2021,097: Weiterlesen

Aus Buch Nº 3, passend zu meinem Leben.

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Selbst die schönsten Dinge können mitunter zu einer Last werden. Bilder, Bücher, Möbel, Kleidung – alles was steht, was irgendwann einmal mit Freude, sogar freudiger Mühe ausgewählt wurde, das alles kann zu einem Gewicht werden. Eine Eisenkugel, ans Fußgelenk gekettet, die man mitschleppen muß. Sein ganzes Leben lang. Für eine gewisse Zeit. Mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Leben lang. Da läuft man dann nur noch langsam und bedächtig. Da kann man nicht mehr rennen, springen, hüpfen tanzen.

Angela Stachowa: Stunde zwischen Hund & Katz. Erzählungen. S. 97 f.
2. Auflage © Mitteldeutscher Verlag Halle-Leipzig (DDR) 1976
Lizenz-Nr. 444–300/95/78 · 7001 Bestell-Nr. 638 450 5

 

Angela Stachowa, eine Sorbische Schriftstellerin. Ich hatte noch nie von ihr gehört oder gelesen – vor diesem Buch. Und dann ist dieses Buch ein Buch, in dem solche Sätze stehen, ja sogar ganze Absätze stehen, bei deren Lesen und Wiederlesen und Wiederlesen ich nur nicken kann. Kann man das, was ich hier zitiert habe, profane Alltags-Kalenderspruchweisheit nennen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Wahrscheinlich erlebt jeder Mensch das Beschriebene mindestens einmal im Leben. Mir ist das mehrmals passiert, einmal habe ich mich sogar in einer sehr extremen Form von diesem Gewicht befreit (vielleicht mußte ich das sogar tun, um weiterleben zu können). Und immer wieder häufe ich solche Gewichte, solche Lasten, solche Beschwernisse an. Um mich herum und in mir drin. Bei solchen Dingen bin ich ein begnadeter Sammler und Horter. Und ab und zu beginne ich mal wieder mit dem Aussortieren und mit dem Trennen vom Angesammelten. Jedes einzelne Stück sehe ich mir genauestens an, ehe ich es weggebe, an andere, die es haben möchten, oder in den Müll. Und noch viel zu oft hängen an allem Erinnerungen, die ich zu vergessen befürchte, wenn ich rausschmeiße, was mir zur Last wurde. Das betrifft sowohl alte Brillengestelle, Zeitschriften, Stifte usw. usf. als auch Beziehungen jeglicher Art zu Menschen und Gewohnheiten. Ach, was war das vor einem Jahr für eine großartige Illusion, ich könne mich in der Pandemiezeit von überflüssigen Gewohnheiten befreien, weil sie da sowieso nicht erforderlich sind!

Stattdessen haben sich zusätlich neue, zeit- und kraftraubende Sachen angesammelt. Seit ein paar Tagen versuche ich – neben dem Ausmisten der Dinge – mich auch von Nichtdinglichem zu erleichtern. Ich hoffe, es gelingt mir, wenigstens zum Teil. Und vielleicht ist das jetzt, knapp 20 Jahre nach meiner (wahrscheinlichen) Lebensmitte, ein Symptom meiner Midlife-Crisis …

 

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Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 07.04.2021 waren positiv ein Kilogramm gegessene Orangen, mal wieder Chinese Gunpowder, einige verschriftlichte Erinnerungen.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Münzen.

© 2021 – Der Emil. Eigener Text (nicht das Zitat) unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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