese Sucherei macht es meiner Meinung nach wahrscheinlicher, das, was da beschrieben steht. (Grad kommen Zweifel auf: Hätt' ich das besser weggelassen?) Trotzdem steht zu Recht ein „Nichterlebt” dran, weil es eben so nie geschehen ist bei mir …

„Eigensinnig widersetzlich” merke ich mir trotzdem vor, denn das könnte auch der Titel einer, die Überschrift für eine prächtige kleine Advents- oder Weihnachtsgeschichte werden, nicht wahr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 06.11.2021 waren positiv nicht mit dem zu langen Schlaf zu hadern, ein fertiger erster Adventkalenderbeitrag, sechs mit anderen Sachen beschriebene DIN-A5-Seiten.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Kelche (den Mut finden, eine neue Situation zu meinen Gunsten zu nutzen).

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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 2021,310: Eigensinnig widersetzlich

  1. Sofasophia sagt:

    Der Liebste würde wohl tumultesk geschrieben haben, geht es mir durch den Kopf.

  2. Gudrun sagt:

    Sprichst du im Adventskalender etwas Erzgebirgsches ein?

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