In jungen Jahren festgehalten
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Wiedereinmal blätterte ich in alten Notizheften und -büchern und -zettelsammlungen. Nicht nur einmal mußte ich schmunzeln über das, was mir eine Notiz wert war. Manchmal überkommt mich beim Graben in der, in meiner Vergangenheit eine große Traurigkeit – weil ich in die geschilderten Situationen wieder eintauche und alles nocheinmal erfühle.
Wenn ich nur immer beherzigen würde und beherzigt hätte, was ich in jüngeren Jahren schon schrieb!
“Ich kann mich nicht entscheiden!” — Auf diesem Standpunkt zu beharren war die unheilvollste Entscheidung meines Lebens.
Mehrfach.
Der Emil – Januar 2002
Nein, gerade geht es mir nicht so. Damit will ich auch niemandem sonst belehren. Ich bin nur – immernoch, immer wieder – am ausmisten. Und dabei fällt mir so manches in die Hände, das ich seit 2006 nicht mehr gesehen habe. Es ist Interessantes dabei wie diese Notiz. Es ist mittlerweile Uninteressantes dabei wie Artikel aus Computerzeitschriften von 1996. Und es ist Unangenehmes dabei wie Mahnungen o.ä. aus ganz verschiedenen Jahren … Nur wenig Freudeerregendes ist dabei; und so frage ich mich, ob mein Leben “damals” wirklich so freudlos war?
Aber kann es sein, daß die Weisheit des Alters manchmal schon in der Jugend oder in der Lebensmitte aufblitzt und dann solche Anmerkungen hervorbringt wie die von mir wiedergefundene?
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 4. März 2013 war eine entspannte Abendschicht als Ehrenamtler.
© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Von mir auf dich zu schliessen ist zwar unmöglich, aber ich selbst habe beim Lesen meiner ganz alten Tagebucheinträge aus einer sehr lang zurückliegenden Zeit auch eine Tendenz zu negativen Eintragungen festgestellt, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass dies wohl eher daran lag, dass Erfreuliches leichter (mit-)teilbar ist und in meine Tagebuchnotizen eher die negativen, ungeteilten, unausgesprochenen Gedanken kamen, weil ich die anderen nicht mehr als dringlich und beschäftigend empfunden habe.
Aber was Du schreibst, das klingt sehr logisch und: Es ist schön, jetzt glauben zu können, daß ich nur das weniger Erfreuliche notierte, das Erfreuliche aber lebte und anderweitig mitteilte.
Oh, fast schon oh je, wie viele Kommentare bei diesem Beitrag stehen.
Aber es ist dieser erste hier, der mir aus dem Herzen spricht. Und der logisch erklärt, warum wir unseren Tagebüchern die negativen Begebenheiten anvertrauen. Oft mag man seine Umwelt nicht belasten, muss es aber trotzdem jemandem mitteilen. Und da kommt das Tagebuch. In welcher Form auch immer es geführt wird.
Ich habe letztens hanschriftliche Aufzeichnungen aus den Jahren 1996 bis 2000 gefunden. Ich glaube, ich werde sie dem Schredder anvertrauen …
An den Schredder dachte ich auch – aber dann: von so vielem bliebt nichts übrig, an so vieles bleibt nichteinmal eine Erinnerung.
Wenigstens MEINES soll noch ein wenig erhaltenbleiben.
Dabei ist der Moment der Entscheidung, dieser winzige Augenblick, der einzige Moment wirklicher Freiheit. Sagt Alfred Andersch
Dann nutze ich meine Freiheit jetzt viel besser …
spannend spannend. ich stell(t)e mir beim tagebuchschreiben oft vor, wie ich als alte frau alles mal am stück lesen werde. mein leben revue passieren lassen. doch die dramatischsten jahre habe ich noch von hand geschrieben und kann das zöix schon heute kaum mehr lesen. ob schade oder gut weiss ich nicht.
du stösst auf viel unerfreuliches? ob wir einfach mehr schreiben, wenn wir unzufrieden sind?
ich wünsch dir gutes weitersuchen und ein paar schöne einode!
liebgrüss soso, die auch oft unter entscheidungsproblemen leidet
Ich schreib noch immer händisch – und kann meine Schrift tatsächlich immer entziffern. Anderen wurde es mit der Zeit schwer, meine Notizen zu lesen, weil ich eben deutsch schreibe (eine Mischung aus Kurrent-/Kanzlei- und Sütterlinschrift).
Ich habe heute mal darauf geachtet und die letzten Monate überflogen: Heute ist es oft das, was mich am meisten beschäftigt; und das ist oft nicht das Erfreulichste. Also hoffe ich, glaube ich, daß es früher auch so war und ich nur das Schlimmste nur für mich festgehalten habe, das, woran ich am meisten zu beißen hatte …
weil schreiben wohl eine form von verarbeiten-by-doing ist …
deine schrift klingt schön!
🙂
Irgendwo hier gibt es Kostproben davon …
Wenn Du das für Dich bereits 2002 erkannt hast, hast Du danach sicher etwas geändert, oder?
Auch mir fallen manche Entscheidungen um wirklich wichtige Dinge manchmal nicht so leicht. liebe Grüße Leonie
Ja, es hat sich was geändert. Bis vor zwei Jahren wurde es immer schlimmer (krankheitsbedingt, Depression), dann konnte ich keine einzige Entscheidung mehr treffen (glücklicherweis auch nicht die, meinem Leben ein Ende zu setzen).
Heute geht es, ich genieße es manchmal sogar, entscheiden zu dürfen.
Das ist genau der Grund weshalb ich (eigentlich) beschlossen habe, wieder Tagebuch zu führen. Weil es einfach spannend ist in alten Aufzeichnungen zu blättern und man doch ein Stück von sich selbst wieder entdecken kann. Das mit dem Nicht-Entscheiden kenne ich auch. Du hast das Problem dabei sehr schön treffend zusammen gefasst.
Ich hätte nur viel öfter daran denken sollen 😉
auch immer wieder, wenn ich in alten Tagebüchern lese, was ich schon in sehr jungen Jahren wusste, allerdings braucht es die dazugehörige Erfahrung, sonst nutzt alles Wissen nüscht, erst dann wohnt es in den Zellen und geht nicht mehr verloren … darum … hinaus in die Welt und das Leben erfahren und erspüren … ;O)
es muss heißen: ich staune auch immer wieder … tzz …
Mich deucht, ich hätte die Erfahrung damals auch schon gemacht haben müssen hätt ich sonst „Mehrfach“ druntergeschrieben?
Ich konnte mich noch nie leicht entscheiden. Früher nicht und auch heute nicht. All die Erfahrungen damit, dass das nichts nutz, haben mir leider nichts gebracht. Bin da wohl „lernresistent“.
lg Gabi
War ich auch, und je weiter ich in die Depression rutschte, desro weniger konnte ich entscheiden.
Wie ich oben schon schrieb: Jetzt geht es.
Dem brauch ich gar nichts hinzuzufuegen. Wir sind Menschen & manchmal sehr unlogisch, geht gar nicht anders;weil wir Gefuehle haben & nicht dauernd verstandesmaessig reagieren koennen.
Oft will ich nicht verstandesgemäß oder gar verständig reagieren. In der Therapie 2011 habe ich gelernt, Gefühle zu haben und ihnen nachzugehen, ihnen gemäß zu entscheiden.
oke, ich schreib ja keine Tagebücher. Vllt. poste ich stattdessen ab und an etwas. Aber nach den zahlreichen Updates & Upgrades hab ich ich auch schon wieder den Überblick verloren.
Manchmal find ich noch alte Sachen und wunder mich – Es is wies is oder macht doch was Ihr wollt. (H)
Wie oft hab ich schon die Gelegenheit, positiv (!!!) über mich zu staunen? Der Spruch war wiedereinmal eine solche.
(Der letzte Sachsenkönig soll mit den Worten abgedankt haben: „Machd eiern Dregg alleene!“)
Eigentlich gibt es immer etwas Schönes, Erhaltenswertes zu entdecken. In jeder Zeit, eigentlich. Manchmal prasseln aber so viele unangenehme Lebensumstände auf einen herein, dass man nichts mehr wahrnimmt, nur Leere. Man mag nicht mehr zum Briefkasten gehen oder an das Telefon, weil garantiert auch nur wieder Belastendes zu sehen und zu hören ist. Es tut alles nur dann nicht mehr weh, wenn man jegliches Gefühl ausschaltet, in Starre verfällt. Stimmt schon, Tränen hat man dann nicht mehr, kleine Freuden aber auch nicht. Irgendwann empfindet man es ganz stark, dass man raus muss aus dem Teufelskreis, sonst geht man zugrunde. Dann stehen Entscheidungen an. Man glaubt nackig und schutzlos zu werden, hat Angst. Von fast allem muss man sich trennen. Manches wird genommen. Wieder anders will man nicht mehr haben.
Es ist schön, wenn man sich wieder wahrnehmen kann, und seine Umwelt auch. Ein langer , beschwerlicher Weg ist es immer. Aber die Entscheidungsfreudigkeit, die wächst mit jedem Schritt. Ich hab das Sprichwort schätzen gelernt: „Es ist nicht schlimm hinzufallen. Es ist nur schlimm, wenn man liegen bleibt.“
Den ersten Absatz hab ich jahrelang gelebt. Will ich nie wieder.
Den zweiten leb ich jetzt. Und ich lebe und genieße, was es zu genießen gibt (egal, für wie ungesund das auch gehalten wird 😉 – zB Holzkohlegrillsteak) …
😀
Ich habe immer das Gefühl zu schnell zu entscheiden und dann falsch zu liegen.
Ganz liebe Grüße
Angie