Anfang und Ende

Die unvollendeten Enden immer neuer Anfänge

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Anfänge. Anfänge über Anfänge. Nichts als Anfänge. Immer wieder unvollendet, abgebrochen, nicht fortgeführt, nie beendet. Ja, nichteinmal zur Beendigung vorgesehen. Das ist mein Leben, schon seit vielen Jahren, seit langer Zeit. Ich schrieb ja gestern schon, daß ich zwar Ideen habe, manchmal sogar gute Ideen, aber es mangelt mir am Antrieb, an der Disziplin, der Notwendigkeit aus diesen Ideen Fertiges zu machen. So ist jedenfalls meine Selbstwahrnehmung.

Nun haben einige meiner Leserinnen und Leser ja gesagt, daß das, was ich als Anfang sehe, eine runde, fertige Geschichte ist. Nicht zum ersten Mal, gestern. Sogar der Titel meines (tatsächlich im Anfangsstadium befindlichen) Buches wurde genannt: “Anfänge.” Aber: Mir reicht das nicht. Für mich ist da eben nichts Fertiges, nichts, was ein fertiges Buch werden könnte, wenn es nur aus Anfängen besteht.

Oft genug dachte ich, ich könne in meinem Leben neu anfangen. Einmal wollte ich sogar ganz neu anfangen, eben mit dieser neuen Figur, der von mir selbst geschaffenen Person “Der Emil”. Heute glaube ich, daß ich damit zwar nicht vollständig gescheitert bin – aber so richtig erfolgreich, so ganz fertig wurde ich nach dem Neuanfang auch nie. Immer blieb ein Rest, immer schleppte ich meine Vergangenheit (mehr oder weniger sichtbar, spürbar) mit mir herum. Ein Anfang. Wie ein Wurf, der mit viel zu wenig Kraft ausgeführt wurde: Das Geworfene fällt einfach zu Boden, direkt vor den Füßen des Werfers.

Anfänge. Ich habe zu viele Anfänge gemacht, hatte nur selten die Geduld, etwas zuende zu bringen. Sogar für mein Leben hatte ich zuwenig Geduld, zu wenig Disziplin und wollte es mehrfach vorzeitig beenden. Ups!?

Anfänge. Anfänge sind etwas, das ich durchus kultivieren könnte; ja ich kann es mir vorstellen, dieses Buch nur aus Anfängen. Vielleicht hülfe mir dabei ein einziges Beispiel dafür, was aus meinen Anfängen entstehen kann? Nun, wer traut sich, wer macht sich die Mühe, einen meiner Anfänge weiterzuspinnen, skizzenhaft vielleicht, bruchstückhaft – als Entwurf für ein mögliches Weiter?

Ich weiß es, wer das wagen muß. Ich weiß, wem ich das zutrauen könnte, einen meiner Anfänge in meinem Sinne fortzusetzen. Ich habe schon gefragt, aber noch hat die Person zuviel Angst davor, zuwenig Selbstvertrauen dafür. Eine Woche Bedenkzeit noch, grad wie erbeten …

Und dann? Dann bin ich wohl endlich dazu verpflichtet (ach, schon im Sozialismus war die Selbstverpflichtung etwas wunderbares), aus einem der Anfänge einmal etwas Beendetes zu machen – zumindest was die Texte betrifft.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 15. Januar 2014 war eine nette Schicht Sendetechnik.
 
Tageskarte 2014-01-16: Königin der Schwerter

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Anfang und Ende

  1. Ach Emil, du hast also jemanden erwählt, um Deine Geschichte weiter zu spinnen 🙂 Eine gute Idee! Hoffentlich macht dies die Königin der Schwerter auch!
    Ansonsten möchte ich Dir etwas sagen/ schreiben: Das Leben ist ein wertvolles Geschenk! Dass Du so gut schreiben kannst, ist ebenfalls ein sehr wertvolles Geschenk. Anfänge funktionieren nur, wenn man das Vergangene akzeptiert und integriert. Und das ist mitunter das Schwerste im Leben! Ich bin da auch dran….kannste mir glauben!

    Jedes Aufstehen im Leben ist ein Neuanfang, dessen Verlauf anfangs noch völlig unklar ist.

    Ja, und da fällt mir ein, ich lese gerade mal wieder ein Buch von Sabrina Fox. Ist nicht jedermanns Sache, aber sie machte es möglich. Sie ließ das mögliche Ende eines Buches von ihren Lesern fertig schreiben. Die verschiedenen “ Endgeschichten“ wollte sie dann im Buch abdrucken lassen.

    Und was ist für dich “ erfolgreich“? Wo ist dein genaues Ziel? Wo genau willst du hin? Ist das ein real erreichbares Ziel?

    Liebe Grüße und eine gute Nacht,
    Anke

  2. Überall, wo ich hinblicke: Anfänge. Aufbruchstimmung und doch immer noch Veweilwünsche – bei mir zumindest. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Neuanfang völlig ohne Vergangenheit und dieses Mitsichschleppen überhaupt möglich ist. Irgendwas bleibt vom Früher immer, nicht wegzuhadern. Wie soll der Erfolg aussehen, den du dir wünschst? Nicht, dass du das hier öffentlich beantworten sollst … Ich bin mir sicher, dass das funktionieren kann, deine Anfänge, die andere zum Weiterführen inspirieren. Inspiration sein – das ist mir tatsächlich mal passiert, und es fühlte sich großartig an. Auch ein Erfolg? Und ich hätte den Kommentar über mir zuerst lesen sollen, bevor ich anfing zu schreiben, im Prinzip steht da was ganz ähnliches. Lösche ich das hier nun? Nein. Ich möchte nämlich, dass du weißt: In nehme Anteil an dem, was du schreibst.
    Alles Gute dir,
    Mme C.

  3. Sofasophia sagt:

    was soll ich da sagen? dass es mir ähnlich geht in vielem, weisst du ja, und dass ich dich für schreibbegabt halte auch.
    was ist deine definition von vollenden und von erfolg, deine ganz persönliche? deine idee von ziel – wie sieht sie aus? darum geht es doch, oder?

  4. Elvira sagt:

    Manchmal ist ein vermeintlicher Anfang doch schon die Fortsetzung eines vergangenen Anfanges. Auch wenn wir uns „neu erfinden“, geht das nur durch die alten Anfänge. Irgendwie ist alles Fortsetzung. Und Dein Buch kannst wahrscheinlich auch nur Du zu Ende bringen – auch wenn es nur aus Anfängen zu bestehen scheint. Die letzte Seite wäre doch immer das Ende!
    Liebe Grüße von Elvira

  5. Ulli sagt:

    ich glaube nicht, dass wir wirklich richtig neu anfangen können, dazu nehmen wir ja alles Vorhergehende mit, selbst bei einer Amnesie läutet das Unterbewusstsein, wenn etwas Bekanntes erscheint …

    ich verstehe schon, dass dir viele Anfänge zeigen, dass dort das eine und andere auf ein Ende wartet, auch wenn es ein offenes ist … ich kann auch nur zu deiner gestrigen Geschichte sagen, dass sie für mich rund war und nicht allgemein-
    in meinen Ordnern und Schubladen liegen ebenfalls so einige Anfänge, an manchen webe ich weiter, andere bleiben Fragmente, dranbleiben aber, das hat sich bei meinem Kinderbuch gezeigt, ist eine wunderbare Erfahrung, vor allen Dingen, wenn man dann plötzlich ein gedrucktes Buch in den Händen hält und dieses auch noch von dem einen und der anderen gerne gelesen wurde-

    Erfolg … hat viele Gesichter
    herzlich grüße ich dich
    Ulli

  6. Anna-Lena sagt:

    Jeder Tag ist ein neuer Anfang und somit fängt auch ein Tagebuch immer wieder neu an. Trau dich, lieber Emil und bleib bei deinen Anfängen. Möglicherweise bringst du beim Schreiben gedanklich etwas weiter oder zu Ende.
    Das wäre doch ein Anfang!

    LG Anna-Lena

  7. piri ulbrich sagt:

    Es ist schon so viel geschrieben worden, auch, dass du nicht alleine stehst und das es anderen ähnlich ergeht. Auch ich verfange mich in Anfängen und irgendwie passt mein Beitrag
    http://www.voller-worte.de/blog/2014/tun-oder-sein-lassen/
    ganz gut zu dem Thema. Mach deine Anfänge zu einem Buch, lass die Leser weiterspinnen, mach was interaktives draus und warte ab, was passiert! Ich wünsche dir viel Glück dabei, Petra

  8. Livia sagt:

    Ein Ende ist so entgültig, aber das ist nun mal nicht das Leben! Wir fangen jeden Tag irgendwo an und doch ist das Gestern immer noch ein Teil davon!

    Oft ist ein Anfang: Gehe oder bleibe ich? Ich bin für das Gehn mit offenen Augen und Herzen und einem kleinen und doch wichtiegen Blick in die Vergangenheit! Ohne diese wären wir nicht das was wir heute sind! Klar gibt es da viel Schlechtes, aber auch Schönes, wo ich mich gerne dran erinnere! Und ohne diese Blicke zurück würde ich vieles wieder falsch machen. Somit finde ich zwar kein Ende aber vieleicht endlich mal das Glück!

  9. Der Emil sagt:

    Über all eure Kommentare muß ich etwas länger nachdenken …

  10. Gabi sagt:

    Sind viele Anfänge wirklich so schlimm? Sind sie nicht besser, als gar nichts zu machen? Und könnte es nicht sein, dass Fortsetzungen irgendwann einfach passieren, wenn die Zeit dazu reif ist?

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