Über Verschwinden (Nº 240)

Arbeit und Struktur

(Ein Nachruf)

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Als ich gestern die Nachricht zum ersten Mal sah oder hörte, wollte ich nachlesen, was geschehen ist. Er schrieb ja früher, daß er Vorkehrungen für diesen Augenblick getroffen hatte. Doch, ich erinnere mich sogar gut an die Sätze, die ich dazu las. Weil ich selbst ähnliche Vorkehrungen schoneinmal getroffen hatte, mit drei Wirkstoffen …

Aber leider, im Moment kann ich sie nicht lesen, denn ich bekomme nur Fehler 403 – «Forbidden. You don’t have permission to access / on this server.» Dagegen hilft kein https, es gibt kein Login und nichts. Die Domain gibt es noch, aber die Texte …

Die Texte, die mit offensichtlich immer größeren Schwierigkeiten formuliert und geschrieben waren, sind (vorerst) verschwunden.

Es ist nichts mehr zu lesen von “Arbeit und Struktur”

Sein Buch “Tschick” liegt hier und soll in einem meiner nächsten Buchfinken zum Einsatz kommen …

Am Montag, den 26. August 2013, starb Wolfgang Hernndorf in Berlin. Und auch, wenn im Wikipedia-Artikel “Suizid” steht und viele das nicht verstehen werden: Ich kann mich an seine Worte dazu erinnern, daß er auch das Ende seines Lebens selbstbestimmt erleben wird. Auch ich habe seit Januar 2012 stumm sein Leben mitverfolgt auf seinem Blog Arbeit und Struktur – und ich kann seine Entscheidung und sein Handeln verstehen.

Irgendwie war ich bei Wolfgang Herrndorfs Sterben so dabei wie bei Irgendlinks Reisen … Wie bei Dorotheas Abschied … Wie auf den portugiesischen Klippen … Seinen Angehörigen und Freunden kann ich nur mein tief empfundenes Beileid ausdrücken.

Wieso muß ich jetzt an die Rabensteiner Felsendome und das dort immer gespielte Musikstück denken? (Weil es das ist, was mir einmal gespielt werden wird.)

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 27. August 2013 war alte Musik.

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Über Verschwinden (Nº 240)

  1. wildganss sagt:

    In den Kulturnachrichten vom HR habe ich vorhin gehört, dass das Blog geschlossen wurde und der Rowohlt-Verlag es demnächst als Buch herausgeben will.

  2. Wenn Du auf dem Blog „Archiv“ antickerst, findest Du die Texte, lieber Emil!

    Und ich finde es wunderschön, dass Du seine Entscheidung und Entschlossenheit so akzeptierst! Für mich ist es Teil der Menschenwürde, selbst bestimmt auch das Ende seines Lebens zu er“leben“. Jemanden zum Bleiben zu zwingen hat für mich nichts mit Liebe zu tun, es ist meist purer Egoismus und sonst gar nichts. Mich macht es wütend, wenn ich sowas mitbekomme. Umso mehr schätze ich es, wenn jemand in seinen Entscheidungen, gerade wenn sie so endgültig sind, nicht noch „weggerissen“ wird, sondern gehen darf, wann immer er es möchte.

    • Der Emil sagt:

      Ich find nicht mal mehr den Blog … nur die 403er Seite.

      • Ich bekomme den Blog nach wie vor, wenn ich auf Deinen Link tickere:

        […] auf seinem Blog _Arbeit und Struktur_ – und […]

        Alles wird angezeigt, ich tickere weiter auf „Archiv“ und bekomme die Beiträge, die ich auch ohne Probleme antickern und lesen kann.

        Oder was meinst Du?

        • Der Emil sagt:

          Es ist wieder da. Ich habe gestern den ganzen Tag und auch heute morgen kurz vor fünf versucht zu lesen – immer 403.

          Erschossen. Da hätt ich Angst vor dem Schmerz. Ich habe keine Angst vorm Tod, aber vorm Sterben (das mit der Geburt bereits begann, ich weiß; aber das letzte Ende mein ich) …

      • Gudrun sagt:

        Doch, es ist noch da.

        • Der Emil sagt:

          Wieder, dann ich komm grad vom Lesen (ich hab nochmal bei 23 angefangen, dem ersten von mir gelesenen Stück). Etwa 12 Uhr mittags gings wieder – hier bei mir zumindest. (Kann sein, daß „jemand“ bewußt abgeschaltet hatte oder der Server nur überlastet war.)

  3. Sofasophia sagt:

    lieber emil
    ich dachte, als ich es hörte: wieso er und nicht ich? er ist genau zwei tage jünger als ich ….
    wie du habe ich ihm betroffen beim loslassen zugehört in seinem blog und habe gestern erst das forbidden gelesen. suizid im sinne persönlicher sterbehilfe sich noch mehr leid zu ersparen, das darf sein, in würde. er setzt hier ein mutiges zeichen, hat ja auch sterbehilfefilme verlinkt gehabt.

    ich habe eben sein „sand“ angefangen, „tschick“ längst verschlungen.
    er wird mir fehlen. nicht nur als autor, sonderm als mutiger mensch, der er war. RIP.

  4. colorsigns sagt:

    danke
    für diesen Beitrag

    Christin von Margenburg

  5. Pingback: Da war ja noch: Wolfgang Herrndorfs «Tschick (Nº 286) | «Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

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