Herbstliches Tagessammelsurium

Doch ich bin nicht zufrieden

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Hier im Blog (und noch mehr im Leben außerhalb) stöhnte ich in diesem Jahr oft genug über die schwüle Hitze des Sommers. Wie oft ich ein reinigendes, kühlendes Gewitterchen mit Regen herbeisehnte, weiß ich nicht. Aber ich kann mich daran erinnern, daß auch ein großes Gewitter oder einfach ein langanhaltender Regen meist genügt hätten. Ach, ich war so verzweifelt ob der Hitze, daß ich tatsächlich meinen Arzt fragte, ob es wirklich ein so scheußliches Wetter oder ich allenfalls in den Wechseljahren wäre. Beide Fragen wurden mit “Ja!” beantwortet. (Auch Männer leiden um die 50 herum, üblicherweise nicht so lange und nicht so heftig wie Frauen. Bei mir sei das wohl ein wenig stärker als normal, hieß es nach einer Reihe von Tests. Na Prima.)

Jetzt ist der Sommer vorbei (zum Glück), die Temperaturen sind seit etwa zwei Wochen durchaus erträglich. Und es ist einfach nicht mehr schwül, nicht mehr so drückend wie die meiste Zeit dieses Sommers. Das freut mich, denn ich kann gehen, ohne nach 20 Metern bereits vollkommen durchgeschwitzt zu sein. Und zumindest auf diese Erfahrung hätte ich immer wieder gern verzichtet. Doch es half nichts; wochenlang war ich, gleich nachdem ich das Haus verlassen hatte und noch ehe ich die nahe Bushaltestelle erreicht hatte, einfach nur schweißnaß. Jetzt, die Tage seit Freitag bis heute, bin ich auch meist naß, kurz nachdem ich das Haus verlassen habe – und zwar vom Regen durchnäßt. Als ob das hätte wirklich gleich sein müssen, daß das Wetter von einem Extrem (Trockenheit) ins andere Extrem (gefühlter Dauerregen) wechselt …

Ja, ich bin mit nichts mehr zufrieden, nicht mehr mit dem Wetter zufrieden. Egal wie das gerade ist. Ich bin sowieso unleidlich zur Zeit. Und immer so sehr müde. Jeden Abend gehe ich rechtzeitig ins Bett bzw. auf meine Schlafcouch. Aber dann kann ich nicht durchschlafen. Wenn ich nach ein bis zwei Stunden Schlaf wachwerde, kann ich hinterher nicht wieder einschlafen. Das war während der schwülen Hitze auch schon so. Nur habe ich es damals eben auf die Hitze geschoben. Jetzt jedoch merke ich, daß es daran überhaupt nicht lag, jedenfalls nicht nur oder hauptsächlich. Ich sollte das Regenwetter dazu nutzen, im Bett zu bleiben und auszuschlafen. Wenn ich die Gelegenheit dazu hätte, würde ich es bestimmt auch tun. Aaaaaaaaaber: Ich finde die Zeit dazu nicht. Wie immer bin ich an diesem Unglück selbst schuld. Meinen Plan mache ich doch selbst, meine Termine lege ich doch mehrheitlich selbst fest.

Meine Meinung zum Wetter ändert sich ab und zu im Laufe eines Tages mehrmals, immer genau so, wie sich das Wetter ändert. Gestern zum Beispiel fand ich es morgens um halb sieben, als ich aus dem Haus mußte, angenehm temperiert mit 17 °C. Der leichte Nieselregen war erträglich, ich ließ den Schirm zu. Es war bis nach Magdeburg angenehm herbstlich. Draußen vor den Fenstern des Zuges sah ich bunte Blätter an den Bäumen vorbeihuschen, dann standen wieder noch völlig grüne Laubwäldchen an der Bahnstrecke. In Magdedorf (sorry, so nennen es die Hallenser – Halle war bis 1952 Landeshauptstadt – als einen kleinen Akt der Rache) war es dann nur noch bewölkt, trocken, und eine mäßige Brise wehte durch die Straßen. Erträgliches Wetter, sehr angenehmes Wetter für mich. Am Nachmittag aber, gegen 14.30 Uhr, schien in Magdeburg-Buckau die Sonne, ich schwitzte auf dem Weg zum und auf dem Bahnhof. Ach, wie sehr hätte ich mir da schonwieder einen Regenschauer gewünscht! Mir ging es nicht besonders gut und so ließ ich meinen Gang über den kleinen Buckauer Friedhof bleiben. Meinen Regenschirm hatte ich ganz umsonst mitgeschleppt, denn der Regen kam nicht.

Insgesamt sieht die Gegend aber schon sehr, sehr herbstlich aus. Die Felder sind abgeerntet, oft schon gepflügt. Hab ich da auch schon Wintersaat gesehen? An den Bäumen hängen jetzt noch die späten Äpfel und Birnen; Kirsch- und Pflaumenzeit sind vorbei. Kastanien fallen mir auf den Kopf, wenn ich unter den Bäumen entlanggehe und mit dem frischen bunten Laub unter meinen Füßen raschele. Es riecht im Wald sehr stark nach Pilzen. Die Frösche sind stumm. Alles geschieht etwa einen Monat zu früh. Darin bleibt sich das Jahr 2014 auch im Herbst treu.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 2. Juli 2014 waren das BFD-Seminar in Magdedorf und daß sich mein Regenschirm bei meinem Lieblingsbusfahrer wiederfand.
 
Tageskarte 2014-09-03: XVII – Der Stern.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Herbstliches Tagessammelsurium

  1. Sofasophia sagt:

    klappschirm im rucksack haben eindeutig vorteile.
    ja, solche phasen kenn ich auch. ich hoffe, dir gehts bald wieder besser!

  2. Ulli sagt:

    ja genau, alles ist einen Monat zu früh oder es zeigt sich jetzt, dass Kalender eben keinen wirklichen Sinn machen, sie stehen fest, während sich das Universum dreht …
    möge es dir bald besser gehen!!!

    herzliche Grüsse Ulli

  3. minibares sagt:

    Heute hatten wir Sommer! Mit 25 Grad, ja, und es war einfach nur gut anzufühlen, nix mit Schwüle.
    Ich mag es auch lieber etwas kühler, das ist richtig. Aber das heute konnte ich auch genießen.
    Regen ist nicht so mein Fall. In der rechten Hand den Stock, in der linken den Schirm???
    Dann noch eine Tasche dabei?
    Das ist mir echt zuviel.

  4. Gabi sagt:

    Ich kann mich sehr gut in Dich hineinfűhlen. Das heurige Wetter ist total verdreht. Der Sommer war größtenteils schwül oder regnerisch. Alles in allem viel unangenehme Feuchtigkeit. Dafür blieb Gott sei Dank die große Hitze aus.
    Bin grad seit zwei Wochen wieder auf 1000 m Höhe. Von Hitze hier schon lange keine Spur mehr. Erste Woche jedoch Ok. Zweite Woche sehr viel Regen und ein paar Tage auch kalt (morgens 7 Grad). Aber ich mag es trotzdem hier.

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