Es erfordert Überredungskunst (231/134)


Wissen und doch nicht wissen

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Es ist auch Ablehnung, die mich bedrückt. Ablehnung, die ich vermute, fühle, befürchte. Eines der schlimmeren Gefühle von denen, die ich kenne.

Es gibt in meinem Leben Menschen, bei denen ich einfach um Zuwendung bitten darf. Verlangen, fordern würde sie nie. Aufmerksamkeit kann ich erheischen, nicht befehlen. Mir zuhören. Mir geben. Mich aufmuntern. All das kann erbeten, erfleht werden. Und wirklich wird mir damit oft geholfen, so wie ich damit nach Möglichkeit ebenfalls helfe. Vielleicht ist all das soger eine sehr wichtige, sehr große Hilfe, die zwar auf Gegenseitigkeit beruhen kann, jedoch nicht muß. Natürlich scheint es mir manchmal meine Pflicht zu sein, eine erbetene Unterstützung und Hilfe zu gewähren, doch es ist eben keine Pflicht. Daß weiß ich bei jeder an mich herangetragenen Bitte.

Und so ist es auch, wenn ich um Zuwendung bitte. Ich bitte darum, kann sie aber nicht fordern. Denn Zuwendung ist keine Pflicht.

Um so verwirrter bin ich jetzt. Darob, daß ich es als Ablehnung bewerte, wenn mir meine Bitte nicht erfüllt wird. Ich weiß ganz genau, daß das nur dann geschieht, wenn es wirklich nicht anders möglich ist. Wenn also die Person, die ich bitte, selbst gerade nicht in der Lage dazu ist. (Vielleicht ist das ein Nachteil: daß es kaum noch heile, ganze, immer stabile, konstante Menschen gibt?)

Ablehnung also.

Aus der Ferne. Erschreckend stelle ich fest, daß die Menschen, mit denen ich wie beschrieben umgehen kann, bis auf die allerallerallerbeste Freundin weit weg wohnen. (Ja, wirklich gerade erschreckend, obwohl ich es doch weiß, sicher weiß. Wie gut mein Hirn doch noch immer im Verdrängen und Vergessen ist!)

Ablehnung. Das vermeine ich zu empfangen. Weil keine Antwort auf Nachrichten kommt. Weil niemand ans Telefon geht. Weil mir konkrete, kleine Bitten (voraussehbar) plötzlich (vorübergehend) nicht (mehr) erfüllt werden (können).

 

Ach Hirn, Seele, Psyche! Welchen Namen Du auch trägst, mach Dich doch nicht immer so klein. Fühl Dich nicht abgelehnt, das bist Du nicht!

Ich muß jetzt nur noch überlegen und herausbekommen, wie ich Dich dazu überreden kann, mir das zu glauben.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 18. August 2015 waren die erledigte Hausarbeit und leckerer Salat und echt angenehme Temperaturen.
 
Tageskarte 2015-08-19: Die Fünf der Schwerter.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Es erfordert Überredungskunst (231/134)

  1. Sofasophia sagt:

    Oh, das tut weh. Grad wäre ich gerne deine Nachbarin und fitter.

    Mögen dein Herz und Hirn es endlich begreifen, dass … (letzter Abschnitt).

  2. Elvira sagt:

    Du hast ein großes Herz! Das kann niemand kleinreden oder kleinmachen. Auch Deine Seele weiß das!
    Ganz liebe Grüße schickt Elvira

  3. Bine sagt:

    Mein lieber Emil,
    leider lese ich diesen Text erst jetzt und es stimmt mich sehr traurig das zu lesen.
    Es gibt so viele Menschen die auch für dich da sind.
    Glaube mir es ist so!!!
    Aber ich kenne dich viel zu gut, um zu wissen, dass dir (genau wie auch mir) es schwer fällt um Hilfe zu bitten / fragen.
    Du bist echt ein ganz toller Mensch und hast es ganz bestimmt nicht nötig, dich solch Zweifel hin zu geben.
    Ich glaube es wird wieder mal Zeit für ein Biergeschwätz.
    Fühl dich ganz fest umärmelt und geknuddelt.

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