Genesis

Die Geschichtenentstehungsgeschichte

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Die Worte flossen nur so aus meinem Stift auf das Papier. Zwei Wortstellungen habe ich später korrigiert, sonst blieb der Text beendet, wie er geschrieben wurde. Es sollte auch bei diesem einen Text bleiben. Ich war mit dem Text einfach zufrieden – besonders, nachdem ich einige Reaktionen darauf erhalten hatte.

Natürlich habe ich das, was ich da beschrieb, nicht selbst erlebt – aber mein eigenes Erleben hat irgendwie einen Anstoß zu diesem Text gegeben.

Auf einmal hatte ich aber fünf Figuren. Fünf Gedankenkonstrukte, fünf Gefühlswelten. Fünf verschiedene Leben, nur eines davon schon beendet. Und zu diesen fünf Figuren nur zwei Namen: Else, die gestorbene Mutter, und Judith, die Montagsgeliebte. Der Vater, der Sohn und die Ehefrau blieben namenlos. Und bis auf Else wollten sie alle, der Sohn, die Ehefrau und Judith, plötzlich etwas loswerden. Mich Anteil nehmen lassen an ihrem Erleben.

Also ließ ich den Sohn zu Wort kommen. Und der entpuppte sich als völlig hilflos im Angesicht seiner toten Mutter. Gut, er hat auch Probleme mit seinem Vater und mit dem Job und mit seinen Frauen. Doch ist er nicht doch nur ein armes Schwein?

Der namenlosen Ehefrau paßte das nicht, daß ihr fremdgehender Mann sich frei äußern durfte. Schließlich hätte ich sie auch bitten müssen, etwas zur Geschichte beizutragen. Ihre Gedanken kamen dann als dritter Teil zu dem ursprünglich einteiligen Text … als ob es niemals anders vorgesehen war.

Da hatte ich aber etwas angerichtet. Denn wer außer der Ehefrau weiß noch Bescheid über den Sohn? Genau, Judith, die Montagsgeliebte. Sie ist, wie wir aus ihren Worten über ihre Heimfahrt erkennen, auch noch Arbeitskollegin des Sohnes und ziemlich mißtrauisch. Nein, nicht nur mißtrauisch, sondern richtig verärgert über das ihrer Meinung nach verlogene Leben ihres Liebhabers. Was das noch für Folgen hat, ist nicht absehbar. (Aber diesen Text finde ich nicht so ganz gelungen. Der kratzt noch, ist eckig und kantig, eiert.)

So schnell wurden aus einem kleinen Text über fehlende Nähe ohne mein Zutun vier, die jeder für sich ein kaputtes Leben zeigen. In unterschiedlichen Lebensphasen, auf verschiedene Weise beschädigt, aber alle vier sind kaputt.

Und in meinem Kopf schwebt noch ein fünfter Teil herum …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 6. Juni 2014 war eine ruhige Schicht Sendetechnik.
 
Tageskarte 2014-06-07: Die Acht der Schwerter.

P.P.S.: Ich war eine Woche lang unterwegs. Heute werde ich lesen, kommentieren und Kommentare beantworten.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu Genesis

  1. Gudrun sagt:

    Aber warum müssen alle (vier) Leben „kaputt“ sein?

  2. Sofasophia sagt:

    kaputt, aber nicht irreparabel, hoffe ich. die geschichten fand ich – wie geschrieben – alle sehr gut. aber die frage, ob sie kaputt sind … hm …wer weiss das schon?
    ich hoffe immer auf happyends in echten leben … *seufz*

    • Der Emil sagt:

      Mit der letzten bin ich immer weniger zufrieden, je öfter ich sie ansehe. Ich weiß nicht, der Sprachduktus scheint mir über weite Strecken „unweiblich“ …

      Natürlich können die Beschädigungen wahrscheinlich repariert werden, zumindest zu großen Teilen. Aber davon weiß ich noch nichts.

  3. Gabi sagt:

    Ich finde es ganz toll, wie Du diese Geschichten miteinander verwoben hast. Wie das Leben eben so spielt. Bin gespannt, ob es einen fünften Teil geben wird und ob es doch noch einen positiven Aspekt dieser Geschichten gibt.

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